Text-Bild-Ansicht Band 282

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nun ausgeschlossen, dass in Folge solcher gewaltsamen Verletzungen Niederschlagswasser das Eisen selbst angreifen und durch Rostbildung die Schmelzschicht allmählich losblättern könnte, wie dies ehemals bei unvollkommenem Email so häufig an Strassenschildern zu beobachten war.

Eine andere Befürchtung, dass nämlich das Email, in Folge ungleichen Ausdehnungsvermögens von Metall und Email, unter dem Einflüsse von raschem und fortgesetztem Temperaturwechsel rissig werden könnte, ist nach allen bisherigen Versuchen, namentlich auch nach den Erfahrungen, welche an den seit langen Jahren (z.B. in belgischen Eisenbahn-Wartehallen) in Gebrauch stehenden emaillirten eisernen Oefen und Kaminen, insbesondere auch Häuserfaçaden gesammelt werden konnten, vollständig ausgeschlossen. Die Schmelz-Temperatur der angewandten Flüsse beträgt durchschnittlich 800–1200°. Auch die Elasticität des Emails ist ungemein hoch: z.B. lässt eine 25 cm lange, beiderseits emaillirte, einerseits bemalte Blechtafel sich um mehr denn 5 mm durchbiegen, ohne auch nur die geringsten Haarrisse zu zeigen; wenigstens nicht solche, welche bei zehnfacher linearer Vergrosserung und bei schief einfallendem Lichte wahrnehmbar wären.

Es kommen nunmehr aber noch einige Eigenschaften hinzu, welche darauf hinweisen, diesem Material weite Verbreitung im Bauwesen da zu gewähren, wo bisher theils Thonkacheln, theils lackirte Bleche, oder auch Holztafeln u.s.w. eine oft wenig zweckentsprechende Verwendung fanden. Es sind dies: die gute Schirmwirkung gegen strahlende Wärme, welche sich annähernd der von blank polirten Blechen gleichstellt, – wobei die angewandte Farbgebung mitunter etwas abschwächend einwirkt – bei fast ebenmässig gleichem Wärmeleitungsvermögen; andererseits geringe Dicke, also geringe Rauminanspruchnahme, und entsprechend geringes Gewicht. Somit ist also auch ein rascher Temperatur-Ausgleich durch Kontaktwärme gesichert, und damit erscheinen denn – bei richtiger Verwendung – auch unliebsame Schweisswasser-Bildungen vermeidlich, wie sie sonst bei Kachel-Verblendungen im Innern und Aeussern von Gebäuden oft als sehr lästig empfunden werden.

Unter den zahlreichen Anwendungen seien einige hier hervorgehoben, die den Architekten besonders interessiren müssen: Schilder zu Geschäftsläden u.s.w., die, in plastischem Email ausgeführt, eine weit grössere Leuchtkraft haben, als die jetzt üblichen Strassenschilder, Wandbekleidungen in Speise- und Badezimmern; letztere können bei Aenderung in Benutzung der Räume abgenommen und anderwärts verwendet werden. Ferner rechnen wir darunter die Ummantelungen zu Oefen aller Art. Auch wäre damit ein Mittel gegeben zu einer rationellen Verbesserung des Kachelofens, der dem Nordländer so viele zur Gewohnheit gewordene Annehmlichkeiten bietet. Es handelt sich darum, dem Ofen die Fähigkeit zu verleihen, schon bei Beginn der Heizung Wärme abzugeben, sowie die beheizte Luft in schnelleren Umlauf zu bringen. Auch zur Verkleidung von Röhren und dergleichen in Schmuckräumen würde dieses Material sich geeignet zeigen; z.B. könnten die „Ziereisen“ durch Uebermalung mit Email eine höhere und dauerhafte Zierde erhalten. Zu Schmuck-Umhüllungen von Säulen und Pfeilern, zu Thürfüllungen und Schlossschildern, Buffeteinrichtungen u.s.w. dürfte nicht leicht ein zweckentsprechenderes Material zu finden sein.

Zur Beurtheilung des Kostenpunktes diene Folgendes als Anhalt: Wandbekleidungen, welche aus Thon-, Porzellan- und Majolikaplatten fertig hergestellt, etwa 26,50 bis 36 Mark kosten, lassen sich in gleichem Farbenreichthum (und bei höherer Wirkung) aus emaillirtem Eisen um die Hälfte billiger ausführen.

[Kleinere Mittheilungen.]

Elektrische Packetbeförderung.

In der Sitzung vom 25. August 1891 hat A. R. Bennett in der British- Association einen Vortrag gehalten, worin er einen den städtischen Telephonanlagen nachgebildeten Plan zur elektrischen Beförderung entsprechend kleiner Packete erläutert. Nach dem Telegraphic Journal 1891 Bd. 29 * S. 271 sollen von einer, oder mehreren Mittelstellen aus eine Anzahl elektrischer Eisenbahnen geführt weiden, von denen Zweige nach den an dem Packetverkehre theilnehmenden Gebäuden abgehen. Diese Bahnen sollen in viereckigen Röhren geführt werden und jede zwei über einander liegende an den Seiten, bezieh. auf dem Boden befestigte Geleise enthalten, von denen zur Verhütung von Zusammenstössen das eine für die Hinfahrt, das andere für die Rückfahrt benutzt wird. Dabei kann zugleich während der geschäftsfreien Stunden die Röhre ihrer ganzen Höhe nach zum Durchgang von Menschen, zum Zweck von Ausbesserungen u.s.w. benutzt werden. Der den Strom zuführende Leiter liegt in der Mitte, jeder Maschinenwagen aber hat oben und unten eine den Strom vom Leiter abnehmende Rolle, von denen die eine bei der Hinfahrt, die andere bei der Rückfahrt den Strom dem Motor zuführt; als Rückleitung kann die Röhre dienen. Die Röhren können zugleich zur Aufnahme von Telephonleitungen, Lichtleitungen u.s.w. benutzt werden. In der Mittelstelle würde für jede Röhre eine Drehscheibe anzubringen sein und diese Scheiben entweder unmittelbar, oder mit Hilfe einer Mittelscheibe den Uebergang aus einer Röhre in die andere ermöglichen. An den Abzweigungsstellen aus den Hauptgeleisen nach den Gebäuden wären Weichen anzubringen, welche von der Mittelstelle aus elektrisch gestellt und in ihrer Stellung überwacht würden. In den Gebäuden könnten, wenn der Platz dazu beschafft werden kann, die beiden Geleise in einander übergeführt werden, so dass die Züge ohne Aufzug aus einem auf das andere geführt werden könnten. Die für die Rückfahrt zu benutzenden Stromzuleiter nach den Gebäuden erhalten nicht stets Strom, sondern nur wenn die Mittelstelle es erlaubt; daher können auch nur mit Erlaubniss derselben Züge aus den Gebäuden ins Hauptgeleise übergeführt werden; der Anker des den elektrischen Anschluss bewirkenden Elektromagnetes versperrt in seiner andern Lage zugleich mechanisch den Eintritt eines Zuges vom Gebäude her in das Hauptgeleise. Zum Signalisiren des Fortschreitens des Zuges kann die eine Schiene und ein dünner Rückleitungsdraht benutzt werden, zum Stellen der Weichen und Blocksignale Leitungsschleifen.

Bagnold's Geber für elektrische Klingeln.

Sowohl die bei elektrischen Klingeln benutzten Druckknöpfe, als die Zugtaster haben in Bezug auf die Sicherheit der Contacte und die Reinhaltung derselben und ebenso rücksichtlich ihrer Benutzung von verschiedenen Stellen eines Zimmers aus ihre Schattenseiten. Ihre Mängel hat der Major Bagnold in einem Geber zu beseitigen gesucht, welcher von Siemens Brothers & Co. in London ausgeführt wird. Nach dem Telegraphic Journal 1891 Bd. 29 * S. 545 besteht dieser Geber einfach aus einem elastischen Stahlstabe, welcher mit seinem untern Ende in einem Messingstücke festgemacht ist. Auf das obere Ende des Stabes ist ein Messingknopf aufgeschraubt, dessen Schaft sich innerhalb eines Messingringes befindet, während der Knopf sich noch ein Stück oberhalb des Ringes befindet. Da die Enden des Stromkreises an das Messingstück und den Messingring geführt sind, so wird der Strom der Batterie nach der Klingel entsendet, sowie der Schaft des Knopfes an den Ring heranbewegt und mit ihm in Berührung gebracht wird. Damit nun auch von einer beliebigen Stelle des Zimmers aus geklingelt werden kann, ist der Knopf mit einer ringsum laufenden Furche versehen, in welcher eine feine Schnur befestigt und nach einer andern Stelle des Zimmers geführt werden kann; zieht man an der Schnur, so ertönt die Klingel zufolge der Schliessung des Stromkreises.