Text-Bild-Ansicht Band 307

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den vom Verfasser mitgetheilten Angaben über die praktische Bedeutung dieser beiden bekanntesten Erfindungen auf dem Gebiete der maschinellen Herstellung von Glasflaschen. Obwohl sich in Castelford eine Gesellschaft mit bedeutendem Capital zur Ausbeutung der Patente von Ashley bildete, so ist seine Maschine doch nicht zur Einführung gelangt. Das Unternehmen scheiterte an zwei Unvollkommenheiten der Erfindung; zunächst war die Leistungsfähigkeit der Maschine zu gering, denn diese stellte in einer Schicht nicht mehr Flaschen her als ein Durchschnittsglasmacher, dann aber konnte man nur gedrückte oder schwere Flaschenformen erzeugen, während die Herstellung von schweren Facons, wie die der Rheinweinflaschen, ausgeschlossen erschien; geradezu unmöglich war es, Flaschen mit Hohlboden, Kopfboden oder gar Patentboden anzufertigen.

Anders hatte sich dagegen die Erfindung von Hilde eingeführt, die gegenwärtig in Besitz der Firma H. Pfropfe in Hamburg und der Actiengesellschaft für Glasindustrie vorm. Friedr. Siemens übergegangen ist. Wie auch Ashley ist Hilde nicht Glasmann von Fach und hat ohne die näheren Kenntnisse der Glasfabrikation durch 7 Jahre an der Verbesserung seiner Maschine gearbeitet; gegenwärtig ist sie so weit vervollkommnet, dass sie allen Anforderungen in bester Weise entspricht.

Zweckmässig wird eine Werkstatt mit je zwei Maschinen und vier Arbeitern ausgerüstet. Zwei solcher Maschinen fertigen in 1 Minute 3 Flaschen, was für die Stunde 350 bis 360 Stück beträgt. Die Maschinen arbeiten ohne Abfall und erzeugen Flaschen, von denen eine genau so viel Glas wie die andere enthält und die darum genau gleich schwer, gleich in Form und Volumen ausfallen.

Das Problem der maschinellen Erzeugung von Glas erscheint demnach gelöst.

In einem Artikel, Der Aichzwang für Bier- und Weinflaschen (Sprechsaal, 1897 S. 30), wird der Nachtheil besprochen, welchen die Einführung des neuen Gesetzes für die Flaschenfabrikanten und den Weinhandel mit sich führen wird.

Der Sprechsaal empfiehlt (1897 S. 54 und 84), Hängebahnen in Glashütten einzuführen, deren Betrieb den Transport von Materialien und fertigen Waaren sehr erleichtert.

Die Tafelglasfabrikation nach deutscher und belgischer Art von W. M. (Sprechsaal, 1897 S. 3). Eine Beschreibung der beiden Arbeitsmethoden, der deutschen, bei welcher kurze Walzen mit grossem Umfange geblasen werden, und der die erstere fast gänzlich verdrängenden, besseren belgischen (auch rheinischen) Arbeitsweise, nach welcher lange Walzen (bis 3 m lang) mit kurzem Umfange hergestellt werden.

Derselbe Verfasser beschreibt auch die verschiedenen Methoden, welche zur Verzierung des Tafelglases durch den Sandstrahl angewendet werden (Sprechsaal, 1897 S. 442).

Geätzte und sandgeblasene Trinkgläser und Flaschen von W. M. (Sprechsaal, 1897 S. 384 und 414).

Die Verwendung des Glases zu Bauzwecken nimmt nach der Chemiker-Zeitung, 1897 S. 345, allmählich zu. So werden in St. Gobain Opalinplatten aus 54 Th. Sand, 39 Th. Baryt und 7 Th. Soda geschmolzen und ausgewalzt. Von den Glashüttenwerken Adlerhütten bei Penzing werden nach dem Patente Falconnier Glasbausteine gefertigt. Diese Steine werden meist aus halbweissem Glase, seltener aus Farbglas hergestellt; als Bindemittel dient Kalk unter Zusatz von Sand.

Die Benutzung von Hochofenschlacke zur Erzeugung von Glas wird von verschiedenen Seiten empfohlen. In Chicago waren nach Elbers aus Hochofenschlacke gewonnene Gläser in Form schön gefärbter Stücke ausgestellt.

Barytglas wird nach Sprechsaal, 1895 S. 687, erhalten durch Zusammenschmelzen von

Quarzsand 100 Gew.-Th.
Potasche II (90procentig) 25
Soda (90procentig) 10
Kalkstein 20
Witherit (reinster englischer) 20
Brocken von gleichem Glase etwa 100

Das aus solchem Gemenge hergestellte Glas soll feuriger und glänzender erscheinen als gewöhnliches Kalkglas. Es besitzt auch höheres specifisches Gewicht.

(Schluss folgt.)

[Kleinere Mittheilungen.]

Cement wasserdicht zu machen.

Der vorhandene nicht wasserdichte Cementbeton der Wasserbecken, Balkon- und Dachabdeckungen u.s.w. wird durch Abscheuern mit Grand und Abkratzen mit scharfen Werkzeugen gründlich gereinigt. Alsdann trägt man eine etwa 3 bis 4 mm dicke Schicht Kautschukleim der Sondolfabrik Hannover mittels Spachtel u. dgl. möglichst porendicht auf, welche alsbald zu einer elastisch harten, absolut wasserdichten Schicht austrocknet. Ist diese Kautschukschicht trocken geworden, so wird zum Schütze derselben eine angemessen dicke Cementschicht darüber gebracht, welche schliesslich mit einem Stahlbrette gut zu glätten ist. Dieses Verfahren eignet sich besonders auch für flache Cementdächer und Brückengewölbe. Wenn der Kautschukleim mit der erforderlichen Sorgfalt aufgetragen wurde, so lässt der Cement niemals wieder Wasser durch.

Amerikanische Blechbedachung.

Die nachstehend beschriebene Methode einer amerikanischen Fabrik scheint praktisch, weil neben dem Vorzug grösserer Billigkeit eine gute Ausführung nicht in Abrede gestellt werden kann. Da Leistendächer mit einfach über die Aufkantungen der Tafeln geschobenen Deckkappen dicht halten, so muss (D. Dachdecker-Ztg.) dies der Fall auch bei einfachem, um die Aufkantung der einen Tafel gelegten Falz sein. Es handelt sich also im Wesentlichen nur um die Befestigung der einfach übergefalzten Seite der Blechtafel am Dach. Diese Aufgabe hat die Col. Roofing Co. in Canton, O., auf einfachste Weise gelöst. Anstatt wie beim Doppelfalz die schmale Aufkantung durch die auf das Dach genagelten Haften festzuhalten, geschieht dies hier umgekehrt. Hier werden die Haften an die hohe Aufkantung angedrückt und festgenagelt, die Befestigung aber nicht durch Ueberbiegen der Haften bewerkstelligt, sondern durch Lochung. Mittels einer geeigneten Lochzange mit langen Schenkeln, ähnlich unseren Deckzangen, wird durch einen spitzen Dorn derart ein Loch durch die Aufkantung und den Haft gedrückt, dass sich ähnlich wie bei Reibeisenlöchern vorstehende Spitzen bilden, welche dann umgelegt werden, also eine einfache Art Nietverbindung bilden, so dass eine feste, nur durch Gewalt lösbare Verbindung beider herbeigeführt wird; nach dem Umlegen der hohen Aufkantung über die niedere wird diese ebenfalls festgehalten. Die entstandene Oeffnung kann nicht schädlich wirken, da hinter derselben sich die Aufkantung befindet. Was die Art der Eindeckung betrifft, so sei noch bemerkt, dass dort nicht einzelne Blechtafeln, sondern lange, aufgerollte Bleche von 17 m Länge und 70 cm Breite verwendet werden, zu deren Bearbeitung und Legung drei Arbeiter erforderlich sind, und zwar ein Mann, welcher mittels der Deckzange die Kanten der Bleche aufbiegt, ein zweiter, der die Haften mit der Kante verbindet, während ein dritter dieselbe umlegt und die Naht fertigstellt. Die Bleche werden vor dem Verlegen auf beiden Seiten sorgfältig gestrichen.