Text-Bild-Ansicht Band 292

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Drahtseiltransmission mit mehreren parallel neben einander laufenden Seilen versucht, welche sich von dem bekannten Jarolimek'schen Stahlschnurtrieb nur dadurch unterschied, dass statt der einzelnen Stahldrahtspiralschnüre vollständige Drahtseile Verwendung fanden. Solche Seile, die aus Flusseisendraht mit 60 k Bruchfestigkeit in der Stärke von 16 mm angefertigt waren, zeigten 108 Drähte von Nr. 10 und waren ihrer acht Stück auf eine Rillenscheibe aufgelegt. Obwohl die Beanspruchung der Seile in Folge der äusserst stark gehaltenen Construction derselben nur eine minimale war, functionirte dieser Seiltrieb nur insolange gut, als alle Seile möglichst gleich fest angespannt waren. Schon nach Verlauf einiger Zeit machten sich denn auch schon die demselben anhaftenden Mängel bemerkbar, die hauptsächlich darin bestanden, dass ein stetiges, und zwar ungleiches Dehnen der einzelnen Seile insbesondere an deren Spleissungsstelle zu beobachten war. Trotzdem das Herstellen der Seilverbindungen von geübtester Hand in möglichst bester Form besorgt wurde, konnte diesem Uebelstande doch nicht ganz begegnet werden; es fand immer wieder ein allmähliches Dehnen der einzelnen Seile und demzufolge auch eine sehr unvollkommene Uebertragung der Kraft statt. Das sich wiederholende, sehr kostspielige Ueberspleissen der Drahtseile, welches auch unliebsame Betriebsstörungen im Gefolge hatte, drängte schliesslich zum Verlassen dieser Transmissionsart.

Man schritt hierauf zu einer Kraftübertragung mittels Riemen und wählte hierzu eine 500 mm breite, 20 mm starke Hanfgurte, zu welchem Behufe die vorhandenen gerillten Seilscheiben einen Kranz aus Holzbelag erhielten. Dieser Hanfriementrieb arbeitete zwar anstandsloser als der besprochene Drahtseiltrieb, erforderte jedoch nach längerer Zeit gleichfalls ein öfteres Uebernähen der Gurte zufolge stattgehabten Dehnens derselben. Dieser Umstand, als auch der sehr ins Gewicht fallende Nachtheil der verhältnissmässig sehr geringen, kaum 1 ½jährigen Dauer der ziemlich kostspieligen Hanf gurte waren für die Nichtwiedererneuerung derselben maassgebend.

Nachdem man mit den angeführten Mitteln den Zweck nicht erreicht hatte, sah man sich in Anbetracht der bei verschiedenen hierortigen Anlagen in mannigfaltigster Art und mit den besten Erfolgen in Benützung stehenden Hanfseiltrieben vor den Versuch mit diesem Transmissionsmittel gestellt, und wurden die gehegten Hoffnungen auch erfüllt.

Als Motor dient eine liegende Verbunddampfmaschine mit Condensation von etwa 20 e, welche derzeit jedoch nur etwa 12 e an die Kunstkurbelwelle abgibt.

Die liegende Dampfmaschine überträgt mittels Kurbel ihre Arbeit auf eine Seilscheibe, deren Schwesterscheibe 5,5 m wagerechten Abstand hat; von der Welle der letzteren wird mittels Kurbel und Schubstange die Kraft auf die beiden durch die Korbstange gekuppelten Kunstkreuze übertragen. Die Kunstkurbelwelle liegt 1,15 m tiefer als die Dampfmaschinenwelle. Der Durchmesser der kleinen auf der Dampfmaschinenwelle sitzenden Seilscheibe beträgt 1,0 m, ist also ungefähr gleich dem 21fachen Seildurchmesser, da die Seilstärke 48 mm beträgt. Die grosse auf der Kunstkurbelwelle sitzende Scheibe misst 3,5 m und ergibt sich somit das Uebersetzungsverhältniss von 1 : 3,5. Da bei normalem Gange der Kunst von acht bis neun Hüben in der Minute die Dampfmaschine n = 30 Umgänge macht, so folgt hieraus die Geschwindigkeit des Seiles mit

welcher Werth gewiss als sehr gering anzusehen ist und als ungewöhnlich besonders hervorgehoben zu werden verdient, zumal bei bisher ausgeführten, langsam gehenden Hanfseiltrieben wohl noch Minimalgeschwindigkeiten von 6 m bis 5 m vorkommen, aber schon sehr selten sind, und dürfte meines Wissens der in der Glas- und Spiegelmanufactur in Schalke (Westfalen) angewendete Hanfseiltrieb mit 3,5 m Geschwindigkeit zu einem der langsamst gehenden zählen.

Die grosse sechsarmige zweitheilig gegossene Seilscheibe zählt am Kranze acht Rillen für 48 mm starke Seile. Die Verbindung der beiden Seilscheibenhälften in der Nabe und Kranz geschieht durch heiss aufgezogene Fretten bezieh. Schrauben. Die auf der Maschinenwelle sitzende kleine Seilscheibe ist gleichfalls zweitheilig gegossen. Als Keilwinkel der Seilrinnen ist bei den beiden Seilscheiben ein solcher von 35° angewendet.

Die Seile sind aus Manillahanf gefertigt, haben, wie erwähnt, 48 mm Durchmesser und sind deren vorläufig nur sechs Stück aufgelegt, während die beiden leeren Rillen zur Aufnahme von weiteren Seilen im Falle etwa zu gewärtigender grösserer Nutzleistung bestimmt sind.

Bei der gegenwärtig zu übertragenden Arbeit von 12 e beträgt die Kraft am Umfange der Scheibe

woraus die gesammte Seilspannung leicht ausgemittelt werden kann; denn wie bekannt, sind die Spannungsverhältnisse des Hanfseiltriebes ganz ähnlich demjenigen des Drahtseiltriebes. Bezeichnet man die Spannung in dem treibenden Seiltrum mit T1 und in dem getriebenen oder losen Seilstücke mit T2, so wählt man in der Praxis die Werthe für T1 = 2 P, T2 = P, T1 = 2 T2, bei welcher Annahme man auch dann noch sicher geht, wenn das Seil durch nachträgliche Dehnung nur mehr einen geringen Theil des Scheibenumfanges umspannt. In vorliegendem Falle, wo der vom Seil umfasste Bogen nahezu die Hälfte des ganzen Umfanges beträgt, wird daher unter Zugrundelegung obiger Annahme ein Gleiten bei der Uebertragung der Kraft kaum zu besorgen sein.

Es betragen mithin nach Vorstehendem für unseren Fall die Seilspannungen in dem treibenden Seilstücke T1 = 2 P = 2 × 573 = 1146 k und in dem geschleppten Seilstücke T2 = P2 = 573 k.

Der Querschnitt eines Seiles von 48 mm Durchmesser unter Berücksichtigung der vollen Kreisfläche beträgt f = 18,096 qm, woraus daher für das treibende Seilstück eine Inanspruchnahme von

und für das geschleppte Seilstück eine Inanspruchnahme

sich ergibt.

Galten zwar früher allgemein als zulässige Beanspruchungen nur 5 bis 8 k/qc, bezogen auf 1 qc des vollen Querschnittes des dem Seil umschriebenen Kreises, so weichen die neueren Anschauungen doch wesentlich von diesen ab; denn nach Versuchen der mechanisch-technischen Versuchsanstalt in Berlin wurde der mittlere Bruchcoëfficient