Text-Bild-Ansicht Band 286

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Werkstück in den Winkelausschnitt durch den Anzug der Schraube a hineindrückt, welche vermöge zweier Bügel c an den Schieber b frei drehbar angelenkt ist.

In G. Engert's Mitnehmer (Fig. 14) klemmt ebenfalls ein gezahnter Winkelschieber das Werkstück, dadurch aber dass der eigentliche Mitnehmerfinger um einen Bolzen schwingt und durch einen Schlitz des Rahmens bis zum Werkstück greift, wird der eingreifende Klemmdaumen das Werkstück nach einem Drehsinn festspannen, nach dem umgekehrten Drehsinn sofort aber freigeben (Scientific American, Bd. 61 vom 2. November 1889).

Lüftungseinrichtungen für Werkräume der Textilindustrie.

Von F. H. Haase, gepr. Ingenieur, Patentanwalt in Berlin.

Mit Abbildungen.

Die Beschaffung einer zweckmässigen Lüftung für Werkräume der Textilindustrie, d. i. für Spinnerei- und Webereisäle, wird als eine der schwierigsten Aufgaben des Lüftungsfaches erachtet, obwohl mehrere Textilindustrieanlagen als durchaus zufriedenstellend gelüftet bekannt sind. Es zeigt sich eben hier wie in allen anderen Fällen, dass man durch getreue Nachahmung einer Lüftungseinrichtung nicht gleiche Erfolge erzielen kann, wenn die Verhältnisse, für welche die nachgeahmten Lüftungseinrichtungen bestimmt sind, nicht völlig die gleichen sind wie diejenigen eines Raumes, den man als Vorbild gewählt hat. In der That sind die maassgebenden Verhältnisse in den verschiedenen Zweigen der Textilindustrie selbst dann sehr verschieden, wenn die allgemeinen baulichen Einrichtungen völlig gleich sind.

Da durch Lüftung ein der Gesundheit der Baumbewohner zuträglicher Zustand der Raumluft geschaffen werden soll, so muss ausser der Luftreinigung auch der Temperaturzustand, sowie die Feuchtigkeit der Luft den allgemeinen Bedingungen der Gesundheitspflege entsprechend geregelt werden.

Was die Feuchtigkeit der Luft betrifft, so habe ich früher an dieser Stelle ausführlich erörtert, dass gleichmässig bis auf 75 Proc. gesättigte Raumluft an und für sich noch keine Veranlassung zu Gesundheitsschädigungen der Raumbewohner gibt und dass in Werkräumen der Textilindustrie mit Rücksicht auf die Ergiebigkeit der Arbeit und Güte des Fabrikates eine grössere Feuchtigkeit der Raumluft erforderlich ist, als man sie sonst aus allgemeinen Gesundheitsrücksichten als nothwendig erachtet.

Eine Commission des Industrie-Vereins in Mülhausen im Elsass, welche sich im Juli 1891 mit dieser Frage eingehend beschäftigte, gelangte zu der Ueberzeugung, dass in Kammgarnspinnereien die Fabrikation 70- bis 75procentige Sättigung der Raumluft benöthigt, während in Baumwollspinnereien 65procentige und in Webereien, in welchen leichte Gewebe mit befeuchtetem Schussgarn erzeugt werden, im Mittel 60procentige Sättigung der Raumluft genügt. Fügt man dazu noch hinzu, dass der Feuchtigkeitsbedarf in Webereien, in welchen schwere Gewebe völlig trocken erzeugt werden, ungefähr der gleiche sein muss wie in Kammgarnspinnereien, so ist die Höhe der erforderlichen Feuchtigkeit der Raumluft für die verschiedenen Zweige der Textilindustrie hinreichend bestimmt.

Da ferner sowohl für den Gesundheitszustand der Arbeiter als auch für das Fabrikat eine Raumtemperatur von 20° 0. als am empfehlenswerthesten erachtet wird, so sind die allgemeinen Anforderungen für jeden Fall ziemlich genau bestimmbar und es fragt sich nun nur, in welcher Weise man diesen Anforderungen gerecht werden kann.

Nach dem Berichte der vorstehend erwähnten Commission (vgl. Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, Bd. 61) soll es in vielen Fällen sehr schwierig sein, hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft in Gemeinschaft mit einem nicht allzu hohen Temperaturgrad zu erzielen, weil ein hoher Feuchtigkeitsgehalt oft nur mit Benutzung hoch temperirten Wassers zum Verdunsten oder zum Zerstäuben gewonnen werden könne, wobei die Temperatur im Raume leicht unerträglich hoch werde. Ich bemerke hierzu, dass diese Aeusserung in der allgemein gegebenen Fassung nicht zutreffend ist, was schon aus der Thatsache erhellt, dass die Erzeugung eines hohen Feuchtigkeitsgehaltes der Luft, unter sonst gleichen Verhältnissen, eines um so grösseren Wasserverbrauches benöthigt, je höher die Temperatur ist; gleichwohl besitzt jene Aeusserung unter gegebenen Verhältnissen, welche ich später näher beleuchten werde, eine gewisse Berechtigung.

Zur Klärung der Sachlage mag es zweckdienlich sein, die von der Commission untersuchten Lüftungsanlagen selbst näher zu betrachten.

Textabbildung Bd. 286, S. 179
Eine derselben ist die einer zu ebener Erde befindlichen, in den Fig. 1 bis 3 dargestellten Weberei mit 536 Webstühlen von 3 × 4 m Umfang für leichte Gewebe mit befeuchtetem Schussgarn. Der Luftraum dieser Weberei beträgt 11504 cbm und da 292 Arbeiter darin beschäftigt sind, so kommt auf jeden Arbeiter ein Luftraum von 39,3 cbm. Die Lüftungsanlage enthält ein wasserberieseltes Netzwerk. Die Frischluft wird mittels eines Schiele'schen Schraubenventilators durch dieses Netzwerk hindurch angesaugt und durch eine sich verzweigende mit zahlreichen Oeffnungen versehene Holzrinne (vgl. Fig. 2) in den Werkraum hineingedrückt.

Das Netzwerk überdeckt eine wagerechte Zuströmungsfläche in einer Höhenausdehnung von 2,45 m und besitzt eine etwa 1270 qm umfassende freie Oberfläche, so dass auf je 1000 cbm des Werkraumes etwa 110 qm dieser Fläche kommen.