Text-Bild-Ansicht Band 286

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A. Gay und R. Hammond's Elektricitätslieferung.

Um zwischen zwei bestimmten Punkten eines Stromkreises, z.B. zwischen den Klemmen irgend einer Stromquelle, den Strom in unveränderlicher Spannung oder in unveränderlicher Stärke zu erhalten, wenden A. Gay und R. Hammond in London die nachfolgend beschriebene, ihnen unter Nr. 20896 vom 22. December 1890 patentirte Anordnung an. Von der einen Klemme A, von der die Leitung AC ausgeht, führen sie einen Draht nach der Achse eines zweiarmigen Hebels, der mit dem kreisförmigen Kern eines Solenoids S so verbunden ist, dass er durch diesen mit dem einen oder mit dem anderen Ende in ein Quecksilbernäpfchen eingetaucht werden kann. Von den beiden Näpfchen gehen zwei Drähte nach der zweiten Polklemme B, von welcher die Leitung BD ausgeht, und jeder dieser Drähte enthält in sich ein Solenoid, der gemeinsame Kern dieser beiden Solenoide s1 und s2 aber ist kreisförmig gestaltet und auf der Achse eines Armes befestigt, welcher je nach seiner Stellung mehr oder weniger Rollen eines in die Leitung BD eingeschalteten Widerstandes kurz schliesst. Das Solenoid S endlich, dessen Kern mit jenem zweiarmigen Hebel verbunden ist, wird als Nebenschluss zwischen die Punkte E und F der beiden Leitungen eingeschaltet, wenn der Spannungsunterschied zwischen E und F unveränderlich erhalten werden soll, bei unveränderlich zu erhaltender Stromstärke dagegen in die eine Leitung.

Wenn nun die Spannung um einen bestimmten Betrag von der verlangten nach oben oder nach unten abweicht, so schliesst der Kern in S einen Strom durch eines der Solenoide s1 und s2, bewegt dessen Kern und schaltet dadurch mehr, bezieh. weniger Widerstand in die Leitung ein.

Kuppelung für Hughes-Typendrucktelegraphen von Siemens und Halske.

In der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1892 * S. 413, ist eine von Siemens und Halske in Berlin ausgeführte Verkuppelung der Druckachse mit der Schwungradachse an Hughes-Typendruckern beschrieben, welche mit der für Stock und Co. patentirten (vgl. 1891 282 13) insofern verwandt ist, als der Sperrkegel nicht in radialer Richtung eingelegt und ausgelegt wird, sondern beim Verkuppeln und Entkuppeln parallel zur Druckachse verschoben wird. Die Einlegung des Sperrkegels in das an seiner Stirnfläche verzahnte, auf der Schwungradachse sitzende Zahnrad besorgt eine Feder, sobald der Elektromagnetanker abgerissen worden ist und nun eine am Sperrkegel angebrachte Nase auf dem zweiten Theile der hier ebenfalls nicht in einer lothrechten, sondern in einer wagerechten Lage angeordneten sogen. schiefen Ebene hingleiten kann. Kurz vor Vollendung eines Umlaufs der Druckachse gleitet die Nase wieder über den ersten Theil der schiefen Ebene hin und dabei wird der Sperrkegel aus dem Zahnrade nach der Seite hin ausgehoben, also die Kuppelung wieder gelöst.

Wasserglaskitt.

Wasserglas gibt mit Metallpulvern und einigen Metalloxyden schnell fest werdende und polirbare Kittmassen, die sich zum Ausfüllen von Gussfehlern bei Eisen, Messing, Zink u.a. ihrer Härte wegen eignen. Braunstein bildet mit Wasserglas einen sehr festen schwarzen Kitt. Am besten eignet sich zu diesen Kitten Kali Wasserglas von etwa 36 bis 40° B. (Nach Chem. und Drog. durch Polytechnisches Notizblatt, 1892 Bd. 47 S. 233.)

Saprol, ein neues Desinfectionsmittel für Fäcalien.

Unter dem Namen Saprol bringt die chemische Fabrik von Dr. H. Nördlinger in Bockenheim bei Frankfurt ein dunkelbraun-schwarzes Oelpräparat in den Handel, das einen dem Lysol und Creolin ähnlichen Geruch besitzt und auf wässerigen Flüssigkeiten schwimmt. Letztere Eigenschaft ist von Bedeutung, weil die darunter befindlichen Flüssigkeiten die desinficirenden Bestandtheile wie Phenol, Cresole und andere in Wasser lösliche Producte des Steinkohlentheeres auslaugen. Diese können sich daher mit den Fäcalien vermischen und ihre Wirkung entfalten, während die Oelschicht, welche sich gleichmässig auf der Oberfläche der Flüssigkeit ausbreitet, sowohl das Entweichen übelriechender Gase als auch das Hineinfallen der Luftkeime verhindert. Das Auslaugen der wirksamen Bestandtheile soll durch Bewegen der Schichten begünstigt werden, was in Aborten durch einfallende Fäcalien bewirkt wird. Die Anwesenheit von Ammoniak erhöht ebenfalls die Auslaugefähigkeit, weil dasselbe die Wasserlöslichkeit der Theerdestillationsproducte erhöht.

Bezüglich seiner desinficirenden Eigenschaften wurde das Saprol von Dr. Hugo Laser am hygienischen Institut zu Königsberg einer Prüfung unterzogen. Dieselbe ergab, dass zur Desinfection des Urins und der Fäces 1 Proc. an Saprol genügt. Cholerafäces werden dadurch in 24 Stunden; Typhusfäces innerhalb 48 Stunden steril. Versuche im Grössen konnten von Verf. nicht angestellt werden.

Für die Anwendung des Saprols zur Desinfection im Grössen gibt die chemische Fabrik von Dr. H. Nördlinger einige Constructionen, auf welche an dieser Stelle nur hingewiesen sein mag. Der Preis des Saprols beträgt für 1 l 0,60 M., in grösserer Menge bezogen nur 0,40 M. (Nach eingesandtem Abdruck aus dem Centralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde, 1892 Bd. 12 S. 234 ff.)

Verwerthung von Lederabfällen.

J. B. Barton in Cleveland, Ohio, Nordamerika, verwerthet Lederabfälle in der Weise, dass er dieselben fein gemahlen mit Leinöl, gebranntem Kalk, einem Farbstoff und, wenn nöthig, mit einem Gemisch aus Harz oder Colophonium und Erdöl behandelt und die erhaltene Masse zwischen Eisen- oder Stahlwalzen auf Jute oder Leinwand presst. Dieser neue Belag, welcher weniger brennbar als Linoleum und Wachstuch sein soll, besitzt nur geringen Geruch und eignet sich besonders zum Belegen von Treppen an Stelle der sogen. Läufer. (D. R. P. Nr. 60015 vom 29. Januar 1891.)

Bücher-Anzeigen.

Die Dynamomaschine. Zum Selbststudium für Mechaniker, Installateure, Maschinenschlosser, Monteure u.s.w., sowie als Anleitung zur Selbstverfertigung von Dynamomaschinen, leicht fasslich dargestellt von Prof. W. Biscan. Leipzig. Oscar Leiner. 108 S. 2 M.

Bei der Darstellung ist das Streben nach Einfachheit und Deutlichkeit unverkennbar und im Ganzen auch wohl erreicht; störend ist nur die mangelhafte, zum Theil fehlerhafte Fassung des Ausdruckes. Hier einige Beispiele: „Ausgebeutet werden allerdings oft genug Personen von sogen. Batterie-Beleuchtungsschwindlern, die erst durch schwere Opfer zur Erfahrung der Unzweckmässigkeit einer galvanischen Batterie zu Beleuchtungszwecken gelangen“ (S. 7). Ferner S. 11: „Das ruhige Fliessen eines Stromes, selbst eines ziemlich starken Stromes, durch den menschlichen Körper wird fast gar nicht oder nur sehr wenig an den Eintrittsstellen, besonders wenn dieselben wund sind, empfunden.“ Wir könnten noch eine stattliche Reihe solcher Mustersätze, die stark an Karlchen Miesnik erinnern, zum Besten geben, wollen uns aber mit den vorstehenden Proben begnügen.

Das kleine Haus mit Garten. Praktische Winke bei dem Baue von kleinen Landhäusern, Villeggiaturen und Cottages in Verbindung mit Gartenanlagen. Als Lösung der modernen Wohnungsfrage von Lothar Abel, Architekt. Mit 76 Abbildungen. Wien. Hartleben's Verlag. 92 S. 4 M.

Das Ideal des Verfassers ist das einzelnstehende, mit einem Garten umgebene Wohnhaus, zu deren Einrichtung er allgemeine Winke gibt, die als Vermittler zwischen Bauherrn und Baumeister dienen sollen, indem sie dem Bauherrn über die Wahl des Platzes, über Baumaterial und Eintheilung der Wohnräume aufklären. Die Anlage des Gartens ist Geschmackssache und unser Geschmack fällt mit dem des Verfassers nicht immer zusammen.

Leitfaden der Mechanik. Elementares Lehrbuch für Mittelschulen und zum Selbstunterricht bearbeitet von R. Lauenstein. Stuttgart. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger.

Mit dem vorliegenden Werke sind die Lehrbücher des Verfassers zu einem abgerundeten Ganzen abgeschlossen, so dass nunmehr die Fächer der technischen Mechanik, soweit sie an den Baugewerkeschulen gelehrt werden, in einheitlicher Bearbeitung vorliegen. Wie in des Verfassers „Festigkeitslehre“ und „Graphischer Statik“ ist auch hier eine Reihe von Beispielen zur Einübung des Lehrstoffes eingefügt worden. Die günstige Aufnahme, die den vorhergehenden Lehrbüchern des Verfassers zu Theil geworden ist, wird auch dem vorliegenden Werke nicht fehlen.