Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

„Schmitzen“ vermieden wird, erhalten beide Cylinder durch die gemeinsam angetriebenen Zahnräder c und d (Fig. 3) gleiche Umfangsgeschwindigkeit. Der Umfang des kleinen Cylinders ist halb so gross wie der des grossen, und wenn letzterer eine Umdrehung macht, macht ersterer zwei.

Textabbildung Bd. 282, S. 241
Hat der grosse Cylinder das Bild auf der Gummiplatte h vom Steine abgenommen, so wird in der gezeichneten Lage das Blech zwischen beiden Cylindern unter den etwas geöffneten Greifern k an die etwas zurückstehenden Anlegemarken angelegt (Fig. 2). Nachdem das Blech angelegt ist, schliessen sich die Greifer k rasch und nehmen dasselbe eine kurze Strecke mit, bis der äussere Punkt e der Aushöhlung des kleinen Cylinders den grossen Cylinder berührt. Nun öffnen sich die Greifer und der kleine Cylinder a übernimmt die Führung des Bleches, wobei der Druck durch die Anpressung des kleinen Cylinders mittels der Spiralfedern f auf das Blech übertragen wird.

Die Greifer k öffnen sich bei der Umdrehung des grossen Cylinders kurz hinter einander zweimal. Beim Anlegen des Bleches während des Stillstandes des Cylinders sind sie wenig geöffnet, schliessen sich dann, bis das Blech zwischen die Oberflächen beider Cylinder gepresst wird, und öffnen sich nach erfolgtem Drucke plötzlich weit, um das Blech dem Arbeiter unter der Aushöhlung zugänglich zu machen. Das Erfassen der bedruckten Blechtafel wird dadurch erleichtert, dass zwei Stifte p dieselbe im geeigneten Augenblicke vom grossen Cylinder abdrängen. Das Bethätigen der Stifte p erfolgt mittels eines Hebels, dessen Rolle r auf den einstellbaren Knaggen s aufläuft. Bevor dann der grosse Cylinder b wieder über den Stein geht, haben sich die Greifer geschlossen. Der Ueberzug des Cylinders kann nach dem Drucke jeder Farbe mit Terpentin abgewaschen werden. Die Consistenz der Farbe bleibt dieselbe wie beim Papierdrucke.

Die Maschinen werden in vier verschiedenen Grössen gebaut, für Blechtafeln von 54 : 76 bis zu 68 : 100 cm. Die stündliche Leistung wird auf etwa 450 Abdrücke angegeben.

Die Blechdruckvorrichtung kann entfernt und die Maschine dann wie eine gewöhnliche Schnellpresse benutzt werden.

Kegelschnitt-Zirkel

von Dr. Carl Hildebrandt in Braunschweig.

Mit Abbildungen.

Patent No. 56560. Klasse 42: Instrumente. Wir haben in einer Abhandlung1) schon früher darauf hingewiesen, wie sich die Constructeure immer und immer wieder bemüht haben, sogenannte Ellipsenzirkel zu erfinden und dass sie sich durchaus nicht entmuthigen Hessen, wenn ihre Versuche nicht den gewünschten Erfolg hatten, sondern dass sie das Misslingen stets auf Rechnung der nicht gelungenen Lösung geschrieben haben. Wenn wir dann ferner die Angabe machten, dass sich die Constructionen oder Vorschläge für Ellipsographen schon sicher nach Hunderten beziffern, so bleiben nach Ausscheidung des unbrauchbaren Materials nur jene auf dem Problem der Cardanischen Kreise beruhenden übrig, und wenige andre, welche wirklich ihren Ausgang auf dem Kegel selbst nehmen. Wir haben von beiden Gattungen im oben genannten Aufsatze Charakteristiken gegeben und dort auch, unseres Wissens zum ersten Mal, die auf epicyclischer und hypocyclischer Rollung beruhenden Systeme in geometrisch-kinematischer Weise entwickelt und graphisch dargestellt.

Die Form des Kegelschnittzeichners, bei welchem die Mantellinie – ersetzt durch einen Stift – die Figur selbst zeichnet, haben wir in Fig. 18 Taf. 202) des citirten Bandes dargestellt. Eine solche Form ist die allein richtige, um gute Demonstrationsversuche anstellen zu können. – Wenn wir früher (s. Citat 1) bemerkten: die älteste Idee, Kegelschnittzeichner zu construiren, dürfte in dem 1821 bekannt gemachten Instrument von Märtens zu suchen sein, so sind wir unterdessen eines andern belehrt worden: A. v. Braitnmühl hat nachgewiesen,3) „dass die Idee, u. z. gerade jene, ein Instrument zu construiren, das den Kegelschnitt aus dem Kegel selbst erzeugt, nicht etwa erst unsrer Zeit angehört, sondern bereits über 300 Jahre alt ist“.4) Der Beleg hierfür findet sich in dem eben angeführten Handbuch, wonach ein Patrizier aus Venedig, Franciscus Barocius, in einem im Jahre 1586 in seiner Vaterstadt erschienenen Buche über Asymptoten ein solches Instrument angibt, v. Braunmühl fand dieses Buch auf der Münchener Staatsbibliothek und bemerkt, „dass in demselben S. 30 und 31 zwei verschiedene Instrumente abgebildet sind, denen allerdings eine sehr lückenhafte Beschreibung beigegeben ist; aber Abbildung und Beschreibung vereint, lassen doch den Gebrauch der Instrumente erkennen“. Das eine dieser Instrumente ist von Barocius erfunden, das zweite von Tiene, und dem Barocius von Jacobus Contarenus mitgetheilt.

Barocius nennt den letzteren den Archimedes seines Jahrhunderts. Beide Instrumente beruhen auf dem Gedanken, dem kegelbeschreibenden Stifte diejenige Ebene entgegenzuhalten, auf welcher der Stift den gewünschten Kegelschnitt gesetzmässig erzeugen muss. – Nebenbei

1)

Dingl. polytechn. Journal, 1885. Bd. 255. S. 188 ff.

2)

Universalkegelschnittzeichner von G. Oldenburger in Bochum.

3)

Hist. lit. Abthlg. der Zeitschr. f. Math. u. Phys. XXV. 5.

4)

s. Kästner, Geschichte der Mathematik, Bd. II. S. 98.