Text-Bild-Ansicht Band 313

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Es ist eine allgemein beobachtete Thatsache, dass in einzelnen Räumen sich bei mangelnder Lüftung ein Modergeruch einstellt, dass an der Wand die Tapete feucht ist und nicht fest anhaftet, der Anstrich zerstört wird oder der Holzfussboden in wenigen Jahren anfault. Es rührt dieses von Feuchtigkeit her, welche entweder vom Erdreich oder von ausserhalb in die Mauern und Böden eindringt, diese durchnässt und zu den oben erwähnten Uebelständen Veranlassung gibt. Die weitere Folge dieser Feuchtigkeit ist die Bildung von Mauer- bezw. Holzschwamm und sonstigen Pilzen, welche sowohl das Mauerwerk wie das Holz rasch zerstören. Der Aufenthalt in feuchten Räumen ist bekanntlich dem Organismus ungemein schädlich. Die mikroskopisch kleinen Pilzsporen, welche, unsichtbar in der Luft schwebend, den Raum anfüllen, verursachen in den Atmungs- und Verdauungsorganen die schlimmsten Krankheiten; auch verderben die in solchen feuchten Räumen lagernden Nahrungsmittel in kürzester Zeit. Man behalf sich bisher damit, die Wände mit undurchlässigen Bekleidungen als Pappe-, Zinkblech-, Cement- oder Asphaltbewurf zu versehen, die Fussböden auf Schlackeunterlage herzurichten oder mit einem desinfizierenden Anstrich zu versehen. Alle diese Anordnungen erfüllten keineswegs den beabsichtigten Zweck, sie trugen vielmehr teilweise dazu bei, das Werk der Zerstörung zu beschleunigen, weil die Ausdünstung gehindert wurde, die Feuchtigkeit überhand nahm und die bislang noch nicht infizierten Mauer- und Fussbodenteile ergriff. Wenngleich in fast allen Gewerben mit bestem Erfolge der natürliche atmosphärische Luftstrom als Mittel zum Trocknen nasser Gegenstände Anwendung findet, so wird im Baufach dieser elementare Grundsatz selten verwertet, trotzdem es auf der Hand liegt, dass die relativ trockene atmosphärische Luft mit genügender Schnelligkeit an der feuchten Mauer vorbeigeführt oder unter dem Fussboden durchgeführt, diesen die Feuchtigkeit entzieht, abgesehen davon, dass eine Luftströmung bekanntlich das sicherste Tödtungsmittel gegen fäulniserregende Pilze, besonders gegen den mit Recht so gefürchteten Hausschwamm (Merulius lacrimans) ist. Diese eigentlich so nahe liegende Idee hat dem Baumeister Fischer Veranlassung gegeben, eine Falzbaupappe (D. R. P. Nr. 72880 und D. R. G. M. Nr. 15081), genannt „Kosmos“, herzustellen, welche aus vorzüglicher Asphaltpappe falzartig gepresst ist, gegen die nasse Wand angeheftet wird und zwischen sich und der Mauerfläche ein System senkrecht aufsteigender Kanalchen bildet, welche eine natürliche automatische Luftströmung entlang der Mauerfläche hervorrufen und dieser infolge der steten Lufterneuerung beständig Feuchtigkeit entziehen. Messungen haben ergeben, dass die am Fussboden durch geeignete Anordnung der Fussleiste dort eintretende ziemlich trockene Luft bei ihrem Austritt unter der Decke einen ganz bedeutenden Feuchtigkeitsgehalt hatte. Der Luft wird der Zutritt zu den zwischen Falzpappe und Mauerfläche befindlichen senkrechten Kanälchen durch entsprechende Anordnung der Fussleiste angewiesen, die unter der Decke befindliche wärmere Luft wirkt saugend, zieht den Luftstrom in den Kanälchen in die Höhe, welcher dort, nachdem er der Mauer einen Teil der Feuchtigkeit entnommen, unter der Decke austritt oder in einen in der Nähe befindlichen Rauchzug abgeführt wird. Durch gegenüber liegende Anordnung der Ventilationsfassleisten wird der Luftstrom auch unter den Fussboden geführt und vollführt dort die gleiche Austrocknung und Tötung des Mauer- und Holzschwammes. Die Falzbaupappe erhält nach Aufbringung auf die Wand einen gewöhnlichen Wand-Gips oder Cementputz, welcher einschliesslich der Falzpappe nicht dicker ist, als der vorher entfernte nasse Wandputz. Eine Verkleinerung des Raumes mit nachfolgender Aenderung der Deckenleiste findet daher nicht statt. Die Ausführung der Trockenlegung geschieht in kurzer Zeit und ohne nennenswerte Beeinschränkung. Der Verputz lässt sich infolge der eigenartigen Anordnung der Falzbaupappe leicht und fest anbringen. Der auf der Falzpappe angebrachte Verputz trocknet in kurzer Zeit, da er von der Feuchtigkeit der Wand durch die vollkommen wasserdicht asphaltierte Falzpappe getrennt ist, also nur die dünne Putzschicht allein zu trocknen braucht. Im allgemeinen können deshalb schon nach wenigen Tagen Tapeten aufgeklebt werden.

Der II. internationale Acetylenkongress in Budapest (20. bis 24. Mai).

Der II. internationale Acetylenkongress in Budapest erfreute sich einer ausserordentlich starken Beteiligung. Es wurden 18 Vorträge gehalten und mehrere kürzere Referate erstattet, einige Vorträge konnten nicht mehr gehalten werden, da hierfür die Zeit ermangelte. Sowohl die Vortragenden, als auch die sonstigen Teilnehmer des Kongresses waren aus fast allen Ländern Europas herbei geeilt und es befanden sich unter diesen, eine neue Industrie tragenden Gelehrten und Praktikern, Namen von hervorragendem Ruf. Zahlreiche staatliche und städtische Behörden hatten offiziell Vertreter entsandt, um die Acetylenfrage zu studieren. Das Ehrenpräsidium übernahm der ungarische Handelsminister, während als Tagespräsidenten die Herren Hofrat Dieterich-Dresden, Dr. v. Wagner-Budapest, Prof. Dr. V. Lewes-London, Kieffer-Paris und Leffler-Stockholm gewählt wurden.

Vor Beginn der Vorträge wurde Paris als Ort des nächsten Kongresses bestimmt, woselbst in Verbindung mit demselben und der Weltausstellung eine Acetylenausstellung abgehalten wird, zu der bereits 200 Anmeldungen vorliegen.

Ueber den ersten Vortrag des Kongresses, den Direktor Berdenich-Budapest über die Ausstellung hielt, haben wir bereits berichtet. Hieran schloss sich ein Vortrag von G. Gin-Paris über die Bildung und Aufspeicherung der natürlichen Energie. Die Urheberin aller auf der Erde aufgespeicherten Energie ist die Sonne. Unter ihren Strahlen schmelzen die Gletscher und bilden Giessbäche und Bergströme, die wiederum unter der Einwirkung der Sonnenhitze teilweise verdunsten. Der aufsteigende Wasserdampf kondensiert in den kälteren Luftschichten und fällt in Form von Regen wieder auf die Erde, woselbst er sich entweder direkt oder durch Einsickerung von neuem mit den Wasserläufen verbindet. Der Vortragende wies schliesslich auf die Bedeutung der Wasserkräfte für die Calciumkarbidfabrikation hin.

Den zweiten Kongresstag eröffnete F. Liebetanz-Düsseldorf mit einem Vortrag über die Herstellungskosten von 1000 kg Calciumkarbid bei verschiedenen Betriebskräften. Er wies rechnerisch und unter Anführung von Beispielen aus der Praxis nach, dass es unberechtigt ist, über die Benutzung der Dampf kraft für Karbidfabrikation ohne weiteres den Stab zu brechen, wie es vielfach geschieht. Wohl stehen Wasserkräfte auch hier hinsichtlich ihrer Rentabilität obenan, aber wenn man die Thatsache in Betracht zieht, dass häufig billige Wasserkräfte weit ab vom Verkehr liegen und die Acetylenbeleuchtung sich gerade dort vorwiegend verbreitet, wo solche Wasserkräfte ermangeln, so liegt es auf der Hand, dass auch Dampfkarbidwerke im Zentrum oder in der Nähe von Acetylenbeleuchtungsanlagen rentieren können. Den bereits bestehenden Dampfkarbidwerken werden unaufhaltsam weitere folgen. Auch die Vereinigung kleiner Wasserkräfte mit Dampf kraft empfiehlt der Vortragende. Die Herstellungskosten für 1000 kg Karbid, mittels Wasserkraft erzeugt, berechnet Redner mit 178 M., mittels Dampf kraft hergestellt auf 234 M., durch Flussläufe mit niederem Gefälle (System v. d. Heydt) gewonnen auf 195 M. Hat ein Dampfkarbidwerk keine hohen Frachten zu tragen und liegen die Wasserkarbidwerke weit entfernt, so kann ersteres mit dem letzteren konkurrieren, wie die Praxis beweist. Für die Hochofengase bedeutet die Karbidindustrie eine höchst rentable Verwertung. Das erste mit solchen Abgasen betriebene Karbidwerk ist bereits im vollen Betrieb und wird in kurzem bedeutend erweitert.