Text-Bild-Ansicht Band 283

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vorkommenden Wasserbakterien sind bei der Reinigung des Flusses in der Weise betheiligt, dass sie die schwimmenden schädlichen Bakterien vernichten. Als Bedingung hierfür gilt nur, dass eine gewisse Verdünnung der abgeschwemmten organischen Stoffe im Flusse stattfinden muss, da in einer zu starken Nährlösung die Algen nicht mehr gedeihen. Die selbstreinigende Kraft eines Flusses muss hiernach in dem Maasse abnehmen, als. der Bestand an Pflanzen in den Flüssen vermindert oder zerstört wird. Dies findet besonders bei Zuführung von ätzenden und giftigen Abfällen aus Fabriken statt, welche ein Absterben des Pflanzenlebens im Flusse verursachen kann. Umfangreiche zusammenhängende organische Stoffe sind die Algen nicht im Stande als Nahrung aufzunehmen. Es empfiehlt sich deshalb, die Einführung derartiger Stoffe in den Fluss durch Anbringung von Gittern an den Einmündungsstellen von Abzugskanälen zu verhüten.

Aus den bisherigen Betrachtungen ergibt sich, dass die Einführung nicht geklärter Abwässer in einen Wasserlauf in den Fällen stets bedenklich erscheint, wo der letztere nur eine geringe Geschwindigkeit besitzt und in Folge dessen die erforderliche Verdünnung der abgeschwemmten organischen Stoffe für die Aufnahme derselben durch die Flusspflanzen nicht bewirken kann, oder wo durch Einführung schädlicher Fabrikabgänge das Pflanzenleben bereits vermindert und damit zugleich die Selbstreinigungskraft des Flusses beeinträchtigt ist. (Durch Centralblatt der Baurerwaltung Nr. 481891.)

L. B. Atkinson's elektrisches Sicherheitskabel für Bergwerke.

Um elektrische Anlagen in Bergwerken minder feuergefährlich zu machen, stellte L. B. Atkinson jede Stromleitung aus zwei Theilen her, dem Hauptleiter und dem Nebenleiter; in diesen vertheilt sich der Strom entsprechend dem Querschnitte, weil sie ja gleiche Länge haben. In jeden Theil wird ein Abschmelzdraht gelegt. Wenn nun der Hauptleiter durch irgend ein Ereigniss gebrochen wird, ohne dass der Nebenleiter zugleich mitbricht, so wird an der Bruchstelle kein Funke auftreten, da der Stromkreis noch geschlossen ist, der ganze Strom wird jetzt den Nebenleiter durchlaufen und in diesem wird daher der Abschmelzdraht abschmelzen; dabei wird aber ein Gewicht zum Fallen gebracht, das in einem Umschalter den Stromkreis ganz ausschaltet. Die Stromunterbrechungsstelle wird also hierbei gewissermassen an einen Ort verlegt, wo sie unschädlich ist. Dazu stellt nun Atkinson nach dem Telegraphic Journal 1891, Bd. 29 * S. 301. Kabel in folgender Weise her. Die Seele bildet ein in engen Spiralen gewickelter verzinnter Kupferdraht, oder noch besser mehrere parallel laufende Drähte; diese Seele bildet den Nebenleiter und wird übersponnen, jedoch nicht besonders gut isolirt. Darüber kommt der mehrdrähtige Hauptleiter von ausreichendem Querschnitt und wird in einer der bekannten Weisen gut isolirt. Wird das Kabel herabgerissen oder sonst irgendwie durch eine Zugkraft zerrissen, so streckt sich der innere Nebenleiter, dabei nimmt aber der Durchmesser der Spirale ab und diese wird lose in ihrer Umhüllung, was zum Abschmelzen des Abschmelzdrahtes führt.

Nach Befinden wird in den Nebenleiter nahe an der Verbrauchsstelle noch ein entsprechender Widerstand eingeschaltet, um den Fall der Spannung in diesem Leiter kleiner als im Hauptleiter zu machen und einen Spannungsunterschied zwischen den beiden Leitern aufrecht zu erhalten. Wenn daher durch einen fallenden Stein oder eine Schneide beide Leiter zur Berührung gebracht werden, so wächst im Nebenleiter die Stromstärke und der Abschmelzdraht schmilzt.

Künstliches Elfenbein

von A. und S. De Pont. (Oesterreich-Ungarisches Privilegium vom 22. Nov. 1890.)

Die Verfasser wollen künstliches Elfenbein dadurch herstellen, dass sie die chemischen Bestandtheile der Zähne mit einander mischen und verarbeiten.

Zur Herstellung der neuen Masse mischt man zweckmässig:

Calciumoxyd (CaO) 100 Theile
Wasser (H2O) 300
Wässerige Lösung von Phosphorsäure
(H3PO4) specifischen Gewichtes 1,05
bis 1,07


75


Calciumcarbonat (CaCO3) 0,16
Magnesia (MgO) 1–2
Thonerde als gefälltes Hydrat 5
Albumin 20
Gelatine 15

und knetet das Gemenge, bis es eine teigige, plastische Masse bildet. Diese wird in Formen auf 15 – 20° C. erhitzt und im Luftstrom zwei Tage der Trocknung überlassen.

In Pressformen wird die Masse nun einem Druck von 300 kqc bei 132° C. eine Stunde lang ausgesetzt. Nach dem Erkalten wird die fertige Masse drei bis vier Wochen trocknen gelassen und schliesslich abgedreht und polirt.

Vermuthlich wird die fertige Masse mehr dem gewöhnlichen Bein als dem Elfenbein gleichen.

Zg.

Bücher-Anzeigen.

Die Färberei der Baumwolle mit direct färbenden Farbstoffen, ein praktisches Handbuch für Färber, Coloristen, Techniker und Chemiker von V. H. Soxhlet. Erschienen 1891 bei der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger.

In dem soeben erschienenen Werke werden die Baumwollfaser, das Bleichen und Färben derselben, die Wasch-, Bleich-, Färbe- und Trockenmaschinen abgehandelt und daran anschliessend in eingehendster Weise die älteren, neueren und allerneuesten Baumwollfarbstoffe besprochen.

Die Farbstoffe sind meist durch Färbe Vorschrift und Ausfärbemuster, durch Bemerkungen über Anwendbarkeit und Echtheitsgrad in ihrem tinctoriellen Wesen charakterisirt. Die sogen. Entwickelungsfarben hat der Verfasser in einem besonderen Kapitel abgehandelt und namentlich beim Anilinschwarz seine vielfachen Erfahrungen (S. 217, 219, 222–23, 229 u.s.w.) niedergelegt.

Da die Baumwollfärberei bis dahin in ähnlich erschöpfender Weise nicht dargestellt worden ist, die Soxhlet'sche Schrift durch Vorführung der neuesten Färbemethoden und neuesten Farbstoffe den Anforderungen der Färberei der Neuzeit volle Rechnung trägt, so zweifeln wir nicht, dass das Werk von Seiten Aller, die in Farbstoffen interessirt sind, freudig begrüsst werden wird. Der Herr Verfasser hat eine wirkliche Lücke in der technischen Literatur ausgefüllt, er hat eine dankenswerthe Aufgabe in dankenswerthester Weise gelöst. Die altberühmte Verlagsbuchhandlung hat in bekannter Art das Werk schön ausgestattet dem Büchermarkte übergeben. Das Nähere ist aus dem nachstehenden Inhaltsverzeichniss zu ersehen: Die Baumwollfaser (S. 4–10). Die Directfärberei und die verschiedenen Arten des Färbens (S. 10–44). Die Benzidinfarbstoffe (S. 44–108). Combinationsfärbungen mit Benzidin und basischen Farbstoffen (S. 109–129). Andere direct anzufärbende Farbstoffe (S. 129–171). Entwickelungsfarben (S. 172–197). Anilinschwarz (S. 197–233). Graue Färbungen direct auf der Faser erzeugt (S. 233–237). Anhang. Literaturnachweis (S. 237–245). Deutsch-franz.-engl. Wörterverzeichniss. Alphabetisches Register.

Preisaufgaben.
Schwefelsaure Thonerde.

Der Termin zur Einsendung der Lösung der Aufgabe: Untersuchung der schwefelsauren Thonerde des Handels auf ihren Gehalt an fremden Bestandtheilen, namentlich an Eisensalzen, und Bestimmung des Einflusses an Verunreinigungen bei der Verwendung der schwefelsauren Thonerde in der Färberei und Druckerei (vgl. 1891 279 24) ist von der Schweiz. Gesellschaft für ehem. Industrie bis zum 31. December 1892 ausgedehnt worden, bis wohin etwaige Lösungen an Herrn Prof. Dr. Gnehm in Basel einzusenden sind. Weitere Auskunft ertheilt bereitwilligst der Actuar der Schweiz. Gesellschaft für chemische Industrie, Herr Dr. Henry Schaeppi in Mitlödi (Glarus).

Kraftcentrale.

Die Industrielle Gesellschaft von Mülhausen hat einen Preis ausgeschrieben betreffend den Entwurf einer Kraftcentrale im Ober-Elsass.

Der Preis besteht in einer Ehrenmedaille und einer Summe von 2000 M. für die beste diese Frage betreffende Abhandlung, in Anwendung auf einen industriellen Ort des Ober-Elsass.

Die Anlage muss die Vertheilung von wenigstens 5000 vorsehen.

Die näheren Bedingungen werden Jedem von dem Secretariat der Industriellen Gesellschaft in Mülhausen (Elsass) auf Verlangen zugesandt.