Text-Bild-Ansicht Band 291

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auf ¼ l Wasserglas, mit weichem Wasser verdünnt, nehmen. – Sollen grobe Erdfarben Benutzung finden, so bearbeitet man sie in einem Geschirre mit einem Stück Holz und rührt sie in möglichst wenig weichem Wasser ab, damit sich die Farbe durch und durch anfeuchtet. Je besser die Farbe durchgearbeitet ist, ohne jedoch flüssig zu sein, desto besser vermischt sie sich mit Wasserglas und man ist dem Gerinnen derselben nicht ausgesetzt. Stets ist es anzuempfehlen, Farbe und Wasserglas abzuwägen, um das richtige Verhältniss zu ermitteln; auch bereite man nie mehr Farbe, als innerhalb 2 bis 3 bis 4 Stunden verarbeitet werden soll. Zum Gelingen der Arbeit ist es Bedingung, dass kein Fett und keine Rostflecken an den eisernen Oefen haften. Um anhaftendes Fett zu entfernen, muss man die Oefen tüchtig heizen und mittels einer Metallkratzbürste alle Rostflecken beseitigen. Nunmehr streicht man die Oefen mit der erforderlichen Wasserglasfarbe an; ist der erste Anstrich nach 12 Stunden trocken, so lässt man einen zweiten Anstrich folgen. Will man noch mehr Glanz erreichen, so kann man einen dritten Anstrich folgen lassen. – Nicht nur auf porösem Eisenguss, sondern auch auf glatt gewalztem Eisenblech sollen diese Wasserglasfarben, welche der Roth- und Weissglühhitze widerstehen, jahrelang halten.

Feuerlöschapparat Phönix.

Textabbildung Bd. 291, S. 24
Unter der vorgenannten, nicht recht zutreffenden Bezeichnung kündigt die Firma W. Hanisch und Co. in Berlin eine Vorrichtung an, welche dazu bestimmt ist, bei ausbrechendem Schadenfeuer die rasche Kuppelung eines Schlauches mit dem Wasserleitungshahn zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke ist eine Metallkuppelung, über die der Schlauch gestreift ist, mittels eines Kettchens an dem Hahn befestigt; die dichte Verbindung soll durch Einhaken einer zweiten Kette in den Kuppelungskörper bewirkt werden. Die Vorrichtung ist bei jeder anderweitigen Weiterleitung des Wassers zu verwenden.

Zwei neue Hähne.

Die Glasfabrik von Greiner und Friedrichs in Stützerbach in Thüringen fertigt nachstehende Hähne an.

Fig. 1 zeigt eine dem bekannten Zweiwegehahn ähnliche Construction. Der Unterschied besteht lediglich in der Anordnung der Kanäle, welche sich bei dem abgebildeten Hahnsystem kreuzen. Die Erfinder nennen daher diese Construction Kreuzweghahn. Da die senkrechte Bohrung einen todten Raum einschliesst, so ist dieser Hahn nicht für jeden Apparat verwendbar.

Textabbildung Bd. 291, S. 24
Textabbildung Bd. 291, S. 24
Fig. 2 ist ein Doppelhülsenhahn. Die Grundlage dieser Construction bildet ebenfalls ein Friedrichs'scher schräg gebohrter Hahn. Ueber den Stopfen sind indess 2 Hülsen geschliffen, deren Oeffnungen mit einander correspondiren. Die Abbildung zeigt den Hahn in Schlusstellung.

Wohnhäuser aus Asche.

Es ist schon oft versucht worden, aus der Asche von Hochofen, Puddel- und Walzwerken oder auch aus den Rückständen der Kalköfen und ähnlicher Werke Ziegelsteine herzustellen. Der geschäftliche Erfolg war mehr oder weniger von örtlichen Verhältnissen abhängig, während in technischer Hinsicht die fertig gestellten Baumaterialien meistens alle an sie zu stellenden Bedingungen erfüllten, vielfach sogar in noch höherem Grade, als man sie von Lehmziegelsteinen erwarten darf. Ueber weitere einschlägige Verwendung bringt der Bauten-Nachweis (durch Glaser's Annalen) Folgendes:

Es sind allerdings in einigen Gegenden schon seit Jahren aus Asche Steine für leichte Zwischenwände u.s.w. hergestellt worden, aber dass mehrstöckige Wohnhausbauten ausgeführt worden wären, darüber finden sich keine Berichte. Baumeister Wagner in Limburg a. L. hat das Geschäftshaus für sein im Bau begriffenes Kunststeinwerk ganz aus Asche erbaut. Alles Mauerwerk vom Sockel aufwärts besteht aus Asche und zwar ohne jede Sandbeimischung, auch beim Mörtel nicht. Die Etagenböden werden ebenfalls aus einem Aschenconglomerat (anstatt Holzdichtung) angelegt und das kuppelförmige Dach besteht aus einer kaum 2 bis 3 cm dünnen Schicht wetterfest präparirten Gypses. Ebenso interessant an dem Neubau ist die daran angewendete Steinhauerarbeit, welche nach des Genannten Methode aus Bruchschutt derart täuschend hergestellt ist, dass selbst Fachleute die Imitation nur schwer von natürlichem Stein unterscheiden können. Dass diese Verwerthungsmethode jeder anderen Art überlegen ist, beweist die Einfachheit und Billigkeit, wobei die Solidität nicht beeinträchtigt ist. Die oben erwähnte Anlage ist für diese Industrie in Aussicht genommen, soll als Lehrwerkstätte für auswärtige Interessenten dienen und wird ganz aus Asche und imitirtem Sandstein erbaut, wobei noch zu bemerken ist, dass neben der Verwerthung von Bruchschutt auch Erzeugung von allen harten Gesteinen mit Hochglanzpolitur aus Abfällen in dem neuen Steinwerk betrieben werden wird.

Ein neues Riesenschiff.

Unseren Lesern wird das Schicksal und tragische Ende des Great Eastern (1888 270 336) noch in Erinnerung sein. Ein Schiff, Gigantic genannt, das den Great Eastern an Länge noch übertrifft, ist zur Zeit auf der Werft von Belfast in der Herstellung begriffen, wo es im Auftrage der bekannten Transportgesellschaft, der White Star Line, gebaut wird. Er ist 213 m lang (Great Eastern 210), 20,70 m breit (Great Eastern 25,30 m) und hat eine Maschinenleistung, die bis zu 25000 gesteigert werden kann, während Great Eastern nur etwa ⅛ dieser Leistung aufzuweisen hatte. Dieser Umstand war auch wohl der Grund seiner Unbrauchbarkeit. Für den Gigantic wird eine Geschwindigkeit von 27 Knoten (50 km in der Stunde) in Aussicht gestellt, eine Hoffnung, die wohl nicht in Erfüllung gehen wird, oder die, wenn sie zeitweise wirklich erreicht werden sollte, wirthschaftlich schwerlich durchzuführen sein wird.

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Die Festigkeitslehre. Elementares Lehrbuch für den Schul- und Selbstunterricht, sowie zum Gebrauch in der Praxis, nebst einem Anhang, enthaltend Tabellen der Potenzen, Wurzeln, Kreisumfänge und Kreisinhalte. Von R. Lauenstein. Zweite Auflage. 137 S. 3 M. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger. Die Graphische Statik. Elementares Lehrbuch für technische Unterrichtsanstalten und zum Gebrauch in der Praxis. Von R. Lauenstein. Zweite Auflage. 164 S. 4 M. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger.

Die vorstehenden Lehrbücher sind je ein abgeschlossenes Ganzes und bilden mit dem Leitfaden der Mechanik desselben Verfassers einen abgerundeten Lehrgang, der für die gewöhnlichen Aufgaben der Praxis ausreicht. Diese Unterrichtswerke des Verfassers sind von der Kritik einstimmig als vorzüglich anerkannt worden und haben sich im Gebrauch bestens bewährt. In der vorliegenden zweiten Auflage sind kleine Mängel beseitigt und einzelne Abschnitte zweckentsprechend umgeändert oder erweitert. Wir zweifeln nicht, dass die zweite Auflage dem Lehrgange weitere Freunde zuführen wird.

Templeton, H. S., Anleitung zur Oelmalerei. Autorisirte Uebersetzung aus dem Englischen von O. Strassner. Stuttgart 1893. Paul Neff. 1,50 M.

Das für Anfänger und Dilettanten berechnete Buch wird sich seiner Kürze und übersichtlichen Anordnung halber gewiss auch in Deutschland Freunde erwerben. – Die englische Ausgabe hat bis jetzt 47 Auflagen erlebt, ein beredtes Zeugniss für die Brauchbarkeit des Buches.

Entwurf einer neuen Integralrechnung auf Grund der Potential-, Logarithmal- und Numeralrechnung von Dr. J. Bergbohm. Zweites Heft: Die irrationalen, exponentiellen, logarithmischen und cyclometrischen Integrale. B. G. Teubner. Leipzig. 188 S.