Text-Bild-Ansicht Band 294

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hartem (Stein-) Boden stehen bleiben, an deren Stelle dann ein Zeichen mit Hinzufügen der Nadel angebracht werden kann. Für das Hamburger Vermessungsbureau liefert die Messbänder mit Handgriffen das Mathematisch-mechanische Institut von Dennert und Pape in Altona.“

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Decimales Maassystem in England.

Die Einführung des decimalen Maassystems in England wird durch einen Beschluss, den der Jahrescongress der vereinigten Handelskammern von Grossbritannien auf seiner im September d. J. in Huddersfield abgehaltenen Versammlung gefasst hat, befürwortet. Die Elektrotechnische Zeitschrift erinnert bei dieser Gelegenheit daran, wie oft schon das starre Festhalten Englands an seinem „vorsintfluthlichen“ Maassund Gewichtssystem den Spott anderer Völker herausgefordert hat. Die wissenschaftlichen Vereine Deutschlands und Frankreichs haben wiederholt den Wunsch geäussert, dass dieser bei der Entwickelung des neuzeitlichen Verkehrslebens und der Wissenschaft unhaltbare Zustand doch endlich beseitigt werde. So zum Beispiel der Elektrotechnische Verein, indem er die herbe Bemerkung einflocht, dass man – bei aller Achtung vor dem Wissen und Können der Engländer – einen Anspruch auf volles Stimmrecht bei einer internationalen Berathung über metrische Einheiten ihnen so lange kaum zugestehen könne, als sie andere noch mit ihren Pfunden und Zollen behelligen. Auch die leitenden wissenschaftlichen Kreise Englands selbst haben sich wiederholt für die Einführung des decimalen Maassund Gewichtssystems ausgesprochen, bisher aber ohne Erfolg. Vielleicht bringt nun das Vorgehen der Handelskammern den Stein ins Rollen. – Und da gibt es (s. Centralblatt der Bauverwaltung, 1894 S. 71) bei uns noch Sonderlinge, die unser wohlgeordnetes Maasswesen auf englische Zustände zurückschrauben möchten. (Centralblatt der Bauverwaltung, 1894 S. 447.)

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Entfernungsmesser.

Ein Versuch mit Entfernungsmessern hat bei der Infanterieschiesschule in Spandau stattgefunden. Nachdem schon seit längerer Zeit einen für den Gefechtszweck brauchbaren Entfernungsmesser zu construiren, vielfach unternommen worden ist1), wurde in neuester Zeit zweien von deutschen Officieren (Major Bickel und Lieutenant v. Biaulieu) und zweien von den Franzosen Goulier und Souchier herrührenden Entfernungsmessern besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Die französischen Apparate haben den Vorzug grösserer Handlichkeit und Billigkeit, bedürfen aber bei Anstellung von Messungen der Festlegung von Zwischen- oder Hilfszielen, während zu Transport und Bedienung der deutschen Apparate, von denen namentlich der Bickel'sche zuverlässige Angaben macht, mehrere Mannschaften erforderlich sind. Von diesen würde eventuell ein Exemplar zur Ausrüstung jeder Compagnie gehören, während jene sich im Besitz des Führers bis herab zum Gruppenführer befinden würden. Die Herstellungskosten des Bickel'schen Apparates belaufen sich auf etwa 550 M., die französischen Exemplare kosten 80 bezieh. 24 M. In engere Wahl werden voraussichtlich nur die Entfernungsmesser von Bickel und Goulier kommen. Letzterer ist gegenwärtig bereits in der französischen Armee zur Einführung gelangt; die früher im Gebrauch gewesenen mehreren Tausend Souchier'schen Entfernungsmesser sind seitens des französischen Kriegsministeriums neuerdings der russischen Heeresverwaltung verkauft worden. (Zeitschrift für Vermessungswesen, 1894 Heft 18 S. 543). – Wir fragen mit Recht: „Ist der von uns citirte Prismendistanzmesser des Nestors der deutschen Geometer, Geheimen Raths v. Bauernfeind, einfach in Deutschland vergessen worden?“

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Kaustische Soda und Eisen.

Ueber einen bemerkenswerthen Fall, wo stählerne Dampfkessel durch kaustische Soda schon nach zwei Jahren zerstört wurden, berichtete W. Thomson in der Manchesterabtheilung der Gesellschaft für chemische Industrie (Society of Chemical Industry). In den betreffenden Kesseln wurden Sodalaugen von 5 auf 12 Proc. eingedickt. Viele Platten waren den Nieten entlang – nicht zwischen den Nietlöchern – gesprungen und viele Nietköpfe abgebrochen. Um festzustellen, ob kaustische Soda irgend welche Wirkung auf Eisen und Stahl hat, erhitzte Thomson Eisen- und Stahldrähte, wie auch Stücke von Bandeisen, während 84 Tagen ununterbrochen auf 100° in Laugen von sowohl 5 Proc. als auch von 12 Proc. Natrongehalt. Gegenmuster behandelte er theils mit kalten Laugen, theils nur mit destillirtem Wasser. Sämmtliche Muster blieben während 195 Tagen in den betreffenden Flüssigkeiten und wurden dann auf ihren Widerstand gegen Zerreissen untersucht. Die Versuche ergaben, dass Eisen und Stahl weder durch kalte noch durch heisse kaustische Sodalösungen irgend wie verändert wurden. Beiläufig wurde erwähnt, dass Eisenstücke, welche über 30 Jahre in kohlensaurer Sodalauge gelegen hatten, vollkommen blank geblieben waren. Nach Thomson's Ansicht kann sich die Beschädigung der erwähnten Dampfkessel nur durch rein mechanische Ursachen erklären lassen, vielleicht durch Krystallisation von zwischen die Platten und unter die Nietköpfe gelangter Soda. Da es eine allbekannte Thatsache ist, dass sich schwache kaustische Laugen ohne Schaden für die Kessel zur Erzeugung von Betriebsdampf verwenden lassen, so liegt die Vermuthung nahe, dass in dem von Thomson mitgetheilten Falle ganz besondere Verhältnisse im Spiel gewesen sind, welche bei der Untersuchung nicht zu Tage traten.

(Papierzeitung.)

Reinigen von Speise- und Schmieröl durch Elektricität.

Im Laboratorium der École nationale des Arts et Métiers zu Aix wurden von L. A. Levat verschiedene Versuche gemacht, um Speise- und Schmieröl durch ein elektrisches Verfahren zu reinigen. Ein Cylinder wurde mit Olivenöl geringer Beschaffenheit von saurem Geschmack und brauner Farbe gefüllt und so viel Wasser zugegossen, dass sich unter dem Oel eine 3 bis 4 cm hohe Schicht bildete. In dieses Wasser tauchten die Elektroden, welche mit einer kleinen Dynamomaschine verbunden waren. Liess man nun einen schwachen Strom von 2 bis 3 Volt Spannung hindurchgehen, bis das Wasser beinahe zersetzt war, so erhielt man ein Oel von heller Farbe, welches nur von vielleicht mechanisch mitgerissenem Wasser etwas getrübt war. Dagegen hatte sich der Geschmack vollständig geändert, die Säure war verschwunden und das Oel hatte einen angenehm süssen Geschmack angenommen. Levat unterwarf etwa 20 minderwerthige Oelsorten demselben Verfahren und gelangte stets dazu, diese wesentlich zu verbessern; bei einiger Vorsicht trübte sich das Oel nicht und blieb vollkommen hell. Auch machte er eine Reihe von Versuchen mit schlechten Schmierölen von wenigstens 5 Proc. freier Säure. Der Säuregehalt verminderte sich bis auf 1 Proc. und bei Wiederholung des Verfahrens sogar bis auf 1/10 Proc., welcher Rest aber auf keine Art zu entfernen war.

(Eisenzeitung.)

Die elektrotherapeutische Bedeutung von Strömen mit hoher Wechselzahl.1)

Dr. d'Arsonvall hat die physiologischen Wirkungen der Ströme mit hoher Wechselzahl, bezüglich welcher die Tessla'schen Versuche schon überraschende Ergebnisse gezeigt haben, näher untersucht und gefunden, dass diese Wirkungen auf die Muskeln mit steigender Wechselzahl bis zu 3000 W. i. S. zunehmen, dann bis zu 5000 W. i. S. unverändert bleiben und mit weiterer Steigerung abnehmen und verschwinden. Bei grossen Wechselzahlen (50 000 und mehr W. i. S.) zeigt sich selbst bei hohem Potential keine Einwirkung auf den Froschmuskel. Es treten aber andere, sehr auffällige Erscheinungen dafür auf. Lässt man einen solchen Strom mit hoher Wechselzahl und hohem Potential durch den Körper gehen, indem man ihn mittels grosser Elektroden den Händen zuleitet, so wird die Haut der Innenhand für mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde unempfindlich. Stellt man sich auf einen Isolirschemel und fasst einen Pol des Wechselstromerzeugers an, so fühlt man eine Körpererwärmung, welche von einer reichlichen Schweissausscheidung begleitet ist. Endlich wird durch die Stromwirkung auch der Blutausfluss einer kleinen Wunde stark vermehrt. Man sieht also, dass die Elektrotherapie in diesen Strömen mit hoher Wechsel zahl ein kräftiges Hilfsmittel finden kann; wie weit es verwendbar ist, haben natürlich die Mediciner zu entscheiden.

Betrieb elektrischer Klingeln mit Beleuchtungsstrom.1)

In Amerika werden neuerdings die elektrischen Beleuchtungsanlagen in den Häusern auch für den Betrieb der elektrischen Klingeln benutzt, indem man durch einen vorgeschalteten Widerstand die Stromstärke auf das erforderliche Maass herabdrückt. Mit Rücksicht auf den geringen Energieverbrauch einer solchen Anlage kommt der grosse Verlust im Widerstand nicht in Frage, um so mehr aber der Vortheil, dass man bei solchen Klingeln der Schererei mit Elementen überhoben ist.

Elektrische Reinigung von Wasser.

Ein Ueberschuss von Calcium- und Magnesiumsulphat und -carbonat im Trinkwasser und in dem zu industriellen Zwecken verwandten Wasser ist eine nicht angenehme Zugabe. Die

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Wir erinnern hier übrigens an unsere Abhandlung: „Die Bauernfeind'schen Prismendistanzmesser“, Schweiz. polytechn. Zeitschr., Bd. XII. D. Ref.

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Zeitschrift für Elektrotechnik und Elektrochemie.

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Zeitschrift für Elektrotechnik und Elektrochemie.