Text-Bild-Ansicht Band 282

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Pergä8)) mittels seines Zirkels sehr bequem zu lösen sein werden, so denkt sich derselbe z.B. Ellipsen statt der Kreise und damit das Problem so erweitert, dass drei Kegel mit gemeinsamer Spitze schief geschnitten werden u.s.w. Ein Gleiches gilt dann übrigens auch von dem Problem des Malfatti9). Hierdurch würde aber eine auf den ersten Blick frappante Aehnlichkeit des neuen Conographen mit dem Kegelzirkel von Drzewiecki10) nicht zum Nachtheile des ersteren ausfallen; um so mehr wird dann auch zu beachten sein, wenn der Erfinder unter Anwendung seines Zirkels eine grosse Anzahl von Constructions-Aufgaben der elementaren Geometrie zu lösen verspricht, wie Dreieckconstructionen, z.B. aus Grundlinie, Summa der anderen Seiten und Höhe u.s.w.

Wenn der Erfinder gezögert hat, eine Reissfeder statt des direct die Curve beschreibenden Stiftes anzubringen, weil dies bereits bei Drzewiecki u.a. geschehen, so müssen wir dies als einen zu hohen Grad von Bescheidenheit ansehen. Die Reissfeder besorgt nur die Projection der im Geiste schon vollendet dastehenden Curve auf die Papierfläche. Herr Hildebrandt hat uns wohl schon Constructionszeichnungen seines Zirkels, mit Reissfeder, vorgelegt, allein wir verschieben die Veröffentlichung derselben noch einstweilen, bis wir ein fertiges Exemplar des Zirkels besitzen.

Die Ausführung der Hildebrandt'schen Zirkel hat Herr O. Günther, Werkstatt für Präcisions-Mechanik in Braunschweig, übernommen, und zwar sollen kleinste Exemplare (Fusshöhe 2½ cm); die sich speciell für die Hand des Studierenden eignen werden und grosse Wandtafelzirkel ausgeführt werden. Die kleinsten Exemplare erhalten die Schraube zur Befestigung nach unserem Vorschlag. Die grossen Zirkel, deren einen Dr. Hildebrandt auf der Versammlung deutscher Mathematiker und Naturforscher in Braunschweig vorführte (Fusshöhe MD = 20 cm), sind im Fusse mit einem pneumatischen Luftdruckhalter versehen, derselbe ist sehr zweckmässig: Eine Gummiplatte wird durch Dreh Vorrichtung in die Höhe geschoben, so dass ein luftleerer Raum entsteht und der Apparat sich auf diese Weise festsaugt.

Wenn wir noch erwähnen, dass man mit dem neuen Kegelzirkel sehr langgestreckte Curven zeichnen kann, bei denen also die Brennpunkte sehr nahe an die Enden der grossen Achse zu liegen kommen – denn die Spitze des Zeichenstiftes, bezieh. die Reissfeder, kann bei Hitdebrandt's Construction sehr nahe an den Brennpunkt F heranrücken–, so dürfte dies ein nicht zu unterschätzender Vortheil sein. Wird noch ein Zeiger mit federnder Nadel, wie bei Drzewiecki, angebracht, welcher in jedem beliebigen Punkte der Curve die Normale scharf bestimmen lässt, so wäre das Vollkommenste erreicht.

Besonders wichtig erscheint uns aber der Hildebrandt'sche Zirkel noch dadurch zu werden, dass derselbe auch zum Zeichnen von Durchdringungscurven eines Kegels mit krummen Oberflächen, also im Unterrichte in der darstellenden Geometrie an Mittelschulen, benützt werden kann: Man braucht den Apparat, der dann selbstverständlich mit dem oben erwähnten Luftdruckhalter versehen sein muss, nur auf die betreffende Oberfläche festgesaugt zu stellen und der Stift wird die gewünschte Curve auf dem Cylinder (hohl oder voll), auf der Kugel, dem Ellipsoide u.s.w. vorreissen. Die genannten Oberflächen müssen natürlich ebenfalls die dem Unterrichtszwecke entsprechenden, der Zirkelgrösse angepassten Dimensionen haben.

München, im October 1891.

Ernst Fischer.

Bronzirmaschine.

Die vorliegende von der Firma Rockstroh und Schneider in Dresden gebaute Bronzirmaschine (D. R. P. Nr. 58093) ist hauptsächlich zum Bronziren einzelner steifer Blätter, Karten u. dergl. bestimmt und kann in directem Anschlusse an eine Tiegel- oder andere Druckpresse zur Verwendung kommen, so dass die derartig bedruckten Blätter direct von der Presse auf die in Längsrichtung oder im rechten Winkel zur ersteren gestellte, horizontal arbeitende Bronzirmaschine übergehen. Neu erscheint an der letzteren in der Hauptsache eine Vorschub- und Greifervorrichtung für die einzelnen Karten und ein schwingender Bronzirapparat, dessen Kippbewegung je nach der Länge des zu bronzirenden Blattes geregelt werden kann.

Textabbildung Bd. 282, S. 245
Die Maschine ist in Fig. 1 in einer Seitenansicht und in Fig. 2 in der Gesammtansicht dargestellt. Zum Einführen der einzelnen Blätter in die Maschine dienen die Transportwalzen aa1, über welche endlose Bänder gelegt sind, die durch Walze a1 ihre Umlaufbewegung erhalten. Diese Einführungseinrichtung kann auch in manchen Fällen, wie Fig. 2 zeigt, durch eine Tischplatte mit Längsnuthen ersetzt werden. Zwischen den Bändern treten zwei kleine Vorschubwinkel in die Transportfläche ein, welche Winkel über die Fläche hervorragen und das vor ihnen liegende Blatt bei ihrer Vorwärtsbewegung vorwärts schieben, bis letzteres durch eine Greifer Vorrichtung erfasst wird. Beim Rückgang der Winkel c verschwinden dieselben unter der Fläche, so dass ein neues Blatt soweit vorgeschoben werden kann, bis die wieder über die Fläche hervortretenden Winkel c gegen die hintere Kante des Blattes treffen können.

8)

Wir haben dieses Problem in unserem Werke „Linear zeichnen“, Th. Ackermann, München, 1873–76 sowohl in der Methode des Apollonius (jede Aufgabe durch Anwendung der vorhergehenden zu lösen), als auch in synthetischer Weise (Potenzcentrum, Potenzlinie und Aehnlichkeitsachsen) durchgeführt: Heft I, Taf. 1–6; Heft III, Taf. 1 u. 2.

9)

Ibid. Heft II, Taf. 1.

10)

Vergl. D. Th. Carl's Repertorium etc., München Oldenbourg. 1874 10 * 420.