Text-Bild-Ansicht Band 283

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Der Trockenapparat besteht aus einem langen, auf gemauerten Untersätzen stehenden Blechkasten a, auf dessen Boden sich eine Dampfschlange c befindet. In den Kasten sind lose vier gusseiserne Schalen b1 bis b4 eingesetzt.

Der Kasten ist etwa zu ⅔ mit Wasser gefüllt, welches, mit der Dampfschlange erhitzt, zum Wärmen der emaillirten Trockenschalen dient.

Der Gang der Arbeit ist also folgender: Man bereitet nach dem einen oder anderen Verfahren in A die Schmelze, lässt erkalten, zerschlägt die Masse in faustgrosse Stücke, bringt dieselben in den Kessel B, in welchem man sich vorher durch Auflösen von Natron in Wasser das Lösemittel bereitet hat und kocht so lange bis alles Fluoresceїn gelöst ist. Dann lässt man einige Zeit absitzen, filtrirt durch das Baumwollfilter C nach D, verdünnt mit Wasser, fällt mit Salzsäure aus, lässt absitzen, decantirt mehrere Male durch E, sammelt schliesslich den gut ausgewaschenen Niederschlag auf E und trocknet auf F.

Man kann mit der Einrichtung 36 k bezieh. bei Tag- und Nachtbetrieb 72 k Fluoresceїn anfertigen.

Cannstatt, Januar 1892.

Untersuchungen über die Bildung der Farblacke.

Von Dr. Carl Otto Weber.

(Schluss der Abhandlung S. 158 d. Bd.)

Nach den bei der Titration der Farbstofflösungen mit Tannin gemachten Erfahrungen ist es klar, dass nur wenn erstere mit der gerade erforderlichen Menge Tannin oder einem Ueberschusse desselben gefällt werden, der Farbstoff vollständig in den Tanninlack übergeht. Da die gerade erforderliche Tannin menge unbekannt ist, so bleibt nur übrig mit einem bekannten Ueberschusse von Tannin zu arbeiten und die nicht vom Farbstoffe gebundene Menge durch Titration zu ermitteln.

Zur Ausführung dieser Bestimmung benutzte ich: 1) eine Lösung von 50 g chemisch reinem Tannin und 200 g absolut reinem, gegen Permanganat völlig indifferentem Natriumacetat in 1 l destillirtem Wasser, 2) eine Lösung von 1 g Permanganat in 1 l destillirtem Wasser, 3) eine Lösung von 5 g reinem trockenem Indigocarmin und 100 cc concentrirter Schwefelsäure in 1 l Wasser. Von dem zu untersuchenden Farbstoffe wurde 1 g in 200 cc Wasser gelöst.

Zur Feststellung des Titers der Tanninlösung werden 20 cc (= 1 g Tannin) derselben auf 200 cc verdünnt. 5 cc hiervon werden in einem Becherglase mit 750 cc Wasser verdünnt, 20 cc der Indigolösung hinzugefügt und sodann mit der Permanganatlösung titrirt. In derselben Weise werden 20 cc der Indigolösung mit 750 cc Wasser verdünnt und mit Permanganat titrirt.

Zur Ausführung der Bestimmung wird 1 g des Farbstoffes in 200 cc Wasser gelöst. Man gibt darauf in eine 200 cc-Flasche 20 cc (= 1,000 g) der Tanninlösung und fügt darauf unter fortwährendem massigen Umschwenken 25 cc (= 0,125 g) der Farbstofflösung (nicht umgekehrt!) hinzu. Der Tanninlack scheidet sich dann sofort in äusserst fein vertheilter Form aus. Man bringt die Flasche sodann in ein Wasserbad, in dem sie während 10 Minuten erhitzt wird. Dann wird mit kaltem Wasser verdünnt und durch ein trockenes Faltenfilter filtrirt. 5 cc des Filtrates werden mit 750 cc Wasser verdünnt, 20 cc Indigolösung zugefügt und darauf mit der Permanganatlösung auf bekannte Weise titrirt. Das Resultat dieser Titration fällt natürlich niedriger aus, als das der Tanninlösung ohne Farbstoff, entsprechend dem Betrage der zur Lackbildung aufgewandten Menge Tannin. Die für 1 g Farbstoff erforderliche Menge Tannin ergibt sich aus der Formel:

In dieser Formel bedeutet a die Anzahl von Cubikcentimetern Permanganat, die zur Titration von 5 cc der auf 200 cc verdünnten 20 cc Tanninlösung und der 20 cc Indigolösung verbraucht wurde, c die Anzahl von Cubikcentimetern Permanganat, die zur Titration von 5 cc Filtrat, von den wie angegeben dargestellten Farblacken, und der 20 cc Indigolösung verbraucht wurde, b bedeutet die Menge Tannin in Milligrammen ausgedrückt, die 1 cc der Permanganatlösung entsprechen.

Hat man also beispielsweise gefunden, dass von den 20 cc der auf 200 cc verdünnten Tanninlösung 5 cc + 20 cc Indigolösung 35,4 cc der Permanganatlösung erfordern, so ist in obiger Gleichung a = 35,4 zu setzen. Hat man ferner gefunden, dass 20 cc Indigolösung 17,6 cc Permanganat erfordern, so lässt sich hieraus und aus a leicht berechnen, dass 1 cc Permanganat 1,420 mg Tannin entspricht und man hat daher b = 1,420. Findet man, dass von dem Filtrate des wie angegeben dargestellten Lackes 5 cc + 20 cc Indigolösung 33,2 cc Permanganat beanspruchen, so ist c = 33,2 und man hat

Dies heisst also, dass 1 g des untersuchten Farbstoffes 0,9988 g = 99,88 Proc. Tannin zur vollständigen Umwandlung des Farbstoffes in den Tanninlack erfordert. Hieraus lässt sich dann ohne weiteres der Tanninbedarf des Moleküles des Farbstoffes berechnen, eine Zahl, die im Allgemeinen für praktische Zwecke von wenig Werth ist, da die meisten basischen Farbstoffe von dem Zustande chemischer Reinheit sehr weit entfernt sind, in Folge der häufig sehr bedeutenden Mengen von Dextrin oder Zucker, die dieselben enthalten. (Folgt Tabelle von S. 184.)

Aus dieser Tabelle geht zunächst hervor, dass alle bis jetzt bekannten basischen Farbstoffe, mit Ausnahme des Chrysoidins, für das Molekül Farbstoff mehr als 1 Mol. Tannin zur Lackbildung erfordern. Bei solchen mehrsäurigen Farbbasen, die als Farbstoffe zwei oder mehr einwerthige Säureradicale enthalten (Malachitgrün, Bismarckbraun, Vesuvin, Indazin M), ist dies weiter nicht auffallend. Diese Thatsache kommt aber etwas unerwartet bei denjenigen Farbstoffen, die, obgleich mehrbasisch, als Farbstoffe nur in der Form einsäuriger Salze vorkommen, wie dies von der grossen Mehrheit der basischen Farbstoffe gilt. Wir können auf Grund der in obiger Tabelle enthaltenen Resultate sagen, dass mit zwei Ausnahmen alle basischen Farbstoffe für 1 Mol. Farbstoff 2 Mol. Tannin erfordern. Die beiden nicht dieser Regel sich fügenden Farbstoffe sind: Chrysoidin, das nur 1 Mol., und Auramin, das 1,5 Mol. Tannin für das Farbstoffmolekül erfordert.