Text-Bild-Ansicht Band 300

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Schlüssel von der Mutter abziehen und dann wieder in eine für das Anziehen günstige Lage bringen. Diese Hantirung ist namentlich bei schwer zugänglichen Muttern umständlich, da man oft hin und her suchen muss, bis der Schraubenschlüssel das Sechseck wiederum richtig erfasst hat. Bei dem vorliegenden Schlüssel erfolgt das Anziehen der Mutter in der Weise, dass man dieselbe wie gewöhnlich in der Richtung des Zeigers der Uhr dreht, soweit als es angeht. Will man dann den Schlüssel auf zwei andere Seiten des Muttersechseckes aufsetzen, so dreht man denselben zurück. Die Construction des Maules macht es dabei überflüssig, den Schlüssel von der Mutter abzuziehen und den Anschluss an zwei anderen Seiten derselben zu suchen.

Diese praktische Neuerung verdient, als die Arbeit des Anziehens und Lösens vereinfachend, Beachtung.

Ueber amerikanische Zangen.

Von W. Klussmann.1)

Mit Abbildungen.

Zum selbsthätigen genau laufenden Einspannen von runden Gegenständen auf der Drehbank bedient man sich der bekannten „amerikanischen Centrirfutter“. Vor 10 bis 15 Jahren waren diese Futter bei dem Präcisionsmechaniker noch sehr selten zu finden, sie wurden nur bei der Herstellung von Massenartikeln verwandt; heut ist man auch schon in kleineren präcisionsmechanischen Werkstätten dahin gekommen, Centrirfutter möglichst vielseitig zu benutzen.

In der letzten Zeit wird den „amerikanischen Futtern“ durch eine in der gesammten Mechanik und Uhrmacherei bei der Herstellung selbst der genauesten Massenfabrikate unentbehrlich gewordenes Werkzeug, die sogen. „amerikanische Zange“, wirksame Concurrenz gemacht.

Wir verstehen unter „amerikanischer Zange“ allgemein ein aus einer mehrfach aufgeschlitzten Hülse bestehendes Klemmwerkzeug, dessen Princip schon lange bekannt und in Anwendung gekommen ist. Dass diese Vorrichtung jetzt allgemeiner gebraucht wird, ist die Folge der grossen Billigkeit bei dennoch vollkommener Präcision. Dies aber ist wiederum ermöglicht durch vorzügliche maschinelle Einrichtungen zur Massenherstellung, wie sie wohl zuerst in Amerika bestanden, weshalb man dem Werkzeug auch den Namen „amerikanische“ Zange wird lassen können. Jedoch auch in Deutschland haben wir Fabriken, welche diese Zangen in höchster Vollkommenheit und ausserordentlich billig liefern, wie z.B. Boley; Lorch, Schmidt und Co.: Wolf, Jahn und Co. u.a.

Als hauptsächlichsten Vortheil der „Zangen“ gegenüber den „Futtern“ möchte ich grössere und länger anhaltende Genauigkeit anführen, weil erstere einfach, letztere dagegen sehr complicirt und theilweise nach sehr gewagten Principien gebaut sind. Die Futter bestehen aus vielen einzelnen Theilen, die theils mit einander verschraubt oder auch nur mit Konus auf einander getrieben sind, theils aber beweglich gegen einander gelagert sein müssen. Das Eindringen von Staub oder Spänen ist bei einem complicirten Werkzeug gar nicht zu vermeiden und nicht sofort zu bemerken, und es werden daher sehr leicht Störungen hervorgerufen, die das Futter bald für genauere Arbeiten unbrauchbar machen. Es nutzt sich auch ungleichmässig ab, falls in demselben eine bestimmte Drahtdicke häufiger bearbeitet wird. Ferner kommt noch der hohe Preis in Frage (40 bis 50 M.), den anzulegen sich eine kleine Werkstätte scheut; sie nimmt lieber die Unbequemlichkeiten des Zwei- oder Dreibackenfutters mit in den Kauf.

Die „amerikanische Zange“ dagegen in ihrer jetzigen Form besteht nur aus einer durchbohrten, an dem einen Ende mit einem Aussengewinde, an dem anderen mit einer Verdickung versehenen, glasharten Stahlhülse. An der Seite der Verdickung ist die Zange mit einem steilen Konus versehen und dreitheilig aufgeschnitten. Die durchbohrte Spindel hat eine entsprechend steile, konische Ausdrehung; in diese legt sich die Zange ein und lässt sich nun von hinten durch ein mit einem Kordelrad oder Knebel versehenes Stahlrohr mit Innengewinde in die Spindel hineinziehen, wodurch die Bohrung verengt wird. Gegen Drehung ist die Zange durch Nase und Nuth gesichert. Schon mehrfach sind diese Zangen bei der Beschreibung neuerer Werkzeug- und Werkzeugmaschinen-Constructionen besprochen worden.

In dem Vereinsblatt der deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik, 1892 Heft 2 S. 131, zum Beispiel hat K. Friedrich einige von der Frankfurter Firma Lorch, Schmidt und Co. hergestellte Drehbänke mit Zubehör, darunter auch diese Zangen, beschrieben. Ich glaube jedoch, dass der a. a. O. angeführte Vergleich zwischen den Fehlern, die bei der Benutzung der Zangen auftreten können, und denen, die bei in der Spindel einschraubbaren Spitzen, kleinen Bohrfuttern, Patronen u. dgl. entstehen werden, nicht zutreffend ist. Bei letzterer Anordnung wird sich das selbstverständlich unbedingt nothwendige, genau laufende Gewinde innerhalb der Spindelbohrung leicht voll Späne setzen, die natürlich in einem Gewinde viel schwerer wahrzunehmen und zu entfernen sind, als auf einer glatten Fläche. Dann ist auch, vielleicht erst bei den neueren Constructionen, die Einrichtung so getroffen, dass der mit dem Gewinde versehene cylindrische Theil der Zange, sowie auch das Stahlrohr, an dem der Knebel befestigt ist, die Wandung der Spindelbohrung nicht berührt, wenn die Zange einen Gegenstand spannt. Für ein genaues Centriren ist also nur das gute Laufen des steilen Konus, sowie der Lagerung der Knebelmutter am hinteren Ende der Spindeldocke nothwendig. Ferner wird es auch grösstentheils wenig Mühe machen, diese leicht zugängliche, kurze konische Fläche nachzudrehen oder nachzuschleifen. Ein Reinigen der Durchbohrung ist übrigens auch ziemlich einfach durch eine dünne Flaschenbürste, wie sie zum Reinigen von Reagenzgläschen benutzt wird, zu bewerkstelligen.

Einer grösseren Verwendung der amerikanischen Zangen trat der Umstand entgegen, dass sie nur an besonders dazu eingerichteten Drehbänken zu benutzen waren, die in einer Werkstatt vorhandenen Bänke mit durchbohrter Spindel erst einer verhältnissmässig grösseren Umänderung unterzogen werden mussten und Zangen an Spitzenbänken, sowie im gewöhnlichen Reitstock bisher überhaupt nicht verwandt werden konnten, trotzdem ihr Werth vielfach schon anerkannt

1)

Nach einem uns freundlichst übersandten Sonderabzug aus Beiblatt zur Zeitschrift für Instrumentenkunde, Vereinsblatt der Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik, 1896 Heft 4 und 5.