Text-Bild-Ansicht Band 292

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eisenoxychloridgaren Leder sind sehr wasserfest und wasserdicht, nach der von Knapp7) verstandenen Bezeichnung. Gemäss dieser letzteren Eigenschaften sind eisenoxychloridgare Sohlen dauerhafter und weniger durchweichend als lohgare Sohlen.8) Die eisenoxychloridgaren Leder saugen viel Fett, sowohl flüssiges (Oel, Thran), wie festes (Talg, Schweinefett), ein und halten dasselbe sehr fest; sie lassen sich leicht färben und nehmen auch eine gute dauerhafte Politur an, ebenso sind diese Leder sämmtlich gut wichsbar. Die Schwärzung der eisenoxychloridgaren Leder wird sehr einfach mittels einer massig starken Tanninlösung vorgenommen.

Ein sehr wesentlicher und wichtiger Vorzug der eisenoxychloridgaren Riemenleder vor den lohgaren beruht ferner in der grossen Widerstandsfähigkeit der neuen Riemen gegen trockene wie nasse Hitze, wobei selbst nach längerer Einwirkung die Riemen weder spröde, noch brüchig erscheinen, wie das bei den lohgaren leider nur allzu häufig der Fall ist. Auch sind die Nähte bei den neuen Riemen bedeutend haltbarer als bei den seitherigen, selbst bei constanter Einwirkung von Wärme.

Die Eisenoxychloridgerbung sowohl wie in Verbindung mit der Rieselgerbung zeigt nach den vorliegenden Daten sehr beträchtliche Vortheile gegenüber der Lohgerbung, ja auch gegenüber der Chromgerbung in Hinsicht der geringeren Auslagen für Gerbmaterialien und der grösseren Zeitersparniss bei einem der Chrom- und Tanningerbung gleichwerthigen Producte. Speciell für das Eisenoxychloridrieselgerbverfahren resultirt noch ein bedeutender Vortheil durch die bedeutend geringere Bodenfläche bei der Anlage des Etablissements, durch die billigere Herstellung der Gerbapparate, ferner durch die bedeutende Ersparung an Arbeitslöhnen. Ein fernerer Vortheil gegenüber allen seitherigen Gerbverfahren und speciell der Büttengerbung resultirt in dem stetigen, ununterbrochenen und leichter übersehbaren Betrieb, welcher eine stete Controle sowohl von Seiten des Arbeiters, wie von Seiten des Dirigenten gestattet. Ferner auch in der genaueren Zusammenhaltung des in den Betrieb gelangenden Gerbstoffes, da ein Abgang durch Verschüttung und Ablaufen der Gerbflüssigkeiten, die doch bei den anderen Verfahren unvermeidlich sind, völlig vermieden ist. Speciell für die Chromgerbung liegt auch noch ein Vortheil darin, dass das lästige und ungesunde Hantiren mit den verschiedenen, in der Gerberei vorkommenden Chrom Verbindungen, welches doch mit grossen Nachtheilen für die Gesundheit der Arbeiter verbunden ist, beim Rieselgerbverfahren fast gänzlich ausgeschlossen ist.

Der Einführung der Eisenoxychloridgerbung, sowie des Rieselgerbverfahrens in die Praxis steht nichts mehr im Wege, nachdem die lohnende Ausführung der beiden neuen Gegenstände in der Gerberei sich bereits praktisch erprobt hat.

[Kleinere Mittheilungen.]

Hufeisen aus Aluminium.

Ueber diesen Gegenstand bringt Génie Civil einen Artikel, in welchem das Ergebniss der eingehenden Studien von M. Japy mitgetheilt wird. Der Beschlag aus Aluminium wiegt nur ungefähr den vierten Theil eines solchen aus Eisen, und selbst wenn man zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit dem Aluminium 10 Proc. andere Metalle zufügt, ist das Gewicht eines hieraus gefertigten vollständigen Beschlages nicht grösser als dasjenige eines gewöhnlichen Eisens für den Hinterhuf. Die damit beschlagenen Pferde merken den Unterschied des Gewichtes sofort, was daraus hervorgeht, dass, wenn sie mit dem Aluminiumbeschlag versehen aus der Schmiede kommen, sie das Gefühl haben, als ob sie unbeschlagen wären, und sie fast nicht wagen, kräftig aufzutreten. In dem Maasse, wie sich der Huf ausdehnt, geht auch das Eisen allmählich aus einander, und nach Verlauf von 30 bis 60 Tagen sind die Eisen zwischen den beiden Enden 2 bis 3 mm weiter als zu Anfang. Da das Eisen die Form des Hufes annimmt, so könnte durch Verwendung desselben vielfach das Hinken der Pferde verhindert werden, und da auch die Wirkung des Stosses vermindert wird, so könnte das Aluminium bei manchen Fusskrankheiten gute Dienste leisten. Die durchschnittliche Dauer eines gut gearbeiteten Aluminiumbeschlages schwankt zwischen 40 bis 60 Tagen, je nach der Zusammensetzung des Metalls und der Art der durch das Pferd zu verrichtenden Arbeit. Ein grosser Mangel der Aluminiumbeschläge ist die ungenügende Sicherheit, welche sie bieten, denn die geringste Unaufmerksamkeit bei ihrer Herstellung ändert ihre Widerstandsfähigkeit vollständig. Die in Beaucourt von Japy gemachten Versuche erstreckten sich auf folgende Zusammensetzungen:

  • 1) reines Aluminium,
  • 2) 85 Proc. Aluminium und 15 Proc. Zinn,
  • 3) 94 Proc. Aluminium und 6 Proc. Kupfer,
  • 4) 90 Proc. Aluminium und 10 Proc. Neusilber (mit 33 Proc. Nickel).

Sämmtliche in vorstehenden Zusammensetzungen direct gegossenen Eisen brachen wie Glas, und hat man die Beschläge daher in der Weise hergestellt, dass man sie aus Blechen von der dreifachen Dicke der fertigen Eisen presste.

Die auf die Widerstandsfähigkeit angestellten Versuche lieferten folgende Ergebnisse:

bei Nr. 1 19,79 k/qmm
2 20,30
3 24,50
4 30,80

Bei einer nicht genügend sorgfältigen Herstellung verringert sich jedoch die Widerstandsfähigkeit leicht um 30 bis 40 Proc. Die fertigen Eisen müssen kalt aufgelegt werden.

Japy ist der Ansicht, dass der Beschlag aus Aluminium bei Droschken- und Luxuspferden, sowie auch bei fusskranken Pferden wohl zu gebrauchen sei, dass von denselben aber überall da, wo die Pferde schwere Arbeiten zu verrichten haben, abzurathen sei; ebenso seien sie bei Pferden, von denen grosse Leistungen verlangt würden, wie z.B. in Kriegszeiten von den Cavalleriepferden, zu verwerfen.

Lavalard, welcher ähnliche Versuche angestellt hat, hält seinerseits die Verwendung des Aluminiumbeschlages für unvortheilhaft, weil dieselben zu schnell verschleissen und die alten Eisen nicht wieder verwendet werden können.

Hiermit scheint indess die Frage noch keineswegs erledigt zu sein, vielmehr ist anzunehmen, dass man mit der Zeit bezüglich der Verwendung des Aluminiums für Pferdebeschläge bessere Resultate erzielen wird. (Stahl und Eisen.)

Gewinne aus dem Bergbau.

Die Deutsche. Volksw. Corr. schreibt: Vergleicht man die Förderung des deutschen Bergbaues mit der anderer Länder, so bemerkt man, dass Deutschland bezüglich der Erzielung von Gewinnen an zweiter Stelle unter den Hauptstaaten steht und nur von Grossbritannien überholt wird. – Die Förderung des Bergbaus hatte nämlich im J. 1889 einen Werth wie ihn die folgende Uebersicht in Millionen Mark für die Hauptländer Europas gibt:


Brenn-
stoffe

Eisen-
erze
Andere
Mine-
ralien

Zu-
sammen
Grossbritannien und Irland 1133,4 77,6 45,3 1256,3
Deutschland (Preussen) 362,0 30,9 72,9 465,8
Frankreich und Algier 203,8 10,3 23,3 237,4
Oesterreich 97,8 4,9 57,6 160,3
Ungarn 18,2 3,3 32,9 54,4
Belgien 150,2 1,1 1,1 152,4
Italien 2,3 1,5 39,0 42,8
Andere Staaten 57,0 7,9 16,0 80,9

Der Werth der Erzeugnisse Deutschlands betrug demnach etwas mehr als ⅓ von dem Grossbritanniens und war doppelt

7)

Heinzerling, Lederbereitung, S. 147.

8)

Eine eisenoxychloridgare Sohle hat nach vorliegender Erfahrung fast zwei lohgare Sohlen von gleicher Stärke ausgehalten.