Text-Bild-Ansicht Band 283

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Wird 1 g Wolle mit 100 g einer 5 procentigen Natronlösung in der Kälte 48 Stunden stehen gelassen, so entsteht eine klare Lösung von braungelber Farbe, welche beim Ansäuern mit Schwefelsäure N2O3 entwickelt.

Verhalten gegen eine 1 procentige Natronlösung:

Versetzt man 1 g Schiesswolle mit 100 g einer 1 procentigen Natronlauge, so färbt sich die Lauge mehr und mehr gelb, ein vollständiges Auflösen der Wolle findet indessen nicht statt. Nach 52 stündigem Stehen wurde durch ein gewogenes Filterchen filtrirt, der Rückstand mit warmem Wasser vollständig ausgewaschen, getrocknet und der Verlust bestimmt. Es waren 0,779 g auf dem Filter verblieben. Eine 1 procentige Natronlösung zersetzt demnach innerhalb der angegebenen Zeit 22,1 Proc. der Schiesswolle.

Die Analyse des Rückstandes ergab Folgendes:

1) 0,2525 g Rückstandswolle gaben 54 ½ cc NO bei 15° C. und 736 mm Barometerstand; in Procenten:

12,39.

2) 0,2525 g Substanz gaben 53,7 cc NO bei 15° und 746 mm Barometerstand; in Procenten:

12,33.

Daraus geht hervor, dass die aus Jute bereitete Schiesswolle durch dünne Lauge zwar sehr stark angegriffen: zerstört wird, dass aber der zurückbleibende Theil nicht etwa ein Product darstellt, aus dem Nitrogruppen abgespalten wurden, sondern derselbe aus unangegriffener Schiesswolle besteht.

Verhalten gegen Soda: Wie aus den beiden letzt angeführten Versuchen hervorgeht, ist die Anwendung von Natronlauge zur Entsäuerung von Schiesswolle unstatthaft. Man ging daher zur Prüfung des Verhaltens der Soda über. Letztere wird im Grossen zur Entsäuerung der Schiessbaumwolle verwendet, das Verhalten der Soda gegen Nitrojute erschien daher interessant.

Verhalten gegen eine kalte 1 procentige Sodalösung:

1 g Schiesswolle wurde mit 100 g einer 1 procentigen Na2CO3-Lösung 50 Stunden unter öfterem Umrühren stehen gelassen. Dann wurde die wenig gelb gefärbte Lösung von der rückständigen Wolle abfiltrirt, der Rückstand ausgewaschen, getrocknet und gewogen. Es verblieben 0,9815 g. Der Verlust betrug also 1,85 Proc.

Die Analyse ergab:

0,252 g Substanz gaben 52,2 cc NO bei 16° C. und 748 mm Barometerstand; in Procenten:

12,04.

Verhalten gegen eine warme 1 procentige Sodalösung:

Digerirt man 1 g Schiesswolle mit 100 g einer 1 procentigen Sodalösung 3 Stunden lang auf dem Wasserbade, so erhält man eine stark gefärbte, braungelbe Lösung und einen Rückstand. Gesammelt, gewaschen und getrocknet wog derselbe 0,752 g. Es waren somit 0,248 g = 24,8 Proc. Wolle in Lösung gegangen.

Die rückständige Wolle war mehr weiss geworden.

Die Analyse derselben ergab folgende Resultate:

1) 0,2615 g gaben 54,5 cc NO bei 15° C. und 73,8 mm Barometerstand; in Procenten:

12,0.

2) 0,249 g gaben 54½ cc NO bei 16½ ° C. und 738 mm Barometerstand; in Procenten:

12,5.

Auch in diesem Falle hat eine gradweise Abspaltung nicht stattgefunden, die Zerstörung erstreckte sich wie in allen Fällen auf das ganze Molekül.

Was man aus diesen Versuchen sieht, lässt sich darin zusammenfassen, dass man zur Wegnahme der letzten Säurereste aus Schiesswolle weder kalte Natronlauge, noch warme Sodalösung anwenden soll. Man wird vielmehr zur Vermeidung von Substanzverlusten die Wolle mit einer schwachen Sodalösung versetzen.

Stuttgart, im Januar 1892.

Chemisch-technologisches Laboratorium der technischen Hochschule.

[Kleinere Mittheilungen.]

Ausbessern von Zinkgussfehlern.

Eine Natronwasserglaslösung von 33° B. rührt man mit feiner Schlemmkreide unter Zusatz von Zinkstaub (sogen. Zinkgrau) recht innig zu einer dicken plastischen Masse an, die nach 6 bis 8 Stunden erhärtet und ausserordentlich fest wird. Polirt man dieselbe nach dem Erhärten mit einem Achatsteine, so nimmt sie die glänzende weisse Farbe des metallischen Zinks an, so dass man mit dieser Masse schadhaft gewordene Zinkornamente und Zinkgefässe sehr dauerhaft ausbessern kann. Dieser Kitt soll an Stein und Holz ebenso fest wie an Metallen und Glas haften und sich auch zur Ausbesserung von Trinkgläserbeschlägen u. dgl. vorzüglich eignen. (Nach Industrie-Blätter durch Pharmaceutische Centralhalle, 1891 Bd. 32 S. 680.)

Darstellung von gereinigtem Chloroform.

Da bei Anwendung von Chloroform zu Narkosen öfter sich schädliche Nebenwirkungen zeigten, die man auf Verunreinigungen des Chloroforms zurückführte, so war man von jeher darauf bedacht, ein möglichst reines Präparat darzustellen. Neuerdings bringt nun Prof. R. Pictet, Berlin, ein chemisch reines Chloroform, das Chloroformium medicinale Pictet, in den Handel, das durch Ausfrieren aus dem gewöhnlichen Chloroform des Handels gewonnen wird. Pictet kühlt das gewöhnliche, bislang als rein angesehene Chloroform, in geeigneten Apparaten auf – 70 bis 80° ab; bei dieser Temperatur scheiden sich farblose Krystalle von reinem Chloroform aus, die von den eine schmierige Masse bildenden Verunreinigungen getrennt werden. Die Chloroformkrystalle lässt man wieder schmelzen. Das so erhaltene Präparat unterscheidet sich von dem mittels Schwefelsäure gereinigten hauptsächlich durch sein Verhalten gegen das Sonnenlicht. Während gewöhnliches Chloroform ohne Alkoholzusatz im Lichte sich sofort zersetzt, tritt die Zersetzung des Pictet'schen Chloroforms erst nach einiger Zeit ein. – Welcher Art diese Verunreinigungen sind, ist noch nicht aufgeklärt; Untersuchungen sind darüber im Gange. (Pharm. Centralhalle 1891 Bd. 82, S. 275, 340, 499, 517, 657).

Antik-Bronze für Gypsgegenstände.

Um Gypsgegenständen das Aussehen der antiken Bronze zu ertheilen, bedient man sich einer Bronzirflüssigkeit, welche man auf folgende Weise erhält: Eine Lösung von Palmölseife in weichem Wasser wird mit einer Lösung von Eisenvitriol und Kupfervitriol versetzt. Der entstandene Niederschlag, der je nach der Menge der angewandten Vitriole mehr oder minder intensiv gefärbt ist, wird abfiltrirt, gut ausgewaschen und getrocknet. Der pulverförmige Niederschlag wird in einem trocknenden Oele oder in einer Mischung von bestem Leinöl mit weissein Wachs gelöst und ist dann zum Gebrauche fertig. – Sind die Gypsfiguren, welche bronzirt werden sollen, neu und rein, so werden sie angewärmt und dann mit der Farbe überzogen. Sind dagegen die Gegenstände alt und beschmutzt, so müssen sie erst durch Abwaschen mit einer verdünnten Aetzkalilauge (3 in 100) und Nachwaschen mit Wasser gereinigt und gut getrocknet werden. Haftet der Schmutz sehr fest oder sind die Gegenstände schon zu dunkel geworden, so trägt man dickflüssige, gewöhnliche Stärke etwa messerrückenbreit auf, lässt eintrocknen, und wäscht dann den Stärkeüberzug mit lauwarmem Wasser ab. – Der Ueberzug der Farbe haftet so fest, dass die Gegenstände mit warmem Wasser abgewaschen werden können. (Nach Chem. und Drog. durch Polytechnisches Notizblatt 1891 Bd. 46, S. 184)..