Text-Bild-Ansicht Band 296

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nicht berechnen. Man ist deshalb, um überhaupt zu einem Resultat zu gelangen, genöthigt, hierfür eine Summe in Ansatz zu bringen, für welche die Apparatur einschliesslich allem Zubehör zweifellos beschafft werden kann. Vergegenwärtigt man sich, dass neben elektrolytischen Bädern, deren Anoden aus Retortengraphit bestehen sollen, Vorrichtungen zum Lösen des Salzes, zum Eindampfen der Laugen, zur Herstellung des Chlorkalks, zum Betrieb der Werkstätten u.s.w. vorhanden sein müssen, so wird unter Berücksichtigung der Grössenverhältnisse der Anlage die runde Summe von 600000 M. als reichlich, aber nicht als übermässig hoch bemessen erscheinen. Amortisirt man, wie bei derartigen Anlagen üblich, mit 10 Proc. so ergibt dieses für das Jahr 60000 M. und für den Tag 171,42 M. Die Amortisation erfordert somit insgesammt 228,57 M.

Nachdem im Vorstehenden die Gestehungskosten von 5000 k kaustischer Soda und 12500 k Chlorkalk im Einzelnen mit einem mehr oder weniger hohen Grad von Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, sollen dieselben zusammengestellt und addirt werden.

1) Energiebedarf 460,80 M.
2) Salzbedarf 120,00
3) Kohlenbedarf 90,00
4) Kalkbedarf 112,50
5) Emballage 212,50
6) Arbeitslöhne 182,50
7) Reparatur 175,00
8) Amortisation 228,58
––––––––––––
Summa 1581,88 M.

Zu diesen Gestehungskosten kommen noch die Generalunkosten, zu welch letzteren die Gehälter für Vorstand, Betriebs- und Bureaubeamte, die Ausgaben für Vergütungen, Bureaukosten, Provisionen, Frachten, Versicherung, Krankenkasse, Wohlfahrtseinrichtungen, Steuern u.s.w. zu zahlen sind.

Die Generalunkosten lassen sich nicht zum Voraus berechnen; immerhin wird man dieselben bei einem Unternehmen der besprochenen Art auf etwa 25 Proc. (oder mehr) der Gestehungskosten zu veranschlagen haben.

[Kleinere Mittheilungen.]

Neuer Anemograph und Anemoskop von H. Wild.

Bei meteorologischen Registrirapparaten scheint die Elektricität wieder mehr und mehr in Aufnahme zu kommen. Zwar dürfte wohl die unmittelbare Uebertragung ganzer Registrirungen auf grosse Entfernungen noch lange ein frommer Wunsch der Meteorologen bleiben; aber selbst innerhalb eines grösseren Institutes erscheint es häufig lohnend, die Elektricität zu diesem Zwecke zu benutzen. Bei diesen geringeren Entfernungen kommt dann nicht viel darauf an, ob das Kabel nur einige wenige, oder vielleicht ein Dutzend Drähte enthält. Die elektrische Registrirung der Richtung des Windes in ihrer einfachsten, aber auch sichersten Form wird durch ein solches Drahtbündel ermöglicht. Bei dem Windapparat von Sprung und Fuess wird ebenfalls von dieser Methode Gebrauch gemacht; im Uebrigen stimmt der hier zu besprechende Wild'sche Windapparat mit dem Sprung-Fuess'schen nicht überein, indem ersterer nach dem Princip des Chronographen construirt ist, und zwar der Hauptsache nach in folgender Weise:

Ein mit Papier überzogener Cylinder rotirt gleichförmig vermöge eines Uhrwerks, wie bei den kleinen Richard'schen Registrirapparaten, nur dass er in 24 Stunden einen Umlauf vollendet. Auf dem Cylinder schreiben fortwährend acht in geraden Linien über einander liegende Federn, so dass jede im Allgemeinen eine zarte Horizontallinie zeichnet. Jedesmal aber, wenn das Schalenkreuz 100 Umdrehungen gemacht hat, erfolgt ein elektrischer Contact und hierdurch eine kleine seitliche Verschiebung einer oder zwei benachbarter von diesen Federn; welche es sind, das hängt eben von der Stellung der Windfahne ab, so dass auf diese Weise durch 8 Zuleitungsdrähte 16 verschiedene Richtungen aufgezeichnet werden.

Ist die Richtung des Windes unveränderlich, beispielsweise Süd, so erscheinen alle Marken als seitliche Ansätze einer und derselben Horizontallinie; der Raum zwischen 2 Stundenlinien wird um so mehr oder weniger davon erfüllt sein, als die Windgeschwindigkeit grösser oder kleiner ist. Wechselt die Richtung des Windes im Laufe der Stunde, so ist es ebenso, nur muss man die Marken gewissermaassen in verschiedenen Etagen suchen.

Bei sehr starken Winden rücken die Marken so nahe an einander, dass eine Zählung nicht mehr möglich ist. Deshalb ist noch ein anderes System von elektrischen Marken am Fusse der Trommel vorgesehen, welche nach je 1000 Umdrehungen des Schalenkreuzes erfolgen.

Dieser Anemograph wurde im J. 1887 im physikalischen Centralobservatorium zu St. Petersburg aufgestellt und hat seither ohne erhebliche Unterbrechungen functionirt. Von 1888 an erfolgte die Herleitung der Windverhältnisse für St. Petersburg nach demselben.

Der Preis des ganzen Apparates mit Einschluss des Leitungsdrahtes und der zugehörigen 13 galvanischen Leclanché-Elemente ist auf etwa 800 M. zu veranschlagen. (Zeitschrift für Instrumentenkunde.)

Ausbeute an Erdöl.

Nach Colliery Guardian hat die gesammte Ausbeute der Welt an Erdöl im J, 1893 rund 84 Millionen Barrels (= 178 Millionen Liter) betragen. Hiervon entfiel mehr als die Hälfte, nämlich 48 Millionen Barrels, auf die Vereinigten Staaten, 33 Millionen auf Russland, der Rest von 3 Millionen vertheilt sich auf verschiedene Länder, von denen Oesterreich-Ungarn, Canada und Peru zusammen 2 Millionen lieferten. Der Rest entfällt auf Deutschland, Indien und Japan.

Brennkörper zum Ersatz der Dochte.

Zur Herstellung der zum Ersatz der Dochte bestimmten Brennkörper für flüssige Brennmaterialien werden nach Neueste Erfindungen und Erfahrungen bei dem Patent Chr. Westphal als Grundmasse Calcium-, Aluminium-, Magnesium-, Strontium-, Silicium- und Bariumverbindungen (wie kohlensaurer oder kieselsaurer Kalk, Fluorcalcium, Kreide, Infusorienerde, Thon, Kaolin, Talg, Speckstein, Sand, Quarz, Bimsstein, kohlensaures oder schwefelsaures Strontium, oder Barium), jedes für sich oder in Verbindung mit einander verwendet. Dieser Grundmasse werden Verbindungen der Schwermetalle – Zinkoxyd, Bleioxyd, Eisenoxyd, Zinnoxyd – zugesetzt. Das Gemisch wird mit einer Lösung von Wasserglas oder Alaun oder Borsäure angefeuchtet, geformt und allenfalls gebrannt. Um diesen Brennkörpern die für gewisse Zwecke erwünschte Porosität zu geben, werden der Mischung solche Körper, wie Colophonium, zugesetzt, welche in der Hitze ganz oder theilweise sich verflüchtigen. Für besondere Zwecke wird der Mischung pulverisirter Schwefel zugesetzt. Der Schwefel verleiht dann den Brennkörpern eine glasartige Oberfläche. Dieselbe ist besonders für solche Brenner nothwendig, welche, wie bei Strassenlaternen, während des Nichtgebrauches der Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Die Mischungsverhältnisse der Brennkörper sind je nach ihrem Zwecke verschieden. So nimmt der Erfinder beispielsweise auf 2 Th. geschlämmte Kreide 1 Th. Zinkweiss oder auf 2 Tb. Kreide 2 bis 4 Th. Bimssteinpulver mit 2 Th. Zinkweiss. Diese innigst gemischten Theile werden mit Natronwasserglas zu einem feuchttrockenen körnigen Pulver gemischt und in Formen gepresst.

Einsturz einer Monier-Brücke.

In der Nähe von Zachau bei Stargard stürzte, wie wir der Deutschen Bauzeitung entnehmen, am 22. December 1894 eine Strassenbrücke ein, die von der Monier-Gesellschaft in Berlin nach dem System „Monier“ gebaut war. Dieser Einsturz bildete für die Gegner der Monier'schen Bauweise einen willkommenen Angriffspunkt, die Existenzfähigkeit dieses Systems von Neuem anzuzweifeln. Es sind jedoch durch vielfache Versuche während einer Reihe von Jahren die Bedenken gegen diese Bauweise, dass die Verbindung des Eisens mit dem Cement keine innige sei, dass das Eisen durch den nass aufgetragenen Cement roste, und schliesslich, dass das Eisen bei Temperaturveränderungen sich anders ausdehne als der Cement, so glänzend widerlegt, dass der Monier-Bauart wohl für immer eine grosse Zukunft gesichert ist.

Der Einsturz jener oben erwähnten Brücke erfolgte auch nicht in Folge irgend eines Fehlers der Monier-Bauweise, sondern ist ausschliesslich der Einwirkung äusserer Einflüsse zuzuschreiben.

Die Widerlager der Brücke waren auf Pfähle gegründet, die 1,5 m in festem Sand und 4 m in Torf- und Wiesengrund standen, und es ist nun mit Bestimmtheit anzunehmen, dass eine Durchweichung und Unterspülung des Baugrundes ein Ausweichen der Widerlager hervorrief. Bei der Hinterfüllung schon zeigten sich in den Widerlagern Risse, die sich während der Arbeit erweiterten und schliesslich zum Bruch führten. Der Bruch am Scheitel trat zuletzt ein, die beiden Bogenhälften liegen ungebrochen im Flussbett der Ihna.

Die Brücke hatte eine Spannweite von 18 m, eine Scheitelstärke von 25 cm und eine Stichhöhe von 1,8 m. Beim Neubau der Brücke wählte man eine Construction von eisernen Trägern mit dazwischen gespannten Monier-Gewölben, doch geschah das nur aus dem Grunde, die unversehrt gebliebenen Landpfeiler benutzen zu können. Die Pfeiler erhalten jetzt selbstverständlich nur senkrechte Belastung ohne Schub. (Nach Stahl und Eisen.)