Text-Bild-Ansicht Band 284

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 73, Bd. 284 Heft 4. Stuttgart, 22. April 1892.

Textabbildung Bd. 284, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.– direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G. Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.

Von Oberingenieur L. Kohlfürst.

(Fortsetzung des Berichtes S. 1 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

IX. Sicherungsanlagen auf Bahnhöfen oder besonders gefährdeten Bahnstellen.

Die verschiedenen zur Sicherung der Züge auf Bahnhöfen oder an sonstigen, besonders gefährdeten Bahnstellen dienenden Anlagen haben in Prankfurt eine hervorragende und ihrer Wichtigkeit angemessene Vertretung gefunden.

Textabbildung Bd. 284, S. 73
Um vorerst von jenen Einrichtungen zu sprechen, welche bloss die gegenseitige Abhängigkeit von Signalen zur Aufgabe haben, wären elektrische Verriegelungsvorrichtungen (Verschlüsse) anzuführen, welche seitens der Firma Peyer, Favarger und Co. in Neuenburg ausgestellt waren. Diese vom Ingenieur Favarger construirten elektrischen Verschlussapparate weichen in ihrer Anordnung wesentlich von denjenigen ab, die für gewöhnlich in Deutschland angewendet zu werden pflegen, und auch die Rangirsignale (Disques de garage), zu deren Vervollständigung die gedachten Verriegelungen zu dienen haben, sind in den deutschen und österreichisch-ungarischen Signalordnungen nicht vorgesehen. Der Doppelflügel V und die Fig. 65. Laterne L eines solchen Signals (Fig. 65), wie es von der genannten Firma erzeugt wird, sind auf einer senkrechten Spindel befestigt, welche in dem gusseisernen, röhrenförmigen Säulenschafte S drehbar gelagert ist und oben die Blechhaube H trägt, um den Innenraum der Signalsäule gegen das Eindringen von Regen oder Schnee zu schützen. Der Flügel parallel zur Bahn gestellt bedeutet: Rangiren erlaubt, der Flügel senkrecht zur Bahn heisst: Rangiren verboten. Diese Art Wendescheiben stehen auf grösseren Bahnhöfen der Schweizer und französischen Bahnen in der Regel in der Nähe der Einfahrtsweichen an den Rangirgeleisen oder am sogen. Auszugsgeleise und haben lediglich den Zweck, beim Rangiren in Anwendung zu kommen. Gestellt wird das Signal durch den betreffenden Bahnwärter oder den Rangirmeister, und zwar mit Hilfe der Kurbel K, indem dieselbe, wie dies die Fig. 66, 67 und 68 (worin die Einrichtung des Kurbelgehäuses K, Fig. 65, des Näheren dargestellt erscheint) ersehen lassen, ihre Bewegungen durch das Kegelrad g auf das doppelt so grosse, auf der Signalspindel b festgekeilte Kegelrad e überträgt. Jede halbe Umdrehung der Kurbel entspricht somit einer Vierteldrehung der Spindel b, d.h. je einer Signalumstellung. Der an der gusseisernen Gehäusewand festgeschraubte Träger i, in welchem die Kurbelachse h gelagert ist, trägt ausserdem noch die zwei von einander und vom leitenden Apparatkörper wohlisolirten Contactfedern w und x, welche der auf h sitzende Daumen k bei jeder ganzen Umdrehung der Kurbel einmal in Berührung bringt; dabei ist k in solcher Lage auf h festgemacht, dass der Contactschluss wx nur erfolgt bezieh. besteht, wenn die Scheibe auf Rangirverbot zeigt. Zum richtigen, genauen Einstellen der Signalspindel bezieh. des Signals dient einerseits der auf der Signalspindel festgekeilte, cylindrische Gusskörper d, andererseits die in dem Winkelstücke p gelagerte, bei t drehbare Klinke l; erstere hat an vier Stellen prismatische Ausschnitte m1, letztere hingegen das seitlich vorstehende Stück m, welches in die vorgenannten Ausschnitte oder Fallen hineinpasst und stets in einer solchen ruht und auf diese Weise die Spindel b unverrückbar festhält, wenn die Wendescheibe sich in einer Signallage befindet.

Textabbildung Bd. 284, S. 73

An der Klinke l ist auch noch das nach abwärts reichende Winkelstück n festgeschraubt und am freien Ende das Uebergewicht o angebracht. Vermöge dieses Gewichtes wird l, welches, solange die Kurbel gedreht wird, mit m auf d