Text-Bild-Ansicht Band 283

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und Stutzen b. Der Kessel A ist in einen Ofen mit einfachem Lauffeuer eingemauert und steht durch die Rohrleitung c mit dem Gastrockner B in Verbindung.

2) Aus dem Gastrockner B. Derselbe besitzt ein Mannloch zum Einbringen des die Wasserdämpfe absorbirenden Materials, in diesem Falle des in Stücke zerschlagenen Natrons. Das feuchte Gas tritt durch c bei d unten in den mit Einschnürung versehenen Gusscylinder ein, gibt seine Feuchtigkeit an das Natron ab und entweicht bei f durch g nach dem Kasten C. Durch den am Boden des Cylinders angebrachten Hahn e lässt man die sich im unteren Theile des Apparates ansammelnde Natronlauge ab.

3) Aus dem Holzkasten C. Derselbe besitzt 80 schmale vierseitige Holzrahmen mit Baumwolltuchboden, er kann mit der Thür i dicht abgeschlossen werden. Letztere trägt mehrere durch Stopfen verschliessbare Löcher zum Entnehmen von Proben. Durch das Rohr h steht der Kasten mit dem Schornsteine in Verbindung.

Will man arbeiten, so füllt man zunächst den Cylinder B mit Natronstücken, dann trägt man die trockene gesiebte Säure, z.B. Tetrajodfluoresceїn, auf die Rahmen auf, schiebt dieselben in den Kasten und schliesst durch die mit Filzstreifen beschlagene Thür den Kasten dicht zu. Schliesslich bringt man in den Gaskessel A die Kalkmilch und das Salmiakpulver, rührt etwas durch, schliesst den Kessel und feuert an. Es entsteht dann ein langsamer, gleichmässiger Gasstrom, der in B getrocknet und in C grösstentheils von der Säure absorbirt wird. Durch Probeziehen controlirt man den Fortgang der Operation. Löst sich z.B. die gezogene Probe Jodeosin vollständig in Wasser, so unterbricht man den Process durch Herausziehen des Feuers.

Cannstatt, Februar 1892.

[Kleinere Mittheilungen.]

Wandgetäfelplatten.

Gotthardt Groegor in Breslau stellt Wandgetäfelplatten in der Weise her (D. R. P. Nr. 56192), dass er Glasplatten einseitig mit einer Farbschicht, bestehend aus Wasserglas, Magnesit oder Zinkweiss und einer beliebigen trockenen Malerfarbe, bestreicht und den Ueberzug mit Sand bestreut. Nach dem Trocknen giesst man auf den Anstrich eine dünne Schicht von 60 Th. geschmolzenem Stangenschwefel, 40 Th. Sand und 1 Th. Zinksulfat und überstreut vor dem Erhärten wieder mit Sand. Schliesslich gibt man als letzten Ueberzug ein Gemenge von 1 Th. Cement und 3 Th. Sand. Die Aufstreuungen von Sand bezwecken eine bessere Verbindung der einzelnen Theilchen; der Schwefel, der auch durch eine Asphaltschicht ersetzt werden kann, dient als Isolirschicht gegen die Wandfeuchtigkeit.

J. v. d. Poppenburg's galvanisches Element.

Nach seinem D. R. P. Kl. 21 Nr. 58272 vom 15. März 1890 will John von der Poppenburg in Berlin das die Zink- und Kohlenelektrode enthaltende Gefäss mit dem Extracte von in Wasser gebrühtem Häcksel oder anderen Vegetabilien, wie Fluchs, Heu u.s.w. oder dem Extracte von Pferdedung anfüllen, damit das in den Pflanzenstoffen enthaltene Stärkemehl beim Brühen sich in Dextrin und dann in Traubenzucker verwandele, und dieser dann bei geöffnetem Stromkreis dem während des Betriebes gebildeten Zinkoxyde den Sauerstoff entziehe und so das Zinkoxyd zu metallischem Zink wieder reducire.

S. van Buren Essick's Typendrucktelegraph.

Der Geber des Typendruckers, welcher in Deutschland unter Nr. 59202 Kl. 21 vom 24. December 1890 ab für Samuel van Buren Essick in New York (vgl. 1889 274 170) patentirt worden ist, enthält eine Stiftenwalze; wird eine Taste niedergedrückt, so fängt sich an ihr der zugehörige Stift und hält die Walze in bestimmter Lage an. Beim Niederdrücken einer weiteren Taste wird die Walze wieder frei, dreht sich um ein von der niedergedrückten Taste abhängiges Stück und veranlasst dabei eine bestimmte Anzahl von Stromschliessungen und Unterbrechungen, bezieh. Stromumkehrungen, durch welche das Typenrad des Empfängers schrittweise auf die abzudruckende Type eingestellt wird. Das Telegramm wird in Zeilen auf ein Papierblatt abgedruckt, das auf einem schrittweise vorrückenden, nach Vollendung einer Zeile unter Verschiebung um eine Zeilenhöhe zurückgeführten Rahmen aufgespannt ist.

Elektricität für den Verschiebedienst auf Bahnhöfen.

In Nr. 10 der Deutschen Bauzeitung vom 3. Februar 1892 regt der kgl. Eisenbahnmaschinen-Inspector Brettmann die Frage an, ob nicht der Verschiebedienst für die Eisenbahnwagen mittels Elektricität zu bewirken sei? Zur Begründung macht er auf die hohen Kosten aufmerksam, welche der bisherige Verschiebedienst mit Locomotiven erfordert. Während des Betriebsjahres 1889/90 sind auf den preussischen Staatsbahnen 10433392 Verschubdienststunden geleistet, welche allein an Heizkosten 6 Mill. M. erfordert haben. Dabei sind die Unterhaltungskosten und die Kosten für das Personal noch nicht in Betracht gezogen. Von den rund 40,6 Mill. M. der Gesammtkosten der Züge entfallen gegen 7,7 Mill. M. = 19 Proc. auf den Verschiebedienst.

Als bequemstes und billigstes Betriebsmittel kann nach Brettmann nur die Elektricität in Frage kommen, die ja ohnehin in nächster Zeit allgemein zur Beleuchtung der Bahnhöfe Eingang finden wird.

Am vortheilhaftesten erscheint es dem Verfasser, zwischen den Gleisen senkrecht stehende Winden oder Gangspille anzuordnen, von denen mehrere gleichzeitig zur Bewegung eines grösseren Wagenzuges benutzt werden können. In gewissen Fällen würden sich auf Zahnstangen wirkende Motorwagen empfehlen, die auf den betreffenden Gleisen ihren Platz haben und nötigenfalls mittels Schiebebühne von einem zum anderen Gleise gebracht werden können. Wir betrachten vorstehende Zeilen als Anregung für die Kreise der Elektrotechniker und verweisen im Uebrigen auf die Quelle.

Prüfung von Sand- und Kalksteinen.

Gelegentlich des Münsterbaues in Bern untersuchten A. Tschirch und O. Oesterle verschiedene schweizerische Sandsteine speciell auf ihre Verwendbarkeit als Bausteine.

Hierbei kommt vor allem die Verwitterungsfähigkeit in Frage, welche abhängt von dem Gehalte an Kieselsäure und Silicaten, von der Natur und Menge des Bindemittels, der Wasseraufnahme und der Dichtigkeit. Bezüglich der letzteren gilt das Gesetz, dass Gesteine mit dichtem Gefüge, grosser Härte und hohem specifischen Gewichte dauerhafter sind, als poröse, wenig feste, weiche und leichte, und dass Gesteine von feinem Korne weniger leicht verwittern als grobkörnige. Um die Wasseraufnahme zu bestimmen, haben Verfasser relativ kleine, gewogene, lufttrockene Steinstücke in Wasser gelegt und unter der Luftpumpe vollständig mit Wasser getränkt, dann äusserlich abgetrocknet und wieder gewogen. Zur Beurtheilung der Verwitterungsfähigkeit wurden die gepulverten Steine 5 Tage mit Wasser digerirt, welches unter einem Drucke von 4,5 at mit Kohlensäure gesättigt worden war. Darauf wurde filtrirt und der ungelöste Rückstand gewogen. In allen Fällen wurde ausserdem die Kieselsäure bestimmt. Die Resultate in Procenten waren:


Herkunft

Kieselsäure

Wasser-
aufnahme
Durch
Kohlen-
säure gelöst
Bern, Ostermundingen, gelb 56,28 7,77 17,56
Bern, Ostermundingen, blau 61,77 6,46 13,59
St. Gallen, St. Margarethen 62,36 4,19 11,91
Zug, Unteregeri, gelb, feinkörnig 68,34 3,39 9,51
Walchwyl 68,59 3,64 7,06
Unteregeri, gelb, grobkörnig 68,95 3,19 10,15
Unteregeri, blau 70,59 3,66 9,77
Egeri, erste Probe 71,24 4,29 9,27
Gubel, Menzigerberg, blau 71,04 3,64 8,46
Gubel, Menzigerberg, gelb 73,04 4,27 5,72
Oberkirchen, Deutschland 96,29 8,36 1,88

Aus diesen Zahlen geht hervor, abgesehen von dem quarzitartigen Oberkirchener Sandstein, dass die kieselsäurearmen Ostermundinger Steine auch viel Wasser aufnehmen und viel in kohlensäurehaltigem Wasser lösliche Substanz an dieses abgeben, die kieselsäurereichen Gubeler dagegen nur wenig Wasser aufnehmen und wenig in kohlensäurehaltigem Wasser Lösliches abgeben, also ganz übereinstimmend mit der Erfahrung über die Verwitterungsfähigkeit dieser Steine. Die schlechten Steine enthielten ausserdem die doppelte Menge Kalk und Magnesia.