Text-Bild-Ansicht Band 288

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wesentlich geringerer Stärken zulässt. Die Vereinigung beider Metalle verursacht nur geringe Mehrkosten gegenüber der Verarbeitung reinen Kupfers; der Preis des als Kupferersatz verwendeten Stahles beträgt noch nicht den zehnten Theil des Kupferpreises. Die Verwendung des Doppelmetalles ist sehr mannigfach. In der Drahtfabrikation findet das Doppelmetall mit Vortheil für elektrische Leitungszwecke Verwendung, da man bei Doppelmetallleitungsdrähten nur so viel Kupfer verwendet, als für die Fortpflanzung des elektrischen Stromes benöthigt wird, während die Festigkeit des Drahtes durch eine verhältnissmässig schwache Stahlseele erzielt wird, so dass die Leitungen in Doppelmetalldraht sich schon des geringeren Gewichtes wegen wesentlich billiger stellen, als Leitungen in Kupfer- bezieh. Bronzedraht. Zu fast allen Zwecken, zu denen bis jetzt Kupferblech Verwendung fand, bietet das Doppelmetallblech einen geeigneten Ersatz. – (Von anderer Seite werden die angegebenen Vorzüge der Doppelmetallplatten stark in Zweifel gezogen.)

C. T. Bloomer's Mikrophon.

Nach dem New Yorker Electrical Engineer, 1893 Bd. 15 * 281, benutzt Charles T. Bloomer in New York als veränderlichen Widerstand in seinem Mikrophon zwei gefaltete oder gewundene Kohlenstreifen, welche in Kohlenpulver eingebettet liegen. Das eine Paar der Streifenenden ist an einem an der Rückseite der schwingenden Platte sitzenden runden Knopfe oder Plättchen befestigt, welches in eine wagerecht liegende, elastische Röhre passt, das andere Paar an einem zweiten Plättchen, gegen welches von rückwärts her die Stellschraube presst. Der Raum zwischen den beiden Plättchen ist mit dem Kohlenpulver angefüllt. So übertragen sich die den beiden Streifen von der Platte, gegen welche gesprochen wird, mitgetheilten Bewegungen auch auf die gepulverte Kohlenmasse, so dass dabei sich zugleich der Widerstand der letzteren und jener der beiden Streifen ändert.

Kanne für feuergefährliche Flüssigkeiten.

Textabbildung Bd. 288, S. 192

Eine Kanne für feuergefährliche Flüssigkeiten ist Franz Ludenia in Oppeln patentirt worden. Im Innern der Kanne a taucht eine Röhre b, welche an der Wand angelöthet sein kann und unten zweckmässig trichterförmig erweitert ist, bis nahezu auf den Boden. Die Röhre b ist beiderseits offen und oben knieförmig in den Hals c eingebogen. In letzterem ist eine zweite, ebenfalls knieförmig gebogene Röhre d befestigt derart, dass das kurze Kniestück den Ausfluss der Kanne bildet, das längere aber tiefer als das kurze Kniestück der Röhre b mündet. Beim Gebrauch geht die Flüssigkeit aus a durch die Röhre b, füllt den Hals c an und fliesst dann durch d ab. Sollte die durch d austretende Flüssigkeit Feuer fangen, so richtet man die Kanne auf; es berührt sodann die Flamme höchstens eine Flüssigkeitsmenge vom Schnitt der Röhre d, wodurch an der Ausmündung der Röhre d eine kleine Flamme entstehen kann. Ein Unfall ist jedoch ausgeschlossen. (D. P. R. Kl. 84. Nr. 65990 vom 22. April 1892.)

Carborundum.

Unter diesem Namen wird, wie Electrical Engineer, 1893 Bd. 15 S. 227, mittheilt, von Amerika aus ein neues Schleif- und Polirmittel in den Handel gebracht, welches den Vorzug haben soll, mit der Härte des Diamantes den Preis des Korundes zu vereinen. Dasselbe wird in der Weise hergestellt, dass man eine innige Mischung aus Kohle und Sand in eine längliche Thonbüchse bringt, in welche an beiden Enden Kohlenstäbeals Elektroden hineinragen, und die Masse der Wirkung eines kräftigen elektrischen Stromes so lange aussetzt, bis sie schmilzt. Die geschmolzene Mischung bildet eine poröse, von Krystallen durchsetzte Schlacke, welche behufs Reinigung mit Wasser und Säuren ausgezogen, dann gewaschen, getrocknet und zerquetscht und schliesslich durch Sieben oder Schlemmen in verschiedene Feinheitsgrade sortirt wird. Die Carborundum Company hatte im Juni 1892, nach einjährigem Bestehen, eine Tagesproduction von 25 Pfund (11,3 k) und erzielte einen Preis von 8,5 bis 17 Mark pro Pfund. Auch für Scheiben, Spitzen und Wetzsteine, zum Schneiden von Glas, Porzellan, Stahl und ähnlichen harten Gegenständen soll sich das Carborundum sehr gut eignen. So gebraucht die Westinghouse Electric and Manufacturing Company in Pittsburg, Pa., monatlich bereits mehrere Tausend Carborundumscheiben zum Einschleifen der Stöpsel ihrer neuen Lampen; auch in der Zahntechnik finden kleine Carborundumscheiben Verwendung. Solche Scheiben werden durch Zusammenkneten des Carborundums mit einem geeigneten Bindemittel und Formen erhalten und ganz ähnlich den Thonwaaren in Kapseln im Ofen gebrannt, bis die Schmelztemperatur des Bindemittels erreicht ist.

Aus Carborundum hergestellte Knöpfe als lichtgebende Körper in den Glasglocken elektrischer Lampen wurden von Nikola Tesla im Februar 1892 der Institution of Electrical Engineers in London vorgeführt.

Lavaoid.

Dieser von der Firma Hirschl und Co. in Wien, Reichsrathsstrasse 11, in Handel gebrachte Kitt für Stein und Eisen bewährt sich nach einer Mittheilung des k. und k. technischen und administrativen Militärcomités sehr gut. Er besteht aus 50 Proc. Schwefel; aus Eisen, Kieselsäure und etwas Thonerde, wird in geschmolzenem Zustande verwendet und haftet nach dem Erstarren sehr fest; er eignet sich zur Verbindung von Stein mit Eisen oder Stein, z.B. zum Untergiessen von Fundamentplatten, Vergiessen von Bolzen, Verbindung von ganzen und der Theile von gesprungenen Quadern, von steinernen Rinnen, Muffenröhren und Stiegenstufen, zur Verkleidung von Wänden, als Imprägnirungsmittel der Ziegel bei Wasserbauten statt Asphalt, als Isolirmasse bei elektrischen Leitungen u.s.w. Der Kitt schmilzt bei 125° C. und erkaltet rasch; die Verbindungen sind daher leicht herzustellen und durch Erwärmung wieder zu trennen. (Mittheil, über Gegenst. d. Artillerie- und Geniewesens, 1893 S. 146.)

Bücher-Anzeigen.

Der elektrotechnische Beruf. Eine kurzgefasste Darstellung des Bildungsganges und der Aussichten des Elektrotechnikers und der elektrotechnischen Gewerbetreibenden von A. Wilke. O. Leiner, Leipzig. 61 S. M. 1.50.

Das Schriftchen wird dem angehenden Elektrotechniker manche verlorene Mühe ersparen dadurch, dass es zweckmässige Mittel und Wege zur Erlangung der für die einzelnen Zweige erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zeigt. Der Verfasser hat es nicht unterlassen, auf die grossen Schwierigkeiten, welche die Elektrotechnik ihren Jüngern bietet, hinzuweisen und vor übertriebenen Hoffnungen zu warnen, dagegen weist er auch auf den Lohn angestrengter Thätigkeit hin.

Anleitung zur Photographie für Anfänger von Pizzighelli, k. k. Major der Genie-Waffe. 5. Auflage. Mit 142 Holzschnitten. W. Knapp, Halle a. S. 1893. 3 Mk.

Schon wieder eine neue Auflage dieses vorzüglichen Buches Auch in dieser ist auf alle neueren Erscheinungen, soweit sie für Liebhaberphotographen wichtig sind, Rücksicht genommen. Damit aber hierdurch der Umfang des Werkes kein zu grosser wurde, sind veraltete Theile ausgeschieden und unwichtigere gekürzt. Das Buch ist seiner Uebersichtlichkeit und Klarheit wegen eines der empfehlenswerthesten für Anfänger.

Catalogue of the Michigan Mining School 1891–92.

Enthält ausführliche Mittheilungen über Einrichtung- und Lehrvorträge der betreffenden Schule.