Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

Textabbildung Bd. 282, S. 229
Die Lage und Abmessung der Farbscheibe ist so gewählt, dass dieselbe einerseits bis an die Führungswalze hinanreicht und von dieser in Drehung versetzt wird, anderentheils das Farbrädchen gerade in der Senkrechten durch dessen Achse trifft und dasselbe ebenfalls durch Reibung in Drehung versetzt und so dasselbe stets gleichmässig mit Farbe versorgt. Bei der Schriftgebung drückt das Farbrädchen sich an den Papierstreifen an und ist von der Farbscheibe abgehoben. Das Färb- oder Schreibrädchen ist in verkleinerter Form genau so hergestellt, wie die Farbscheibe, die zwischen den beiden Platten eingepresste Filzscheibe wird jedoch nicht unmittelbar mit der Schreibfarbe getränkt. Diese Einrichtung des Farbrädchens bietet nun den Vortheil, dass nicht nur eine gleichmässige Farbvertheilung stattfindet, sondern auch die überschüssig aufgenommene Farbe von dem Filzgewebe aufgesogen, und hierdurch übermässige Farbabgabe und durch diese bedingtes Verschmieren der Schriftzeichen vermieden wird. Ausserdem bildet das Farbrädchen in dieser Form gewissermaassen einen besonderen Farbebehälter, indem dasselbe stets so viel Farbe aufgespeichert hält, um selbst bei Entfernung der Farbscheibe behufs weiterer Tränkung mit Farbe die Abgabe der Schriftzeichen noch während der Zeit zu ermöglichen, welche zu dieser Tränkung nöthig ist.

Die Anschaffungskosten der Farbschreiber sind gering, da sich dieselben um etwa 25 Proc. billiger stellen, als die für die dermalen gebräuchlichen Farbschreiber.

II. Der Morseschreiber für erhabene Farbschrift von 1891 gleicht dem gewöhnlichen Morsestiftschreiber, nur die Nuthwalze ist anders gestaltet. Die Nuthwalze N (Fig. 7 und 8) ist aus zwei Theilen a und b zusammengesetzt; die zwischen denselben befindlichen Stahlscheibchen s und s1 werden durch eine Einlage e in entsprechender Entfernung von einander gehalten und bilden eine Art runder Reissfeder. Der Durchmesser der Stahlscheibchen s und s1 ist ebenfalls etwas kleiner als jener der Walze N. Wird nun auf irgend eine Art Farbe in die Nuth zwischen den Stahlscheiben eingeführt, so werden die durch den Druck des Schreibstiftes St hervorgebrachten erhabenen Zeichen gleichzeitig auch gefärbt.

Um diese Zuführung der Farbe in praktischer und sicherer Weise zu erzielen, ist auf den Gestellwänden G und G1 des Morse ein Aufsatz A befestigt worden, welcher das Farbrädchen f und die Farbrolle F trägt. Die Achse des aus einem Metallrädchen bestehenden Farbrädchens f ist, um eine seitliche Verschiebung zu verhindern, in einem besonderen, um die Zapfenschrauben z und z1 drehbaren Rahmen r gelagert. Die Farbrolle F liegt mit ihrer Achse in den schiefen Schlitzen des Aufsatzes A und auf den Enden des Gabelstückes B, welches um die Schrauben c und c1 drehbar ist. Beim Laufen des Werkes wird das Farbrädchen f, welches auf dem Umfange der zwei Stahlscheibchen s und s1 aufliegt, vermöge der Reibung mitgenommen und versetzt seinerseits wieder die Farbrolle F in Umdrehung, so dass ein gleichmässiges Abgeben der Farbe von F an das Farbrädchen f und von diesem an die Nuth zwischen s und s1 stattfindet.

Die Farbrolle F ist aus runden Filzscheiben gebildet, welche zwischen zwei Messingscheiben m und m1 gelagert sind. Die Scheibe m1 ist um die mit einem Gewinde versehene Achse drehbar; die mit Farbe getränkten Filzscheiben können somit durch Drehen der Messingscheibe m1 mehr oder weniger zusammengepresst und dadurch die Abgabe der Farbe regulirt werden.

Bei diesem einfachen Morse erscheint die Schrift rein und deutlich, scharf begrenzt, wie mit einer Reissfeder gezogen. Zugleich ist für eine zuverlässige Zeichengebung doppelte Sicherheit vorhanden; denn wenn aus was immer für einem Grunde (z.B. Mangel an Farbe) die Farbgebung aufhören würde, so werden doch immerhin die Zeichen noch erhaben erscheinen: auch ist verhütet, dass der Apparat, wie gewöhnliche Farbschreiber, verschmutze.

Ueber die Ursachen des Schlaffwerdens und der Blasenbildung der Elastiques an Schuhobertheilen.

Von Dr. Ad. Jolles und F. Wallenstein in Wien.

Mit Abbildungen.

Unserem Institute ist der Auftrag zu Theil geworden, Untersuchungen über die Ursachen der Erscheinung anzustellen, dass Gummizüge von Schuhobertheilen noch vor dem Gebrauche an einzelnen Stellen schlotterig und schlaff werden.

Zur Durchführung derselben wurden uns sämmtliche bei der Fabrikation verwendeten Rohmaterialien zur Verfügung gestellt.

Die uns gestellte Aufgabe lässt sich in folgende Fragen zusammenfassen:

1) Wodurch werden die Gummizugeinsätze der Schuhe an der Steppnaht schlotterig und schlaff?

2) an mittleren Stellen blasig und schlaff – und oft in auffallender Weise, noch bevor dieselben in Gebrauch genommen wurden?

In erster Linie wurde der Aufbau des Rohmaterials untersucht. Dasselbe wurde mit einem scharfen Messer in einzelne Theile zertrennt und die Grundstoffe unter dem Mikroskop geprüft. Hierauf wurden dieselben hinsichtlich ihrer physikalischen Eigenschaften, als Festigkeit, Farbe, Elasticität u.s.w., sowie in Betreff ihres Zusammenhanges mit den anderen Bauelementen des ganzen Zuges untersucht.

Hierauf wurde eine fractionirte Destillation der Kautschuklösungsmittel vorgenommen. Da uns bekannt war, dass die Lösungsmittel der als Klebmaterial dienenden Kautschukmasse durch Erhitzen entfernt werden, so mussten wir die Grenzen der Temperatur kennen lernen, zwischen denen sich die einzelnen Lösungsmittel verflüchtigen.

Es war uns dies von Wichtigkeit, weil es möglich ist, dass die angewandten Lösungsmittel nicht genügend entfernt wurden und daher sich einzelne Theile wieder loslösten, oder dass zu hohe Temperaturen nöthig wären, um die Lösungsmittel zu vertreiben, so dass die Kautschukkörper sich dabei in Kohlenwasserstoffe zersetzen, welche an und für sich lösend auf den Kautschuk wirken.

Um die Menge der Lösungsmittel kennen zu lernen, wurde von. 5° zu 5° destillirt und das Destillat in Maassgefässen aufgefangen. Es braucht wohl nicht besonders bemerkt zu werden, dass es hier nicht darauf ankam, die einzelnen Kohlenwasserstoffe chemisch zu isoliren, sondern nur mit genügender Schärfe die Temperaturen des Uebergehens festzustellen.

Zur Erhöhung der Genauigkeit wurden bei der Destillation die Glinsky'schen Röhrenaufsätze zur Anwendung gebracht, die das Zurückfliessen bezieh. die Trennung der gleichzeitig mit übergehenden höheren Siedeantheile von den ruhiger siedenden ermöglichen sollten.

Von hervorragender Bedeutung war ferner die Untersuchung des Klebers, da derselbe als Bindemittel zwischen den Gummizügen und den Schuhobertheilen diente.

Man musste dabei die sauren Eigenschaften des Klebers berücksichtigen, sowie den Umstand, dass derselbe einen vorzüglichen Nährboden für Schimmelpilze, sowie für andere,