Text-Bild-Ansicht Band 282

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 72, Bd. 282, Heft 12. Stuttgart, 18. December 1891.

Textabbildung Bd. 282, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.–. direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Ueber die Herstellung von Rohr- und Holzstäbchenmatten.

(Schluss des Berichtes Band 282 S. 247.)

Textabbildung Bd. 282, S. 253
Auf dem mechanischen Webstuhl zur Herstellung von einfachen und doppelten Rohrgeweben von P. Stauss und H. Ruff in Cottbus (D. R. P. Kl. 86, Nr. 42847), Fig. 15 bis 17, werden alle für die Herstellung der Gewebe nöthigen Operationen in selbsthätiger Weise ausgeführt, also auch das Eintragen der Rohre in das Fach. Dies wird dadurch bewirkt, dass die in rinnenförmige, vorn trichterförmig zulaufende Behälter (28) eingelegten Rohre durch imtermittirend fortbewegte endlose Ketten, auf welchen sich die Behälter (28) befinden, den durch Seiltrieb fortgesetzt entgegengesetzt gedrehten Transportwalzen (29) und (30) zugeführt werden, Fig. 16 und 17. Diese Walzen entfernen sich im geeigneten Zeitpunkt selbsthätig von einander, so dass ein Rohr zwischen dieselben eintreten kann, welches sie nach ihrer wieder erfolgten Annäherung in die Lade M einführen. Letztere besteht aus einem trichterförmigen Gehäuse, welches nach vorn offen ist und von den Verschlussdeckeln O geschlossen gehalten wird, Fig. 15. Die Trichter M sind zu 12 oder mehreren neben einander auf einem Winkeleisen g befestigt, zwischen welchen Trichtern die Hauptdrähte a hindurchgehen, während die Verschlussdeckel O an einem anderen Eisen O1 sitzen. Bei dem Transport des Rohres in die Lade wird dieses durch eine Fangfeder und die Verschlussdeckel der Lade daran gehindert, zurückzuschnellen, bezieh. seitlich auszuweichen, und es befindet sich unter dem Hauptdraht a und oberhalb des Bindedrahtes b. Durch Hebung des Schaftes S mit den Webedrähten b und seitliche Verschiebung dieses Schaftes wird der Webedraht b über den Hauptdraht a hinweggeführt, gleichzeitig geht die Lade M nach vorn, sie öffnet sich durch Aufwärtsbewegung der Verschlussdeckel O und das lose verwebte Rohr wird fest gegen den Brustbaum gepresst, bezieh. zwischen Haupt- und Webedraht gebunden. Darauf wird die Lade M zurückgezogen, der Verschlussdeckel O wieder heruntergelassen und der Schaft S auf der anderen Seite des Hauptdrahtes gesenkt. Gleichzeitig sind die Ketten mit den Rohrbehältern weiter bewegt worden, so dass wieder ein Rohr zwischen die Transportwalzen (29) und (30) gelang ist. Dieses wird nun, wie angegeben, zwischen Haupt- und Webedraht in die Lade geschleudert und dort verwebt. Das fertige Gewebe geht hierbei über den Brustbaum zu einer Messtrommel und wird auf den Warenbaum geleitet. Das Verweben des Rohres mit dem Hauptdraht geschieht demnach durch Verschieben des Schaftes von links nach rechts, bezieh. umgekehrt; wodurch die Bindedrähte das Rohr abwechselnd links und rechts mit dem Hauptdraht verweben.

Die Hauptdrähte a befinden sich bei diesem Webstuhl auf Spulen x und führen von diesen über den Drahtbaum x1 durch die Lade hindurch zum Brustbaum, während die Webedrähte b von den Spulen y kommen und über Rolle y1 zu den Rollen y2y3 des Schaftes S geführt werden. Durch geeignete Vorrichtungen lassen sich ebenfalls Doppelrohrgewebe herstellen.

Der mechanische Webstuhl für gazebindige Rohrgewebe von C. Stauss in Berlin (D. R. P. Kl. 86, Nr. 44260), Fig. 18 bis 20, unterscheidet sich dadurch von den bisherigen Rohr Webstühlen, dass hier die starken Kettendrahte c, ohne deren Gesammtgewicht zu bewegen, zwischen den Bindedrähten c1 behufs Festbindens der Rohrstengel hindurchgeführt werden und die Spulen m mit dem Bindedraht c1 nur seitlich zu verschieben sind. Es ist bei diesem Webstuhl die meist übliche Viertelsbewegung der Bindedrahtspulen dadurch in eine einfache seitliche Bewegung übergeführt, dass die starken Drähte c in Form dreieckiger Schleifen zugeführt werden, welche selbst um eine der Arbeitsstelle entsprechende horizontale Achse schwingen.

Die Grunddrähte c gehen von Rollen c1 um die Walze x, über die Rollen ff zurück nach der Walze x, wo die Rohrstengel festgebunden werden, und gelangen dann über Messtrommel z zum Warenbaum. In der Stellung Fig. 18 wird ein Rohrstengel aus einem oberhalb der Grundkette befindlichen Rohrbehälter auf die Drähte e aufgelegt. Durch Drehung der Hauptwelle wird mittelst auf derselben sitzender Hubscheiben der in Schlittenführung gehende