Text-Bild-Ansicht Band 284

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Stahl mit 8 mm dicken Wänden und 654 cc Rauminhalt, welche einem Drucke von 55 k auf 1 qmm Widerstand leistet. Diese Flasche ist auswendig vernickelt und inwendig emaillirt, zum Schütze gegen die ätzende Einwirkung der während der Verbrennung immer sich bildenden Salpetersäure. Ein stählerner Deckel, den man auf einen zwischengelegten Bleiring niederschraubt, dient als Verschluss. An diesem Deckel ist ein Hahn angebracht, durch welchen das Sauerstoffgas zugeführt wird, und ausserdem eine gut isolirte Elektrode, deren Verlängerung im Inneren der Flasche ein Platinstäbchen E bildet. Ein anderes, gleichfalls an den Deckel befestigtes Platinstäbchen endigt sich in eine flache Schale, als Träger des zu verbrennenden Stoffes. Beide Stäbchen sind durch die feine Eisendrahtspirale verbunden, welche, durch den galvanischen Strom glühend gemacht, die Entzündung bewirkt.

Zum Apparat gehört ferner: die mittels eines Hebels L in Thätigkeit zu setzende Vorrichtung S, welche dazu dient, eine Anzahl schraubenförmig gebogener Blechstreifen auf und nieder zu bewegen, um die abgegebene Wärme im Wasser gleichförmig zu vertheilen, ferner das Thermometer T, die galvanische Batterie P von 10 Volt, endlich ein von der Compagnie continentale d'oxigène mit Sauerstoffgas von 120 at Spannung gefüllter Cylinder O, dessen Vorrath zu ungefähr 100 Versuchen hinreicht, nebst Manometer M. Als Beispiel mag hier angeführt werden, dass bei einem Versuche mit der Steinkohle aus dem grossen Flöz von Montrambert die Verbrennungswärme von 1 k sich zu 8373 Cal. herausgestellt hat. Handelt es sich um die Verbrennungswärme einer Flüssigkeit, so ist es, wenn diese merkbar verdunstet, zweckmässig, das Probequantum in einem dünnen Glaskolben, durch welchen der zum Entzünden dienende Eisendraht geführt ist, zu verschliessen und zu wiegen. Unmittelbar nach Einsenkung des Kolbens in die Stahlflasche B muss man die Spitzen, in welche der Glaskolben ausgezogen ist, abbrechen, um dem Sauerstoffgas den Zutritt zur Flüssigkeit zu gestatten. Auf diese Weise hat Mahler als Verbrennungswärme des Naphtalins bei drei Versuchen 9680, 9690 und 9644 Cal. gefunden.

Um die Verbrennungswärme der Gase zu bestimmen, macht man die Flasche luftleer, füllt sie mit dem Gas, macht sie zum zweiten Mal luftleer und füllt sie dann bei dem herrschenden Barometerstande und der Temperatur des Laboratoriums definitiv mit dem Gas. Hierauf lässt man das Sauerstoffgas hinzutreten und verfährt im Uebrigen wie bei festen und flüssigen Körpern. Doch muss man sorgfältig jenes Mischungsverhältniss vermeiden, bei welchem die Brennbarkeit des Gemenges aufhören würde.

Mahler hat seiner Mittheilung zwei Tabellen beigefügt, wovon die eine die Analyse und Verbrennungswärme von sieben Steinkohlensorten aus Frankreich und mehreren Erdölsorten aus Amerika und Russland, die andere die Analyse und Verbrennungswärme der Destillationsproducte der Steinkohle von Commentry enthält.

Ueber Hochofenschlacken und deren Verwerthung.

Mit Abbildungen.

Ueber die Verwerthung von Hochofenschlacken in den Hütten der Oesterreichischen alpinen Montangesellschaft liegen neuerdings ausführliche Berichte vor.

Den Vorträgen des k. k. Artilleriehauptmanns Franz Walter1) und des Hütteningenieurs Max Paulovich2) können wir entnehmen, dass an der Verwerthung der Hochofenschlacke für Pflasterungs-, Beschotterungs- und Bauzwecke in Oesterreich rege gearbeitet wird.

Die bedeutendsten Fortschritte wurden in der Erzeugung von Schlackenziegeln und in der Herstellung von Metallic-Pflaster gemacht.

Erzeugung von Schlackenziegeln.

Bekanntlich hat die Firma Lürmann, Mayer und Wieking in Osnabrück die Fabrikation von Schlackenziegeln zuerst in grossem Maasstabe betrieben. Dieselbe belief sich 1875 bereits auf 5073400 Stück (vgl. auch 1891 279 41).

Gegenwärtig wird die Herstellung von Schlackenziegeln in mehreren anderen Hütten, so namentlich in der Eisenhütte Schwechat bei Wien, mit grossem Erfolge betrieben.

Die Granulation der Schlacke (über deren Zweck schon mehrfach berichtet wurde, vgl. 1890 275 433 und 1891 279 69) wird daselbst zweckmässig in folgender Weise ausgeführt:

Die Schlacke, welche während des Eisenabstiches über die Trift läuft, fliesst in einem Gerinne mit einem Wasserstrahle zusammen, wird dabei granulirt und gelangt nach ganz kurzem Laufe in ein tieferes Bassin, aus dem sie gleich ausgebaggert werden kann.

Der mit dem Schlackensande zu mischende Kalk (etwa 1 Th. Kalk auf 6 Th. Schlackensand) wird in Löschkufen mit so viel Wasser vermengt, als zur Herstellung eines feuchten Kalkschlammes erforderlich ist.

Textabbildung Bd. 284, S. 233
Kalk und Schlackensand werden nun in geeigneten Mischvorrichtungen mit einander vermengt. Die Einrichtung einer vielfach verwendeten Mischmaschine, von Albrecht Stein in Wetzlar construirt, ist die folgende:

Die durch die rotirenden Daumen b in stossweise Erschütterung versetzte Eintragslutte a (Fig. 1) führt die von einem Arbeiter aufgeschütteten Materialien Kalk und Schlakkensand dem Walzenpaare c zu. Diesem Walzenpaare fällt die Aufgabe zu: 1) zu verhindern, dass grössere Schlackentheile oder andere fremde Körper dem Mischwerke zugeführt werden und 2) den durch die Walzen gezogenen Schlackensand in möglichst gleichmässiger, noch weiter zerkleinerter Form dem Mischer abzuwerfen.3)

1)

Mittheilungen des k. k. technologischen Gewerbemuseums in Wien, 1890 S. 165 und 177.

2)

Vortrag, gehalten am 5. Februar in der Fachgruppe der Berg- und Hüttenmänner des Ingenieur- und Architektenvereins in Wien.

3)

Die hier beigegebenen Zeichnungen sind der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen und dem Vortrage von Paulovich entnommen.