Text-Bild-Ansicht Band 313

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Zahl der Gruben
im Betrieb
Goldausbeute
in kg
1. Gruppe des Oberen Amúr
2. Sejagruppe
3. Selimdjagruppe
4. Nimangruppe
5. Chingangruppe
11
92
11
11
9
394,76
3972,15
481,57
1318,60
540,53
Zusammen 134 6707,61

Die Arbeitsmethode auf den Goldgruben des Amúrkreises ist noch recht verbesserungsbedürftig. Aus den offenen Schürfen wird der goldhaltige Sand in zweiräderigen Wagen und Schiebkarren nach den Waschapparaten geschafft, die durch Wasserkraft, seltener durch Dampf kraft in Bewegung gesetzt werden. Die Goldindustriegesellschaft am oberen Amúr (1896 beschäftigte sie 920 Arbeiter) pflegt ihre Arbeiter durch Agenten in der Stadt Werchne Udinsk gegen einen Monatslohn von 30 bis 70 Rubel (etwa 65 bis 150 M.) anzuwerben, die übrigen Gesellschaften mieten ihre Arbeiter in Blagowetschensk oder an anderen Orten. Die Beförderung der Arbeiter nach den Goldgruben geschieht gewöhnlich auf Rechnung der Unternehmer, während die Kosten der Heimreise in den meisten Fällen von den Arbeitern selbst bestritten werden müssen. Eine Reise nach den Goldgruben ist verhältnismässig teuer, weil nur auf wenigen Flüssen Dampfschiffe verkehren und in den meisten Fällen die Leute einige Hundert Kilometer auf Kähnen, teils zu Pferde durch den Urwald und auf schlechten Wegen befördert werden müssen. Im Winter ist dagegen eine Reise leichter und billiger zu bewerkstelligen. Häufig entfernen sich die Arbeiter während der vertragsmässigen Arbeitszeit eigenmächtig und suchen auf verlassenen oder teilweise ausgearbeiteten Lagerstätten in räuberischer Weise nach Gold. Wie häufig diese Erscheinung einzutreten pflegt, geht aus der Angabe hervor, dass im Jahre 1896 auf den Gruben der oberen Amúr-Goldindustriegesellschaft 105 Arbeiter, und auf den Gruben am Nimanfluss 32 Arbeiter sich heimlich entfernten. 1896 betrug der Arbeitslohn in den Gruben mit Schachtbetrieb 30 bis 75 Rubel (etwa 65 bis 162 M.), in den offenen Gruben 18 bis 45 Rubel (etwa 39 bis 97 M.) im Monat. Solotnikarbeiter erhielten 2 Rubel 17 Kopeken bis 3 Rubel 17 Kopeken (etwa 4 M. 70 Pf. bis 6 M. 85 Pf.) für 1 Solotnik gewonnenes Gold.

Zum Bergwerksgebiet von Ost-Transbaikalien gehören die Kreise Nertschinsk, Tschita und Akscha. 1777 wurden hier die ersten Golderze entdeckt, ihres geringen Goldgehaltes wegen aber noch nicht abgebaut. 1832 begann der Goldbergbau auf den im Privatbesitz des Kaisers befindlichen Gruben und 1865 wurde auch Privatpersonen der Goldbergbau im Kreise Nertschinsk gestattet. Adergold wird nur in den Kreisen Tschita und Akscha in geringen Mengen gewonnen.

Zum Bergwerksgebiet von West-Transbaikalien gehören die Kreise Bargusinsk, Troitzkossawsk und Werchne Udinsk. Erstere liegen an den Zuflüssen des oberen Witim, letztere an den Nebenflüssen des Tschika (auch Dschida), der sich in die Selenga ergiesst.

Das Bergwerksgebiet der Lena wird durch die Ausläufer des Jablonoigebirges durchzogen und von den Flüssen Lena, Witim und Olekma begrenzt. Ein Bergrücken teilt das Gebiet in die Flusssysteme des Witim und der Olekma. Auf dem Witim verkehren Dampfer einige Hundert Kilometer stromaufwärts bis zur Mündung des Bodaibo, wo die ersten Goldgruben angetroffen werden, die miteinander durch Wege verbunden sind. Die Goldgruben der Olekma liegen dagegen von der Zentralstelle der Lena ziemlich weit entfernt und können im Sommer nur auf schlechten Landwegen, im Winter auf dem Eise der Flüsse erreicht werden. Der goldhaltige Sand des Olekma-Witimschen Systems liegt oft in zwei bis drei Schichten übereinander; die Mächtigkeit der Schichten wechselt zwischen 0,6 bis 4,5 m, stellenweise trifft man ewig gefrorenen Boden mit Schachtbetrieb bis 42 m Tiefe. Das Gold zeichnet sich im allgemeinen durch Grobkörnigkeit aus, auch findet man Goldklumpen mit regelmässig ausgebildeten Goldkrystallen.

Im Olekminskschen System arbeiteten
1895/96 auf 68 Gruben 1437 Mann
Im Witimschen System arbeiteten
1895/96 33 2098
––––––––––––––––––––––––––––––
Zusammen auf 101 Gruben 3535 Mann

Der mittlere Goldgehalt im Olekminskschen System beträgt 2,5 bis 4,5 g, im Witimschen System 7,8 bis 12,25 g auf 1 t Sand.

Die plötzliche Abnahme der Goldausbeute im Lena-Bergwerksgebiet bezw. in den Gruben des Olekma-Witimschen Systems im Jahre 1896 wird durch den Eisenbahnbau, der in letzter Zeit zahlreiche Arbeiter anlockte, und durch die Betriebseinstellung eines grösseren Unternehmers erklärt.

Zum Bergwerksgebiet der Lena gehört auch der Kreis Kirensk des Gouvernements Irkutsk mit geringem Goldgehalt und unbedeutender Goldausbeute.

Das Bergwerksgebiet der Birjussa umfasst die Kreise Nishne Udinsk, Wercholensk und Irkutsk und gehörte einst zu den reichsten Ostsibiriens. Durch Erschöpfung der Lager ist die Ausbeute in den letzten Jahren stark gesunken.

Der Anteil Sibiriens an der Gesamtgoldausbeute Russlands geht aus der folgenden Tabelle hervor.


Jahr
Gesamt-
goldausbeute Russ-
lands in kg

Davon entfielen
auf Sibirien in kg

In Prozenten der
Gesammtausbeute
1892 42997,50 30660,13 71,3
1893 44864,80 32786,21 73,1
1894 42932,00 32278,43 75,2
1895 41097,40 31361,12 76,3
1896 37133,50 27580,63 74,3

Die Stufenbahn auf der Pariser Weltausstellung 1900 und ihre Vorläufer.

Unter den jüngeren, zur Bewältigung der Personen-Massenbeförderung innerhalb beschränkter Gebiete, namentlich auf Ausstellungen in Versuch gekommenen Verkehrsmitteln ist die sogen. Stufenbahn (vgl. D. p. J. 1891 281 143) in vieler Hinsicht die interessanteste. Der Betrieb dieser Bahnen gilt als besonders sicher, indem sowohl der Fahrweg als die die Sitzplätze tragenden Fahrzeuge ein ununterbrochenes, in sich zurückkehrendes Ganzes bilden, und sonach nirgends durch Weichen oder Kreuzungen unterbrochen werden oder Hindernisse im Geleise vorfinden können. Alle auf diese Einrichtungen und Möglichkeiten zurückzuführenden Unfälle, wie beispielsweise Zugsstreifungen, Zusammenstösse und Entgleisungen sind also von vorhinein hintangehalten. Da ferner die Schienen, Räder und Antriebsvorrichtungen durch Verschalungen vollkommen abgeschlossen sind, so entfallen auch alle diesfälligen Gefährdungen und selbst das Ausgleiten einer Person auf einer der Plattformen der Bahn kann keine grösseren Nachteile nach sich ziehen als auf dem Erdboden. Für die Fahrgäste liegt ein besonderer Vorteil in der gleichmässigen, vollständig stossfreien Geschwindigkeit der Fahrzeuge, welche keinerlei Bremsvorrichtungen erfordern und für das Kommen und Gehen der Fahrgäste ihren Lauf nicht erst zu massigen brauchen. Die letzteren können vielmehr von jedem beliebigen Punkte der Strasse aus die Sitzplätze der Bahn mit wenigen Schritten erreichen oder verlassen, ohne dass zu diesem Behufe das sonstige, so zeitraubende Anhalten erforderlich ist. Mit dieser Bequemlichkeit verbindet sich noch eine Leistungsfähigkeit, welche die grössten Anforderungen übertrifft, die an irgend ein Verkehrsmittel ähnlicher Art bisher gestellt worden sind. Wenn die Fahrgeschwindigkeit der wie die Glieder einer Kette ohne Ende aneinander gereihten Fahrzeuge einer Stufenbahn nur 9,6 km/Std. beträgt, wie es bei den bisherigen praktischen Ausführungen immer der Fall gewesen ist, und auf je 3,65 m Bahnlänge 12 Sitzplatze