Text-Bild-Ansicht Band 291

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auf die schlechten Eigenschaften des bei ihnen verwandten Cordite-Pulvers zurück. Dies ist entschieden unrichtig: wenn auch dieses Pulver noch so bösartig wirkt, so muss doch zum Theil die Abnutzung der Geschwindigkeitssteigerung von 416 auf 610 m zugeschrieben werden; bei 416 m hat wahrscheinlich die sich leicht entformende Oberfläche des früheren Weichbleigeschosses wenig oder gar keine Abschleifung des Laufes verursacht, während bei 610 m der harte Mantel des heutigen (Hartblei-)Geschosses eine recht grosse hervorruft. Besondere Schiessversuche mit alten Gewehren und neuem Cordite-Pulver und mit neuen Gewehren und altem Schwarzpulver dürften darüber genauen Aufschluss geben. Einen kleinen Anhalt für die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit und Zerstörungskraft eines Geschosses durch Vergrösserung der Geschwindigkeit dürfte augenblicklich die Thatsache ergeben, dass mit 600 m ein bestimmtes Geschoss eine gewisse Panzerplatte durchschlagen hat, durch welche ein anderes, gleiches, mit nur 400 m pulverisirt worden ist.

Da nicht nur in England, sondern auch in anderen Ländern die Verminderung der Haltbarkeit der Gewehre durch Geschwindigkeitssteigerung wenig beachtet wird, so dürfte Vorstehendes bei Beurtheilung der Gewehr frage einigen Werth haben und vielleicht auf den naheliegenden Gedanken zurückleiten, dass nicht nur die Qualität des Pulvers, sondern auch die Quantität zu berücksichtigen ist.

Neuerungen in der Tiefbohrtechnik.

Von E. Gad in Darmstadt.

(Schluss des Berichtes S. 62 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Das System des Schachtabbohrens nach Kind und Chandron hat die Firma Haniel und Lueg in Düsseldorf neuerdings dadurch, dass statt der vollen Cuvelage-Ringe die Tubbings in angepassten Sectionen eingebaut werden, auf wesentlich grössere Schachtdurchmesser anwendbar gemacht. Wenn zur Zeit die Anciens Etablissements Cail in den Gruben von Anzin zwei Schächte, 37 m von Achse zu Achse entfernt, 91 m tief nach dem Poetsch'schen Gefrierverfahren abteufen, weil dies Verfahren allein die erforderliche Schachtweite des einen Schachtes von 5 m – der zweite soll nur 3,60 m weit werden – erlaube, so trifft dies nicht mehr zu, da die Haniel und Lueg'schen Schächte bereits Weiten von 5,60 m erreicht haben. Dass trotzdem unter Umständen Poetsch'sche Gefrierschächte mit Vortheil Anwendung finden können, soll nicht bestritten werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 79
Ueber Neuerungen beim Schachtbohren im Braunkohlengebirge veröffentlicht H. Lueg in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preussischen Staat, 1893 Bd. 41 Heft 2, Mittheilungen, die sich an die Mittheilung in Bd. 35 1887 des genannten Blattes über tiefe Steinkohlen- und Salzschächte im schwimmenden Gebirge anschliessen.

Es handelt sich vor allem um die glücklichen Schachtausführungen im J. 1892, unter Ueberwältigung vieler Schwierigkeiten, die besonders der zu durchsinkende stark blähende Thon bereitete, und zwar erstens von Schacht II auf Grube „Neue Hoffnung“ bei Pömmelte, etwa 52 m im Ganzen tief, wovon etwa 40 m in Tubbings, oben 5,35 m, unten 4,25 m weit im Lichten; zweitens Credner-Schacht auf Grube Ottilie Kupferhammer bei Oberröblingen am See, 32,5 m in Tubbings, oben 4,70 m weit beginnend; drittens Schacht III der Gewerkschaft Ernst zu Düderode bei Seesen am Harz, etwa 56 m tief, wovon etwa 33 m in Tubbings von oben 5,10 m und unten 4,35 m lichter Weite. Auf Moosbüchsen durfte bei allen drei Bohrungen verzichtet werden, weil der Schachtfuss fest in das Braunkohlengebirge eingebaut werden konnte. Einen grossen Vortheil bietet das Einbringen der Tubbings in Segmenten noch dadurch, dass Ringe in Theilen sich unter die Ringsäule unterziehen lassen, während ganze Ringe stets oben auf die Ringsäule aufgesetzt werden müssen, in welch letzterem Falle es zum Einpressen der Cuvelage oft eines sehr hohen Druckes bedarf.

Diesen Mittheilungen schliesst sich die Beschreibung der Schachtstopfbüchse von Haniel und Lueg (D. R. P. Nr. 65012), Fig. 6, an, die sich schon z.B. in den Kaliwerken zu Aschersleben bei einem Schacht bei sechsfacher Anwendung bei 20 at äusserem Druck bewährt hat. Die Einrichtung charakterisirt sich dadurch, dass die beiden obersten Ringe a und b eines Satzes stopfbüchsenartig über einander greifen und sich um ein gewisses Maass in einander auf und ab schieben können. Dadurch ist eine gewünschte Beweglichkeit, sowie die Möglichkeit erlangt, dass sich beim Einbau des Tubbings eine gewisse Abweichung in der Höhe ausgleichen lässt, ohne eines Pressringes zu bedürfen. Der Dichtungsring c lässt sich auch durch eine andere Liderung ersetzen.

Textabbildung Bd. 291, S. 79
Eine für das Schachtbohren sehr wichtige Erfindung ist die Schachtsumpfung nach Tomson (Fig. 7), welche in der dargestellten Form 1891 zum Aussumpfen des versoffenen Schachtes I der Grube Preussen bei Galunen auf 225 m Teufe angewendet ist. Die Bühne a wurde mit den beiden communicirenden Thoncylindern b und dem Pulsometer c an dem Drahtkabel d über die Rolle e an der Spitze des Bohrthurms in die Tiefe gelassen, welche Beförderung auch für Arbeiter und Material verwendbar