Text-Bild-Ansicht Band 292

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Lenkerhebelwerke (Geradführungen) womöglich ganz umging. Beiden Bewegungsarten könnte nur ein Körper, welcher vollkommener Kreiscylinder ist, genügen, während die Ausgestaltung der ebenen Fläche als Gleitfläche, weil schwer ausführbar, beschränkt oder vermieden wurde.

So lange es sich nun um die Herstellung eines einzelnen Gegenstandes handelt, ist die Maassgrösse ziemlich gleichgültig, weil der zweite Theil des Elementenpaares (Kolben) dem ersten (Cylinder) angepasst werden kann, die Genauigkeit der Ausführung aber von der genauen Durchführung der geometrischen Aufgabe abhängt. Wenn aber eine Vielzahl ähnlicher Elementpaare hergestellt wird, welche gegenseitig vertauschbar, also alle von gleicher Grösse und Form sein sollen, so genügt nicht mehr die Erfüllung der geometrischen Form, es muss auch das absolute Maass derselben eingehalten werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 35
Als Grundlage für Körpermessungen sind daher die vollkommene Ebene und der vollkommene gerade Kreiscylinder unentbehrlich geworden, womit die Endflächenmessung begründet ist. Wie eine durch Hobeln und Fräsen hergestellte körperliche Ebene aus dem Grunde nicht genau eben wird, weil die wechselnde Spannung im Werkstück und in der Werkzeugmaschine, sowie die Abnutzung des Werkzeuges Lagenänderungen veranlasst, und wie man ferner durch Schaben die Genauigkeit der ebenen Fläche erhöht und eine genaue Ebene anstrebt, wobei eine zweite Prüfplatte (Richt- oder Touchirplatte) zur Anzeige gebraucht wird, ist allgemein bekannt. Ebenso bekannt dürfte es sein, dass Whitworth einer der ersten war, welcher die Genauigkeit der Richtplatte bis zur grössten Vollendung brachte. Mit Hilfe von Richtplatten ist es mit unsäglicher Mühe und Aufwand von Fleiss möglich geworden, Theilung des Grundmaasses in der Weise herzustellen, dass drei Stäbe von genauem Endflächenmaass an einander gereiht dem Normal-Yard glichen, so dass ein Stab gleich 1 Fuss Länge hatte.

Eine weitere Untertheilung ergab den Normal-Zoll, welcher das Grundmaass für die weiterzuführenden Feinmessungen liefert. Das Herstellungsverfahren eines Prismas mit genauem Geviertquerschnitt und achsenrechten Endflächen mit Hilfe eines Grundkörpers b und einer Richtplatte c ist in den Fig. 3 und 4 angedeutet, wobei durch Umlegen des Körpers a vorerst zwei parallele Prismaflächen, alsdann winkelrecht dazu die anderen Prismaflächen, sowie die Stirnendflächen geregelt werden können.

Die Hilfsmittel zur Endflächenmessung.

Wenn bei der Strichmessung in der Hauptsache die Vergleichung der Uebereinstimmung durch das Auge ohne mechanische Einwirkung die Grundlage des Messens bildet, so ist das Abstechen der Maasslänge mittels eines Schenkelzirkels durchaus kein Strichmessen, sondern ein sehr ungenaues Endflächenmessen mittels des Gefühles. Genauer wird die Uebertragung der Maasslänge von einem Strichmaasstabe mittels des unbequemeren Stangenzirkels, dessen Spitzen (Fühlflächen) wenigstens in paralleler Richtung, wenn auch nicht mit gleicher Stärke, in die Fläche des Maasstabes eindringen. Sofern aber mittels eines in der winkelrechten Hauptebene genau geführten Fühlzirkels die Abmessung des Werkstückes abgegriffen und dabei, mit entsprechender Rücksicht auf die Federkraft, die Vergleichung dieser Abmessung mit derjenigen eines Maasskörpers vorgenommen wird, werden ungleich genauere Ergebnisse erhalten. Werden ferner parallele Schieberflächen als Fühler gebraucht, so kann man damit neben einer Vergleichung durch Gefühl noch eine Maasstabablesung verbinden. Wenn aber die Fühlerflächen eines übersetzenden Hebelwerkes in Verwendung kommen, so werden diese Fühlwerke durch Zeigerwerke diese Abweichungen in sichtbarer Grösse anzeigen.

Wenn nun beim Handwerkzeug die Kraft, der Druck oder der Widerstand des Messens durch das Gefühl der Hand begrenzt wird, so ist man bei stark übersetzenden, zum Messen bestimmten Maschinen genöthigt, ein Maass für diese Kraft aufzustellen, nicht nur um die Messgrösse gleichwerthig zu machen, sondern auch um Verbiegungen zu vermeiden. Hierzu wurden von Whitworth Fühlplatten, von Repsold Gewichthebel, von Reinecker Dosenfederplatten mit Haarröhrchen, von Scholl-Kaller ein Fühlhebelwerk, von Sautter-Messner eine Fühlschraube mit Gummiunterlage u.s.w. angewendet.

Die Richtplatte und das Richtscheit.

Eine ebene Fläche könnte durch wiederholtes Anlegen eines Lineals und Beseitigung der hervorragenden Flächentheile erzielt werden. Hierbei ist aber der mögliche Fall der wahrscheinlichere, dass durch dieses Prüfungsverfahren eine windschiefe Fläche statt einer geradebenen entstünde, weil bei der Richtigstellung immer nur eine schmale Flächenreihe in Betracht kommt. Viel sicherer und rascher ist diese Regelung durch Anlegen einer körperlichen Ebene, einer Anzeigeplatte von möglichst genau ebener Form, durchführbar. Um dieses Verfahren in Anwendung bringen zu können, muss man im Besitz einer solchen Anzeigeplatte sein.

Textabbildung Bd. 292, S. 35

Es wird daher die Erstherstellung der Urplatte die gleichzeitige Schaffung dreier Plattenebenen voraussetzen, welche durch gegenseitige Prüfung Gewähr für ihre Richtigkeit geben, denn die vollkommene Uebereinstimmung bloss zweier Urplatten könnte ebenso gut eine Kugelzone ergeben. Wenn aber die hohlkugelige Platte mit einer dritten Prüfplatte in Uebereinstimmung gebracht wäre, so würde doch die zweite vollkugelige Platte mit der Prüfplatte den Fehler sofort anzeigen,