Text-Bild-Ansicht Band 291

Bild:
<< vorherige Seite

Behandlung unterworfen. Es können die Zwischenräume zwischen den Cylindern mit Kautschuk, Guttapercha oder einem anderen passenden plastischen Material ausgefüllt werden, wie es z.B. bei H (Fig. 143) veranschaulicht ist. Der Kautschuk wird in weichem Zustand in Anwendung gebracht und darauf das Drahtseil zum Vulkanisiren des Kautschuks erhitzt. Die Aussenseite des auf letztere Weise hergestellten Drahtseiles ist aus Metall und Kautschuk zusammengesetzt und gewährt einen gefälligen Anblick.

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.1)

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes Bd. 290 * S. 53.)

Mit Abbildungen.

1) Thomson's aufzeichnendes Wattmeter. Die Anforderungen, welche an ein derartiges Instrument gestellt werden, sind: 1) sein Grundgedanke muss theoretisch richtig und 2) seine Anordnung möglichst einfach sein, so dass es 3) leicht aufzustellen und in Thätigkeit zu erhalten ist; 4) muss es innerhalb der gewählten Grenzen durchaus genau arbeiten, und 5) muss es selbsthätig sein. Hierzu stellte sich der Erfinder noch die Bedingung, dass das Instrument sowohl für Gleichstrom, als auch für Wechselströme gleich brauchbar sei und mit gleicher Genauigkeit arbeite, und endlich soll es ein Motormeter sein, d.h. es soll durch die zu messende Kraft selbst bethätigt werden, so dass ein Uhrwerk o. dgl. entbehrlich ist.

Textabbildung Bd. 291, S. 108
Das in Fig. 1 nach dem Londoner Electrical Engineer, 1893 Bd. 11 * S. 287, abgebildete Wattmeter Thomson's ist nun thatsächlich ein Motor, welcher weder im Anker, noch in den Feldmagneten Eisen enthält. Das aus zwei, zu beiden Seiten des Ankers angeordneten Spulen bestehende Feld ist in Reihen mit den Lampen bezieh. dem Motor, deren Kraftverbrauch gemessen werden soll, geschaltet, so dass der ganze in Verwendung stehende Strom durch diese Feldspulen geht. Der Anker besteht aus einem hohlen Fibercylinder, worauf die Spulen in Form einer Siemens'schen Trommelwickelung aufgebracht sind. Am Ende der Ankerwelle befindet sich ein silberner Stromsammler, auf welchem die mit silbernen Contactstücken versehenen biegsamen Bronzebürsten ruhen. Der Anker ist nach Art einer Lampe in einen Nebenstromkreis querüber zum Hauptstromkreise geschaltet und zur Verminderung des Stromes in ihm ist hinter ihm noch ein hoher Widerstand aus feinem Draht eingeschaltet; das Ganze bildet also eine Spannungsspule, deren Strom sich mit der Spannung in der ganzen Anlage ändert.

Da hiernach das Feld sich mit dem Strome, der Anker aber mit der Spannung ändert, so wird sich auch die Geschwindigkeit des Motors im geraden Verhältniss mit der verbrauchten Energie oder mit den aufgewendeten Watt ändern.

Damit nun die Reibung diese genaue Art der Messung nicht beeinträchtige, wird der Ankerstromkreis jenseits des Feldes entnommen, wodurch, da der Ankerstrom durch die Feldspulen geht, ein schwaches, sich gleich bleibendes Feld erhalten wird, welches unabhängig ist von dem nach den Lampen gehenden Strom. Bei sehr niedrigen Belastungen, bei denen die Reibung einen sehr hohen Factor darstellt, bildet dieser „Nebenschluss“ oder dieses sich gleich bleibende Feld einen vergleichsweise hohen Procentsatz des ganzen Feldes bezieh. Drehungsmomentes, welches die Reibung ausgleicht. Bei mittleren und hohen Belastungen bilden dagegen die Reibung und dieses Nebenschlussfeld einen so geringen Procentsatz der ganzen Belastung und des Drehungsmomentes, dass ihr Einfluss vernachlässigt werden kann.

Zur Regelung und Verlangsamung der Geschwindigkeit des Motors ist dicht unter dem Anker eine dünne Kupferscheibe auf dessen Welle aufgesteckt, welche zwischen drei permanenten Magneten umläuft. Die Felder der letzteren erzeugen Foucault'sche Ströme in dieser Scheibe, und diese Ströme bilden eine beträchtliche Hemmung oder Belastung des Motors, welche gleichbleibend ist und im geraden Verhältniss zu seiner Wirkung steht. Da, wie bereits erwähnt, die Reibung unschädlich gemacht ist, so ist das Instrument durchaus proportionirt, denn es steht das Drehungsmoment im geraden Verhältniss zu dem Product aus Anker- und Feldstrom, welches wieder gleich dem Product aus Stromstärke (Ampère) und Spannung (Volt) ist, d.h. der Ausschlag gibt unmittelbar die durch das Instrument gehende Kraft oder die Watt. Die Geschwindigkeit steht im geraden Verhältniss zum Drehungsmoment, die Bremswirkung oder die Stromerzeugung in der Kupferscheibe steht im geraden Verhältniss zur Geschwindigkeit.

Ein weiterer Vorzug dieses Meters liegt darin, dass in ihm die Hemmung oder Belastung gross ist; in Folge dessen bildet die Reibung, welche die einzige veränderliche Grösse ist, selbst bei schwacher Arbeitsbelastung nur einen kleinen Theil der gesammten verzögernden Wirkung.

Das Instrument macht die Angaben in Watt-Stunden mittels eines Zählwerks bekannter Einrichtung, welches bei kleinen Instrumenten auf 5 Zifferblättern bis 10000000 Watt-Stunden oder annähernd 200000 Lampenstunden angibt und erst wieder auf 0 zurückkommt, wenn diese Zahl erreicht ist. Die grössten Instrumente zählen bis 360000000 Watt-Stunden.

Um zur Vermeidung der Reibung in den Rädern und dem einzigen unten liegenden Lager die Umlaufszahlen

1)

Vgl. auch 1893 289 168. 288, 290 168. 183. 190. 191. * 206. 209.