Text-Bild-Ansicht Band 296

Bild:
<< vorherige Seite

verschiedenen verbesserten Filterpressensystemen werden die Vorzüge der Beeg'schen41) Filterpresse gelobt.

Die Wichtigkeit der Saturation für die Saftreinigung ist allgemein anerkannt; zu einer guten Saturation gehört aber neben einem guten Kalkstein ein entsprechend functionirender Kalkofen. Sehr gut bewährt hat sich der Kalkofen von Kulmiz, welcher nach Hyroš42) eine glückliche Modifikation des Steinmann'schen Kalkofens ist. Verschiedene deutsche Zuckerfabriken haben mit dem Khern'schen Ofen43) zufriedenstellende Resultate erhalten. Im Uebrigen liegen über die Anlage und Beschickung der Kalköfen noch sehr verschiedene Ansichten vor, wie dies auch in der Natur der Sache liegt, nachdem bei der Leistung eines Kalkofens mancherlei Umstände in Betracht kommen. Vielfach ist man der Ansicht, dass Kalköfen mit Generatoren in allen Stücken den Vorzug vor den anderen Constructionen verdienen, welch letztere sich übrigens ohne besondere Kosten in solche mit Generatoren umgestalten lassen.

(Schluss folgt.)

[Kleinere Mittheilungen.]

Versorgung mit guter Athemluft.

Dr. R. Timby in New York ist auf die Idee gekommen, die Bewohner ganzer Städte von einem Punkt aus mit guter Athemluft zu versorgen. Er ist im Begriff, in der Nähe von New York eine grosse Maschinenanlage herzustellen, in welcher Ozon in grösseren Mengen gebildet werden soll; dies Ozon mischt sich in den nöthigen Verhältnissen mit atmosphärischer Luft und dieses Gemenge soll dann durch ein Röhrennetz, welches seine Zweige in alle Häuser und dort in alle Wohnungen vertheilt, den jetzt zum Athmen staubhaltiger und verdorbener Luft gezwungenen Stadtbewohnern zugeführt werden. (Zeitschrift für Transportwesen und Strassenbau, 1895 S. 32.)

-r.

Lampe zur Verbrennung von Erdöl mit entleuchteter Flamme.

R. Irvine macht (Journ. Soc. Chem. Ind., 1894 S. 1167) darauf aufmerksam, dass die von B. A. Hjorth und Co. in Stockholm construirte Erdöllampe, die in Schweden und Schottland sich bereits vielfach eingeführt hat, einen sehr zweckmässigen Behelf für Laboratorien bildet, welche mit Leuchtgas nicht ausgerüstet sind. Die nebenstehend abgebildete Lampe besteht aus einem Reservoir F, das etwas über 1 l Erdöl fasst und durch die Tubulatur A gefüllt wird. Das Reservoir hängt mit dem ringförmigen Brenner durch ein Rohr zusammen, welches bis fast auf den Boden des Oelbehälters hinabreicht und bei B eine Rinne trägt, die mit Spiritus gefüllt wird, der beim Brennen den gabelförmigen obersten Theil dieses Rohres zur Rothglut bringt.

Textabbildung Bd. 296, S. 144

Mit Hilfe der kleinen Luftpumpe d wird die im oberen Theil des Oelreservoirs enthaltene Luft stark comprimirt. Der auf dem Oel lastende Druck treibt es in dem zum Brenner führenden Rohre in die Höhe. Beim Passiren des rothglühenden Theils wird es zu Oelgas zersetzt und gelangt bei f, durch im Brenner angesaugte Luft entleuchtet, zur Verbrennung. Das glühende obere Rohrstück wird nach dem Abbrennen des Weingeistes durch die Flamme des Oelgases heiss genug gehalten, um eine wiederholte Erwärmung durch Spiritus unnöthig zu machen. Die Erneuerung des Druckes mit der Luftpumpe muss alle 3 bis 4 Brennstunden erfolgen, die Neufüllung der Lampe mit Erdöl etwa nach 20 bis 30. Ein Ventil, das mittels des Handgriffes C bewegt wird, gestattet jederzeit den auf dem Oel lastenden Ueberdruck der Luft aufzuheben und dadurch die Lampe zum Verlöschen zu bringen. Das Reservoir ist auf einen Druck von 3½ at geprüft. Der Apparat wird in Deutschland von Dr. Peters und Rost in Charlottenburg in den Verkehr gebracht.

Hr.

Metallisches Strassenpflaster.

In Paris werden gegenwärtig interessante Versuche mit einem neuen Strassenpflaster angestellt. Der Seine-Präfect Ponbelles hat den Municipalrath autorisirt, dieses, aus einer metallischen Masse bestehende Pflaster zunächst auf dem Boulevard Sebastopol, auf einer vom stärksten Verkehr überflutheten Strasse, zu verwenden. Der Erfinder des Pflasters hat sich verpflichtet, im Falle des Nichtgelingens alle Kosten des Versuches zu tragen. (Zeitschrift für Transportwesen und Strassenbau, 1895 S. 84.)

-r.

Ueber bakteriologische Wasseruntersuchung.

F. W. Richardson (Journ. Soc. Chem. Ind., 1894 S. 1157) nimmt in dem bekannten Streit über die Möglichkeit, ein Wasser nach seiner chemischen Zusammensetzung und seiner Provenienz hygienisch zu beurtheilen, in einem längeren Aufsatze, der die einschlägige Litteratur in erheblichem Umfange anführt und bespricht, Stellung gegen die chemische und für die bakteriologische Untersuchung. Eigene Versuche, die sich auf die Nährfähigkeit verschiedener Wasser für Bakterien beziehen, werden in Aussicht gestellt und durch die Mittheilung eingeleitet, dass die Nährfähigkeit von Jauche gegenüber Pepton- und Zuckerlösungen, bezogen auf den gleichen Gehalt an fester organischer Substanz, eine enorm grosse ist. Das Migula'sche Postulat für bakteriologische Wasseruntersuchung, dass nicht die Colonien, sondern die Species gezählt werden sollen, wird gebilligt, die daran anknüpfende Methode, Colonien, welche die Nährsubstanz verflüssigen, von denjenigen, welche es nicht thun, zu scheiden und beide besonders zu zählen, wird aber verworfen, weil das Ueberwiegen der einen oder der anderen Bakteriengruppe keinen Schluss auf Verseuchung des Wassers zulässt. Richardson empfiehlt vielmehr, das zur Untersuchung bestimmte Wasser 12 Stunden auf Bluttemperatur zu erwärmen und das Verhältniss des Bakteriengehaltes vor und nach der Erwärmung als Kriterium der Verseuchung zu betrachten. Seine Versuche zeigen, dass in unverseuchtem Wasser die Anzahl der Bakterien sich bis auf einen winzigen Bruchtheil vermindert, während in verseuchtem ⅔ bis ⅗ sich erhalten. Bei länger fortgesetztem Erwärmen auf Bluttemperatur wächst die Zahl der Bakterien im verseuchten Wasser enorm. Richardson schreibt vor, 1 cc des zu untersuchenden Wassers in 40 kleinen Tropfen mittels einer sterilisirten Pipette je zu einem Fläschchen Bouilloncultur hinzuzufügen, 12 Stunden auf Bluttemperatur zu erwärmen und dann das Bakterienwachsthum in den 40 Culturen zu untersuchen. 0,1 Proc. Jauche in sterilisirtem Wasser soll sich dabei mit Sicherheit durch intensives Bakterienwachsthum in sämmtlichen Culturen verrathen.

Richardson kritisirt weiter die Methode der Plattencultur, welche er um der unvermeidlichen Verunreinigung mit Luftkeimen willen verwirft, und beschreibt sein eigenes Verfahren, welches im Gebrauch schmaler flacher Flaschen besteht, die zwar nicht so bequem für die mikroskopische Untersuchung sind, aber unter Benutzung einer Wolffhügel'schen Zählplatte und einer passenden Vergrösserung die Zählung der Colonien mit genügender Schärfe gestatten sollen.

Der Schluss des Aufsatzes behandelt das Verhältniss des Bacillus coli communis zum Bacillus typhi in Rücksicht auf Massenhaftigkeit des Vorkommens in Defäcationen Typhuskranker, Leichtigkeit der Auffindung und Möglichkeit der Unterscheidung beider Organismen. Auf die in Form einer Tabelle dem Aufsatz angeschlossene Zusammenstellung von sechs Wasseranalysen, bei denen neben den chemischen Bestandtheilen durch mühevolle Züchtung nach Möglichkeit Bakteriengruppen isolirt wurden, sei nur verwiesen.

Hr.

Legirung aus Aluminium und Platin.

Nach der englischen Fachzeitschrift Invention soll eine Legirung aus Platin und Aluminium das Aussehen einer Legirung von Gold mit 5 Proc. Silber haben und besonders geeignet sein, Stahlschneidwerkzeuge vor Rost zu schützen. Da ein geringer Zusatz (wie viel ist nicht angegeben) von Platin genügt, so wird die Legirung nicht theuer.

41)

Oesterreichisch-ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie, 1894 XXIII S. 702.

42)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1892/93 XVII S. 337.

43)

Zeitschrift des Vereins für die Rübenzuckerindustrie, 1894 XXXXIV S. 143.