Text-Bild-Ansicht Band 283

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Der auf ein entlastetes Drosselventil einwirkende Regulator (System Steinle) erhält seinen Antrieb vom Hochdruckwellenende durch ein Paar konische Räder; seine stehende Welle ist in einem gusseisernen Bock gelagert, der, unten die Räder verschliessend, auf einer Verlängerung der Grundplatte befestigt ist.

Der Dampfverbrauch der Maschine soll etwa 8 k für die indicirte und Stunde betragen, steht demnach in gleicher Höhe mit demjenigen einer gleichstarken Verbundmaschine mit Condensation.

Das Gesammtgewicht incl. Betriebsscheibe, Lagerstuhl und Anker mit Platten beträgt 3700 bis 3900 k.

Von ausländischen Firmen hatten nur Ruston, Proktor und Co. in Lincoln die Ausstellung mit Dampfmaschinen beschickt und zwar mit einer weiter unten erwähnten halbstationären Verbundlocomobile im Palmengarten und einer stationären liegenden Verbundmaschine in der Maschinenhalle. Die letztere, für einen Kesseldruck von 9 at erbaute, als 50–60 pferdig bezeichnete Maschine betrieb mittels Riemen eine Wechselstrommaschine von Woodhouse und Rawson in London.

Auf dem kastenförmigen, gusseisernen Rahmen sind die Cylinder von 225 bezieh. 350 mm Durchmesser und für 400 mm Kolbenhub befestigt; der Hochdruckcylinder ist mit einem aus besonders hartem Gusseisen gefertigten Arbeitscylinder versehen und, wie auch der Niederdruckcylinder, von einem Dampfmantel umgeben, aus denen das Condensationswasser durch einen Ejector fortgeschafft wird.

Die aus Hartguss gefertigten Flachschieber sind behufs möglichster Reducirung der schädlichen Räume getheilt, und um einen schnellen Dampfabschluss zu erzielen, auf ihren Rücken, ebenso wie die darauf gleitenden Expansionsschieberplatten, mit drei schmalen Einströmöffnungen versehen; der Muschelschieber des Niederdruckcylinders arbeitet mit fester Expansion. Zur Dampfvertheilung des Hochdruckcylinders dient eine mittels Excenter in schwingende Bewegung versetzte Coulisse, welche durch einen Porter'schen Regulator gehoben oder gesenkt wird.

Die Excenterscheiben sind aufgekeilt und die Keilnuthen so angeordnet, dass die Scheiben leicht für den Rückwärtsgang gedreht werden können. Das Dampfabsperrventil befindet sich an der Vorderseite inmitten der Maschine und zur Anfettung des Arbeitsdampfes dient ein auf dem Schieberkasten des Hochdruckcylinders sitzender Oelbehälter mit sichtbarem Tropfenfall.

Die Berliner Maschinenbau-Actiengesellschaft vormals L. Schwartzkopff in Berlin hatte eine stehende Tandemmaschine nach dem System Dörfel-Pröll (1891 280 * 229) mit 200 bezieh. 300 mm Cylinderdurchmesser, 300 mm Hub ausgestellt, welche bei 260 minutlichen Umdrehungen mittels Oldham'scher Kuppelung zum directen Betreiben einer Dynamo mit einer Leistung von 120 Volt und 300 Ampère diente.

Der Hochdruckcylinder ist unmittelbar auf den Deckel des Niederdruckcylinders gestellt und die durchgehende Kolbenstange nach beiden Cylindern hin durch eine Metallstopfbüchse abgedichtet.

An der tiefsten Stelle eines jeden Cylinders ist ein schwingender Hahnschieber angebracht, und beide werden, durch eine Stange mit einander gekuppelt, von einem einzigen mittels Schwungradregulator verstelltem Excenter angetrieben. Durch die geschaffene Doppelregulirung wird sowohl die Expansion wie auch die Compression an beiden Cylindern verstellt.

Die Maschine war kräftig construirt und mit den erforderlichen Oel- und Tropfapparaten hinreichend versehen.

Als Eigenthümlichkeit ist der direct an die Kolbenstange geschweisste Kreuzkopf zu nennen. Die Firma hatte ausserdem eine Verbund- und eine Eincylindermaschine, beide ebenfalls mit je einem Dynamo gekuppelt, zur Ausstellung gebracht.

Ausser der 1891 282 1 bereits erwähnten 100 pferdigen halbstationären Verbundlocomobile mit Condensation von R. Wolf in Buckau-Magdeburg waren in dem Maschinenhause des im südwestlichen Ende von Frankfurt gelegenen Palmengartens, in welchem man eine Filiale der Ausstellung errichtet hatte, noch eine halbstationäre Verbundlocomobile von Ruston, Proktor und Co. in Lincoln, sowie eine desgleichen von Garrett, Smith und Co. in Magdeburg ausgestellt.

Die zur Locomobile von Ruston, Proktor und Co. gehörige Dampfmaschine war unter dem Kessel auf einer festen Fundamentplatte gelagert und zeigte bezüglich ihrer Construction eine grosse Uebereinstimmung mit der vorstehend beschriebenen liegenden, in der Maschinenhalle ausgestellten Verbundmaschine der genannten Firma. Die Cylinder von 228 und 355 mm Durchmesser hatten Dampfmäntel und waren auf dem Fundament befestigt, welches hier aus zwei starken schmiedeeisernen Trägern bestand, die in kanalförmigem Querschnitt hergestellt waren.

Die als 60 pferdig bezeichnete Maschine war mit grossen Schmiergefässen, einem Tropföler und einem Ejector versehen, der die Dampfmäntel von Condensationswasser entleert. Für den Niederdruckcylinder war ein Hilfsanlassventil vorgesehen.

Der 32 qm Heizfläche haltende Kessel aus Siemens-Martin-Stahl war nach dem Locomotiv-Siederöhrensystem für einen Arbeitsdruck von 9 at gebaut. Zur Erleichterung der Reinigung waren ausreichende Schlammlöcher, sowie an der unteren Kesselfläche Schlammsammler angebracht.

Bei der 50 pferdigen Verbundlocomobile von Garrett, Smith und Co. ist die Dampfmaschine auf den Kessel gesetzt und mit einer ebenfalls selbsthätigen, vom Regulator einstellbaren Schleppschiebersteuerung nach Guhrauer versehen. Die Dampfvertheilung des Hochdruckcylinders wird durch einen Vertheilungsschieber mit auf dem Rücken getheilten Kanälen, sowie durch zwei darüber gleitende Expansionsschieberplatten geregelt. Der Regulator dreht mittels Hebels eine über den Expansionsschiebern liegende Stange, auf welcher eine Büchse festgekeilt ist, die in ihrer Mitte einen aufgewundenen Keil und an den Enden zwei Anschläge trägt; je nach der Stellung des Keiles werden die Expansionsschieber mehr oder weniger von einander entfernt, wodurch die Dampfeinströmung der Geschwindigkeit der Maschine entsprechend geregelt wird. Der Niederdruckcylinder arbeitet mit einem festen Füllungsgrade.

Beide Cylinder sind mit durchgehenden Kolbenstangen, sowie mit selbsthätigen Schmierbehältern versehen; Kolbenstangen, Schieberstangen und Kreuzkopfzapfen sind aus Stahl und sämmtliche Lager aus Phosphorbronze hergestellt. Die mit um 180° von einander abweichenden