Text-Bild-Ansicht Band 316

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ein umsteuerbarer Hauptstrommotor von 26 PS, der 115 Touren macht und, wie oben erwähnt, mittels Wellenleitung, Kegelräder- und Schneckengetrieben die Bewegung auf die 4 inneren Laufradböcke überträgt; die Uebersetzung ist 1 : 7,5. Der Motor hat seinen Platz auf der Galerie der Laufkatzenträger.

Die Hubbewegung bewirken 2 auf der Laufkatze nebeneinander montierte Motoren von je 18 PS, die mit 450 Touren pro Minute umlaufen und bei einer, durch Stirnräder und Schneckengetriebe bewirkten Uebersetzung von 1: 88 eine Hubgeschwindigkeit von 0,04 m/Sek. hervorbringen.

Für den Querlauf ist ein Motor von 8 PS vorhanden, der sich auf der Laufkatze zwischen den beiden Hubwerksmotoren befindet und in der Minute 500 Touren macht; die durch Stirnräder und Schneckengetriebe bewirkte Uebersetzung ist 1 : 43,4.

Der Strom wird dem Krane durch eine längs der Halle hinlaufende Kontaktschiene zugeführt; die Hubwerksmotoren und der Querlaufsmotor bekommen den Strom durch die, zwischen den Laufkatzenträgern liegenden, Kontaktleitungen. Die Steuerung der Motoren erfolgt unter Benutzung von Graphitwiderständen.

Die Längslaufgeschwindigkeit ist 0,5 m/Sek.; die Hubbewegung hat eine Geschwindigkeit von 0,04 m/Sek. bei belastetem Haken und von 0,06 m/Sek. bei leerem Haken; die sekundliche Geschwindigkeit des Querlaufes ist 0,3 m.

Infolge des bedeutend geringeren Gewichtes ist der Reibungswiderstand beim Längslauf wesentlich geringer als bei Leblanc, nämlich nur 1,75 t; ebenso ist der Massenwiderstand nur 2,875 t, bezogen auf 0,5 m Anlaufweg. Und dabei ist die Längslaufgeschwindigkeit fast doppelt so gross, als bei Leblanc (nämlich 0,5 m Sek. gegen 0,3 m/Sek-).

Stellen wir nun zum Schluss beide Krankonstruktionen einander gegenüber, so ergibt sich folgendes:

Leblanc's Kran ist als Turmkran mit frei auskragendem Kranbalken ausgeführt und das Krangerüst in vollwandigen Kastenträgern, der Kranbalken als gegitterter Kastenträger ausgebildet;– Flohr's Kran ist als Bockkran konstruiert und als ein Dreigelenkträger in leichtem Gitterwerk durchgeführt.

Leblanc's Kran macht einen schwerfälligen plumpen Eindruck; – Flohr's Kran sieht leicht und beweglich aus.

Leblanc's Kran wiegt rund 130 t; – Flohr's Kran wiegt 90 t.

Bei Leblanc wird der Kranbalken durch ein Moment von 225 mt beansprucht; – bei Flohr ist das Moment 156 mt.

Bei Leblanc ist der Höchstdruck auf seine Kranseite 100 t; – bei Flohr ist derselbe 80 t.

Bei Leblanc ist der Höchstdruck auf jedes der Laufräder und die Schiene 12,5 t; – bei Flohr ist der Druck 5 t.

Bei Leblanc müssen besonders schwere Schienen verwendet werden; – bei Flohr genügen Schienen gewöhnlichen Profiles.

Bei Leblanc genügt die Reibung für die Bewegung nicht und müssen daher die Schienen als Sprossenzahnstangen ausgebildet werden; – bei Flohr reicht die Reibung zur Bewegung aus und genügt zur Bewegung der Antrieb der Hälfte der Laufräder; Sprossenzahnstangen sind bei Flohr nicht vorhanden.

Bei Leblanc ist der Reibungswiderstand beim Längslauf 2,5 t; – bei Flohr ist er 1,75 t.

Bei Leblanc ist der Massenwiderstand 3,1 t; – bei Flohr ist derselbe 2,875 t.

Leblanc's Kran hat bei Belastung eine Maximalgeschwindigkeit von rund 0,3 m/Sek. für den Längslauf, von 0,2 m/Sek. für den Querlauf und von 0,035 m/Sek. für die Hubbewegung; – der Flohr'sche belastete Kran hat eine Maximalgeschwindigkeit von 0,5 m/Sek. für den Längslauf, von 0,3 m/Sek. für den Querlauf und von 0,04 m/Sek. für den Hub.

Leblanc's Kran macht 4 Bewegungen: Heben, Drehen, Längslauf und Querlauf; – Flohr's Kran hat nur 3 Bewegungen: Heben, Längslauf und Querlauf, manöveriert also rascher. Ganz besonders aber kommen die schweren Konstruktionen und der Ballast, wie sie die Drehbewegung verlangt, in Fortfall.

Es unterliegt nach dieser Zusammenstellung wohl keinem Zweifel, dass die Lösung der Aufgabe durch die Firma Flohr die geschicktere und in jeder Beziehung vorteilhaftere ist.

Neue Packung für hohen Wasserdruck.

Von R. M. Daelen, Düsseldorf.

In meinem Berichte Die Presse mit hohem Wasserdruck im Eisenhüttenbetriebe in Stahl und Eisen, Nr. 4, 1892, habe ich der Ansicht Ausdruck gegeben, dass dieselbe den stets wachsenden Anforderungen an die Uebertragung der Naturkräfte zum Bewegen und namentlich zum Bearbeiten der Metalle entsprechend entwickelt, und nicht etwa durch andere, z.B. die elektrischen Einrichtungen, verdrängt werden konnte, wie solches jetzt teilweise den Niederdruckpressen widerfährt, weil nämlich das Hochdruckwasser zur Erzeugung von so grossen Druckwirkungen angewendet wird, dass diejenigen Mechanismen, welche meistens zur Uebertragung der elektrischen Kraft dienen, nicht mehr in Frage kommen können.

Der Bau von vielen grossen Pressen bis zu 15000 t Druck hat seit der Zeit mancherlei Gelegenheit zur Sammlung von Erfahrungen und zur Anwendung von Neuerungen gegeben, indessen ist die damals bezeichnete Grenze für die Pressung des Druckwassers von 500 kg im praktischen Betriebe nur ausnahmsweise überschritten worden, obgleich sich dort ergeben hat, dass die Dichtigkeit des Stahls, aus welchem die Cylinder und Kolben bestehen, für 1500 kg und darüber ausreichend und es behufs Verminderung der Durchmesser derselben sehr wünschenswert ist, auf einen so hohen Druck übergehen zu können. Die Ursache dafür, dass dieses bis jetzt nicht allgemein geschehen ist, liegt darin, dass man für die Abdichtung zwischen Kolben und Cylinderwand noch immer auf den Lederstulp angewiesen ist, vermittelst dessen zwar ein genügender Abschluss auch bei dem höchsten Druck zu erzielen ist, dessen Nebeneigenschaften aber höchst unvorteilhafte sind.

Zunächst ist die Grenze des Durchmessers eines geschlossenen Stulpenringes durch die Grosse der Ochsenhaut mit etwa 1200 mm gegeben, so dass der Bruttodruck 5650 t beträgt, und mithin ein Cylinder für die grossen Pressen nicht genügt, vielmehr für Schmiedepressen bis zu drei genommen werden müssen, was für deren Einrichtung nicht unbedingt günstig ist.

Der grösste Uebelstand besteht aber in der zerstörenden Wirkung der Reibung auf das Leder und namentlich auf die Metall flächen, denn unter dem hohen Druck und in Gegenwart des Wassers haftet kein Schmiermittel und wirkt in Verbindung mit demselben bei der geringsten Undichtigkeit störend auf den Betrieb, so dass immer reines Wasser vorgezogen wird. Die geriebenen Wände von Cylinder oder Kolben verlieren sehr baldihre ursprüngliche Glätte und unterliegen dann einer stetig fortschreitenden Abnutzung, während die oft durch das Wasser mitgeführten Unreinigkeiten in den meisten Fällen rapide zerstörend wirken.

Es ist klar, dass hiergegen nur durch eine Einrichtung des abdichtenden Mittels Abhilfe zu schaffen ist, nach welcher dasselbe nicht, wie bisher, fortschreitend an die feststehende Metallwand angedrückt wird oder umgekehrt, sondern sich in dem Masse an dieselbe anschmiegt, als der bewegte Teil Raum gibt, so dass sie nicht einer reibenden Bewegung ausgesetzt ist, sondern ein Abwickeln der Packung auf die Cylinderwand oder die Kolbenoberfläche erfolgt.

Zu dem Zwecke werden die Voraussetzungen, unter welchen bisher das Packungsmaterial angewendet wurde, dahin abgeändert, dass dieses bei der Bewegung der abzudichtenden Teile selbst nur solche Bewegungen macht, welche nur eine Abdichtung, aber keine Reibung zur Folge haben. Das elastische Packungsmaterial, z.B. Gummi, wird nämlich derart im Druckcylinder angebracht, dass es den Hohlraum, welcher der Bewegung des Kolbens entspricht, stets ausfüllt und dient daher ausserdem noch zur Druckübertragung, welche durch Deformieren des Packungsmaterials ermöglicht ist. Zwischen dem elastischen Packungsmaterial und der Cylinderwandung finden alsdann nur solche Bewegungen statt, welche keine Reibung, sondern nur eine Abwickelung des Packungsmaterials auf der Cylinderwand zur Folge haben.

Dieses Prinzip der Uebertragung des Druckes durch das Packungsmaterial auf den Arbeitskolben kann in verschiedener Weise angewendet werden. Entweder wird das Packungsmaterial als hohler Körper, z.B. als Gummisack, ausgebildet, in dessen Innenraum das Druckmittel, z.B. Druckwasser, eingeführt wird, oder das Packungsmaterial hat die Form einer Mulde, in deren Höhlung das Druckwasser eintritt und deren Rand infolge der Stulpwirkung oben stehen bleibt. Diese Anordnung ermöglicht zugleich eine Druckübertragung ohne Anwendung eines in den Cylinder eingeführten flüssigen oder gasförmigen Mediums, lediglich durch den elastischen Körper selbst. Infolgedessen kann der Druck auch unter Druckübersetzung durch den elastischen Körper selbst übertragen werden.

Schliesslich kann dasselbe Prinzip der Druckübertragung auch an Stelle der Patrizen in Formgebungspressen Anwendung finden.