Text-Bild-Ansicht Band 285

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 73. Bd. 285, Heft 11. Stuttgart, 9. September 1892.

Textabbildung Bd. 285, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.–. direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.

Von Oberingenieur L. Kohlfürst.

(Fortsetzung des Berichtes S. 59 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

XIII. Zeitcontrole.

Zur Erzielung und Sicherung des äusserst wichtigen Gleichganges der Dienstuhren innerhalb eines Bahnnetzes lassen sich im Allgemeinen bekanntlich zwei Hauptwege einschlagen: entweder sind die vorhandenen Eisenbahntelegraphen benutzt, um in bestimmten Zeiträumen – in der Regel täglich einmal – zur festgestellten Stunde den Bahnstationen die richtige Zeit telegraphisch bekannt zu geben, wonach dann die Bahnhofs- und sonstigen Dienstuhren, falls sich Differenzen zeigen, mit der Hand richtig eingestellt werden, oder es kommen elektrisch betriebene oder elektrisch regulirbare Uhren in Anwendung. Vielfach und insbesondere auf grossen weitläufigen Bahnhofsanlagen finden wohl auch beide Formen Benutzung. Auf der Ausstellung ist jede dieser verschiedenen Gattungen vertreten gewesen.

In der Sammlung der preussischen Staatsbahnen war seitens der königl. Eisenbahndirection Berlin ein ganz neuer Uhrzeichenapparat ausgestellt, nämlich ein vorzüglich gearbeitetes Chronometerwerk, das für die dauernd genaue Angabe der mitteleuropäischen Zeit eingestellt ist, in Verbindung mit einer Vorrichtung, die, durch den Chronometer beeinflusst, das tägliche Zeitzeichen auf sämmtliche in Berlin einmündende Eisenbahntelegraphenleitungen automatisch abgibt. Uhr und Automattaster befinden sich in hübsch geschnitzten, weisseichenen, theilweise verglasten Schränken, die auf einem ebenso ausgeführten Untergestellskasten angebracht sind, der zur Unterbringung der erforderlichen Batterien und Nebeneinrichtungen dient. Das mit Stunden-, Minuten- und Secundenblatt versehene Chronometerwerk, welches direct von der Berliner Sternwarte auf elektrischem Wege regelmässig justirt wird, veranlasst den Automaten täglich zwei Minuten vor acht Uhr Vormittag zur Abgabe des Zeitzeichens, das, auf diese Weise von Berlin aus in die einzelnen Bahnverwaltungen gelangend, als Grundlage gilt für den Gang bezieh. die Richtigstellung der Dienstuhren auf den gesammten preussischen Staatsbahnen. Dieses Zeitzeichen wird durch die Morsebuchstaben – – • – – • • (m e z mittlere europäische Zonenzeit) dargestellt, welche, wie ein Anruf- oder Alarmzeichen, durch längere Zeit – etwa 70 Secunden lang – wiederholt werden; daran schliesst sich ein Strich (eine Stromunterbrechung) von etwa 50 Secunden Dauer, dessen Ende genau mit der bestimmten Zeit zusammenfällt, also Punkt, acht Uhr darstellt. Das Wesentlichste des vom Eisenbahntelegrapheninspector Zwez angegebenen, bei Siemens und Halske in Berlin ausgeführten selbsthätigen Zeitzeichengebers, welcher derzeit am Schlesischen Bahnhofe in Berlin in Thätigkeit steht, lässt sich aus der schematischen Darstellung (Fig. 121) ersehen. In jeder der dreissig einbezogenen, durchwegs auf Ruhestrom geschalteten Eisenbahntelegraphenleitungen ist, wie bei L1 , je ein Federcontact f, c zwischengeschaltet und diese sämmtlichen Contacte sind ähnlich wie die Tasten einer Klaviatur neben einander in eine Reihe gebracht. Unter der Federnreihe f liegt ein um eine Achse i drehbarer Elfenbeinsteg n, welcher, wenn er aufwärts gedrückt wird, sämmtliche Contactfedern f von ihren Contactambossen c abhebt, also sämmtliche Telegraphenleitungen L unterbricht.

Textabbildung Bd. 285, S. 241

Diese Anordnung vertritt sonach die Stelle eines gemeinsamen Schlüssels und ihn im richtigen Momente im Rhythmus des Zeitzeichens thätig zu machen, ist eben Zweck und Aufgabe der Vorrichtung. Zu diesem Ende sitzt an einem Rade R1 des Chronometerwerkes ein Daumen d, welcher vermöge seiner Lage und da sich R innerhalb 24 Stunden einmal umdreht, täglich um 7 Uhr 58 Minuten Vormittags die beiden Contactfedern p und q in Berührung bringt und hierdurch die Localleitung I schliesst. Es gelangt demzufolge die Batterie B1 zur Wirksamkeit, welche ihrerseits die beiden Elektromagnete M1 und M2 thätig macht. Davon ist M1 der Auslöseelektromagnet eines Apparates, der so ziemlich dieselbe Anordnung besitzt, wie etwa ein verkleinertes Siemens'sches Universalläutewerk, dessen Laufwerk jedoch, statt Glockenklöppel zu bewegen, eine Schablonenscheibe in Umdrehungen versetzt. Die letzte, deren Rand entsprechend dem Anrufe zum Zeitzeichen ausgeschnitten ist, beginnt ihren Lauf, sobald die früher erwähnte Auslösung vom Elektromagnete M1 erfolgt, und