Text-Bild-Ansicht Band 291

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Nuthen versehen. Es empfiehlt sich indessen in manchen Fällen an Stelle des mit Gewinde versehenen Metallstiftes einen verzinnten Draht zu benützen, welcher in die Legirung, solange sie noch flüssig ist, eingeführt und beim Erstarren derselben fest mit ihr vereinigt wird. Durch die Anwendung derartiger verzinnter Drähte wird das Verbinden zweier oder mehrerer Zellen zu einer Batterie wesentlich erleichtert.

Das im Obigen beschriebene Verfahren zur Herstellung einer gutleitenden Verbindung mit der Kohlenelektrode lässt sich ausser auf das hier beschriebene Trockenelement auch auf irgend welche anderen Elemente und auf irgend welche andere nicht metallische Elektroden übertragen.

Ueber die Ursache der sauren Gährung in Gerbebrühen.

Von Dr. F. H. Haenlein.

(Schluss der Abhandlung S. 186 d. Bd.)

Eine Beachtung verdient ferner die Frage, ob und in welcher Weise die Lebensthätigkeit des Rindenbacillus durch die Gegenwart chemischer Substanzen beeinflusst wird. Hierbei kommen besonders Säuren in Betracht, theils weil der Fichtenrindenextract in Folge seines Gerbstoffgehaltes von vornherein sauer reagirt, theils weil sich im Laufe der Zeit in den Gerbebrühen noch andere freie Säuren bilden. Dass nun der Rindenbacillus gegen Säuren weniger empfindlich ist, als die meisten anderen Bakterien, ergibt sich schon daraus, dass er nicht nur in dem ursprünglichen Extract vegetirt, sondern, wie wir weiter unten sehen werden, auch noch in den eigentlichen Sauerbrühen bei Gegenwart anderer freier Säuren. Die Concentration der Säure aber, welche der Bacillus corticalis vertragen kann, scheint eine gar nicht hoch liegende Grenze zu haben. In einem Versuche wurde dem Fichtenrindenextract gleich anfangs so viel Essigsäure zugesetzt, dass die Flüssigkeit ½ Proc. freie Essigsäure enthielt. Hierbei stellte der Rindenbacillus seine Thätigkeit ein; denn nach einem Zeitraum von 3 Wochen war noch keine Spur von Gas entwickelt worden, während in einem gleichzeitig angestellten Controlversuch ohne Zusatz von Essigsäure die Gasentwickelung in der gewöhnlichen Weise verlief.

Dieses Verhalten bietet uns eine Erklärung dafür, warum in dem eben erwähnten Versuch über den Einfluss der Concentration des Fichtenrindenextractes die Intensität der Gasentwickelung mit der Concentration nicht gleichen Schritt hält, sondern warum erstere durch zu starke Concentration geschwächt wird. Es ist die stärkere saure Reaction der gerbstoffreichen Flüssigkeit, welche den Rindenbacillus ausser Thätigkeit setzt.

Als hauptsächlichste oder wenigstens augenfälligste Lebensthätigkeit des Bacillus corticalis ist uns bisher immer die Entwickelung eines Gases entgegen getreten, das je nach Umständen in verschiedenen Quantitäten producirt wird. Die abgelesenen Gasvolumina sind ohne Correction in Bezug auf Druck, Temperatur u.s.w. wiedergegeben, da genaue quantitative Bestimmungen für den Zweck dieser Untersuchung zunächst nicht in Betracht kamen.

Das Interesse an der Erscheinung der Gasentwickelung erstreckte 4 sich vielmehr vorläufig auf die Beantwortung folgender drei Fragen: 1) Welches ist die chemische Natur dieses Gases? 2) Welchem Bestandtheil der Fichtenrinde verdankt es seinen Ursprung? 3) Was wird aus dem Reste der Substanz, die das Gas liefert, nach dem Entweichen des letzteren?

Die Beantwortung der ersten Frage erregte zwar von vornherein das lebhafteste Interesse; bei der Schwierigkeit aber, mit den einfachsten Mitteln die chemische Natur eines Gases festzustellen, zumal wenn es nur in geringen Quantitäten zur Verfügung steht, gelang es mir anfangs nur, zu constatiren, dass das Gas brennbar ist mit ganz schwach leuchtender Flamme. Der letztere Umstand liess entweder einen leichten Kohlenwasserstoff (Sumpfgas oder Grubengas) oder auch reinen Wasserstoff vermuthen.

Eine später ausgeführte vollständige Analyse des Gases1) ergab die Gegenwart einer geringen Menge von Kohlensäure, und zwar fanden sich in 44,3 cc der Gasmenge 2,4 cc oder 5,4 Vol.-Proc. Der ganze Rest, also 94,6 Vol.-Proc., erwies sich als reiner Wasserstoff.

Gestützt auf dieses Resultat, dass es sich hierbei um ein Gemenge von Wasserstoff und Kohlensäure handelt, habe ich selbst später wiederholt das Verhältniss zwischen beiden einfach in der Weise bestimmt, dass das Gasgemisch in eine graduirte Röhre gebracht und die Kohlensäure durch Kalilauge absorbirt wurde. Immer ergab sich neben Wasserstoff eine gewisse Menge von Kohlensäure; letztere jedoch in keinem constanten, sondern im schwankenden Verhältniss zum Wasserstoff, meist zwischen 8 und 13 Vol.-Proc. betragend. Dieses Schwanken erklärt sich durch die Berücksichtigung folgender beiden Umstände:

Zunächst wird wegen der in der Kälte grösseren Löslichkeit der Kohlensäure unter übrigens gleichen Umständen das sich in der Röhre des Apparates ansammelnde Gasgemisch relativ um so ärmer an Kohlensäure sein, bei je niedrigerer Temperatur der ganze Process vor sich gegangen ist. Um eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie viel Kohlensäure von dem Fichtenrindenextracte überhaupt gelöst zurückgehalten wird, habe ich in drei Versuchen den ganzen Apparat im Wasserbade längere Zeit auf 100° erhitzt, um die gelöste Kohlensäure auszutreiben. Nach raschem Erkalten auf Zimmertemperatur zeigte sich dabei eine Zunahme des Gasvolumens von 48 cc auf 52,5 cc, im zweiten Versuch von 60 auf 63 cc und im dritten Falle von 48 auf 53 cc.

Wenn man daher auch darauf Rücksicht nimmt, dass in der Flüssigkeit selbst noch Kohlensäure gelöst bleibt, so wird hierdurch an dem Ergebnisse nichts geändert, dass das producirte Gas zum bei weitem grössten Theil aus reinem Wasserstoff besteht.

Auf die Bestimmung der Menge des Wasserstoffes ist die Temperatur, bei welcher er entwickelt wurde, überhaupt ohne Einfluss, da die absolute lösliche Menge desselben so gering ist, dass sie ohne weiteres vernachlässigt werden kann.

Die Veränderlichkeit des Verhältnisses zwischen Wasserstoff

1)

Ich verdanke dieselbe, sowie auch die anderen weiterhin noch zu erwähnenden Gasanalysen der Güte des Herrn Dr. A. Schertel, Vorstand des Hüttenlaboratoriums in Freiberg.