Text-Bild-Ansicht Band 286

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 73, Bd. 286, Heft 3. Stuttgart, 14. October 1892.

Textabbildung Bd. 286, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.– direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G. Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 25 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Eine Construction, welche den Schaber überflüssig macht, ist im D. R. P. Nr. 54939 an Wilhelm Kittner in Antonsthal patentirt worden. Ganz eine ähnliche Ausführung zeigt das amerikanische Patent Nr. 421574 an Charles E. Johnson in Watertown, N. Y. In der Kittner'schen Ausführung sehen wir (Fig. 30) eine Walze A aus Metall oder Hartgummi die Stelle des Schabers vertreten. Diese Walze liegt entweder nur vermöge ihres Eigengewichtes oder auch noch gedrückt durch das Gewicht am Gewichtshebel A2 auf der Oberwalze. Das Wasser aus dem Spritzrohr S spült wie bei den sonstigen Ausführungen den Filzbezug aus, während der Druck der Walze A den Schlauch so weit wie möglich auspresst. Weil A drehend mitgenommen wird, kann nicht leicht Reibung eintreten und der Filzschlauch wird geschont. Mitgenommene Fäserchen werden vom Umfange der Walze A durch den Schaber C abgestreift, ohne dass die Gautschwalze zu leiden hat. Selbst scharfer Druck durch die Walze A, wobei der Filz gut ausgepresst auf die Papierbahn gelangt, was ja sehr zu wünschen ist, wird gut ertragen werden. In Johnson's amerikanischem Patent ist die Gewichtsbelastung der Walze A durch Schraubenpressung ersetzt. Weiter ordnet derselbe eine Bürste an, welche, in der Längenrichtung der Gautschwalze maschinell bewegt, den Filzbezug noch etwas aufrauht, bevor er durch das Spritzwasser ausgespült ist. Ein Schutzbrett, welches nach Bedarf benutzt wird, verhindert, dass die allenfalls kleben gebliebene Papierbahn weit mitgenommen wird.

Textabbildung Bd. 286, S. 49
Weil das Langsieb leider nur zu häufig ausgewechselt werden muss, ist jede Anordnung, welche diesen Arbeitsvorgang erleichtert, nur zu empfehlen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, ist die im amerikanischen Patente Nr. 448441 von Thomas H. Latimer gegebene Lagerung der unteren Gautschwalze nicht schlecht. Die Lagerböcke p für dieselbe sind nach unten halbkreisförmig gestaltet (Fig. 31), legen sich in entsprechende Ausnehmungen des Maschinengestelles ein und werden festgeschraubt. Soll ein Sieb ausgewechselt werden, so entfernt man vorerst die obere Lagerschale c, fasst dann den Zapfen n durch ein genügend langes Rohr, schraubt den Bock p ab und hat dann die Walze nach der Seite frei, ohne sie anheben zu müssen; das Sieb kann dann, wie gewöhnlich, abgestreift werden.

Textabbildung Bd. 286, S. 49
Textabbildung Bd. 286, S. 49
Wenn man die aus der Gautschpresse austretende Papierbahn auf den Legfilz überführen will, so gelingt dies, besonders bei breiterem Papier, oft erst nach vielen vergeblichen Versuchen. Wesentlich erleichtert soll diese Arbeit durch den sogen. Gautschknecht, System Krön (D. R. P. Nr. 53240), werden, indem man die aus der Gautschpresse tretende Papierbahn zuspitzt. Zu diesem Zwecke ist (Fig. 32) quer über die Maschine ein Rohr cc1 gelegt, an das ein drehbares Rohr e, ähnlich, wie ein Krahnschnabel geschlossen ist. Denken wir das Sieb mit der constanten Geschwindigkeit c, das Rohr e mittels des Handgriffes f mit der constanten Winkelgeschwindigkeit ω bewegt, während aus der Mündung von e ein Wasserstrahl lothrecht abwärts auf die Papierbahn trifft, so wird diese nach einer krummen Linie uv zertheilt. Die Gleichung derselben auf die Coordinatenachsen durch d, senkrecht und parallel zur Bewegungsrichtung des Siebes, ist: