Text-Bild-Ansicht Band 316

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eingefahren ist, und bei diesem Läuten so lange zu verharren, bis der Zug das Geleise wieder verlassen hat. Dass die Anordnung aber gerade für Ueberwegläutewerkseinrichtungen mit einseitig ansprechenden Streckenkontakten – etwa unter Verwendung der erprobten Hattemer-schen Taster (vgl. D. p. J. 1894 294 * 184) – vorzüglich geeignet erscheint, zeigt gleich der erste Blick auf das einfache Stromlaufschema.

Mit Rücksicht auf die urwüchsige, einfache Einrichtung des Schaltrelais, das sich ganz leicht und wohlgeschützt in den Läutewerkskasten einbauen lässt, liegt ein Bedürfnis, dasselbe in die Station zu verlegen, wohl kaum vor, immerhin wird es jedoch wünschenswert bleiben, die Batterien in die Station zu versetzen und dort ein Kontrollwerk aufzustellen, mit dessen Hilfe das Arbeiten der Ueberwegläutewerke genau verfolgt werden kann. Dies gilt natürlich ganz im besonderen, wenn auf einer Strecke mehrere mit Annäherungssignalen versehene Bahnüberwege vorhanden sind, in welchem Falle dann die Anlage zweckmässig im Sinne der Fig. 6 ausgeführt wird. Für die Batterieanschlüsse sind zwei durchlaufende Leitungen L1 und L2 erforderlich; das Zusammenwirken der Teile ist an der Hand der Zeichnung leicht zu verfolgen: Führe z.B. ein Zug gegen die Station, so schliesst er beim Passieren von s1 den Strom der Batterie b1 über x, L2, x2, r2,i2, i1, l1, s1, u1, e1, e, i und k; demzufolge verbindet das Relais die Stromwege n2m2 und p2q2. Ein Abreissen des Relaisankers kann nun nicht mehr erfolgen, weil b1 über x, L2, x2, r2, i2, n2, m2, u3, i3, e3, e, i und k dauernd geschlossen ist; zugleich läutet w2 infolge des von b2 über y, L1, y2, p2, q2, w2, i3, e3, e, i, w verlaufenden Stromes. Dieser Zustand währt so lange, bis der Zug beim Bahnüberweg II über u3 fahrend den herrschenden Relaisstrom unterbricht, wodurch auch die Kontakte m2n2 und p2q2 wieder aufhören. Die Befahrung des Stromschliessers s2 wird aus den schon früher wiederholt in Betracht gezogenen Gründen durch die vorausgehende Bethätigung des Unterbrechers u2 wirkungslos. In gleicher Weise vollziehen sich die Vorgänge auch wieder beim nächsten Ueberweg I und übereinstimmend – nur in verkehrter Reihenfolge – werden sie sich abwickeln, wenn ein Zug aus entgegengesetzter Richtung die Strecke durchfährt. So oder so wird dabei jedes an den Ueberwegen erfolgende Läutesignal in der Station, wo es der Wecker w mitspielt, kontrolliert werden können. Das in Fig. 6 mit k bezeichnete Instrument, welches nebst dem Mitläutewecker w im Stationszimmer Platz zu finden hätte, ist als ein stehendes Galvanoskop gedacht, welches geeignet und mit den nötigen Anschlüssen versehen sein soll, um bequem als Linien- und Batterieprüfer zu dienen.

Elektrizitätswerk Beznau.

In der Nähe der Eisenbahnstation Turgi vereinigen sich die Flüsse Reuss und Limmat mit der Aare, welche, durch diese Zuflüsse wesentlich vergrössert, von da an, nach etwa 15 km langem und von der Natur mit vielem Gefälle bedachtem Laufe bei Waldshut den Rhein erreicht. Der obere, besonders gefällsreiche Teil dieses Flusslaufes ist es, der bei der Beznau gegenüber Böttstein zur Anlage eines grossen Elektrizitätswerkes benutzt wird.

Textabbildung Bd. 316, S. 143

1. Wasser- und Gefällsverhältnisse. Aus der Kartenskizze (Fig. 1) ist der etwa 1,20 km lange Kanal zu ersehen, an dessen unterem Ende sich das Turbinenhaus befindet. Das natürliche Gefälle, das dieser Kanal durch Abschneiden der Flussserpentine bei der Beznau nutzbar macht, wird wesentlich vermehrt durch den Einbau eines beweglichen Wehres, welches rechtwinklig zum Flusslaufe gelegen ist und ermöglicht, den Fluss so zu stauen, dass dessen natürliches Gefälle vom Zusammenfluss der Aare, Reuss und Limmat an, bis zu genanntem Wehre ebenfalls ausgenutzt werden kann. Die Stauung findet dort statt, wo der Fluss sein Bett zwischen zwei Felsbänken tief in die Geschiebe eingegraben hat, und ist daher die Stauung selbst bei den höchsten Wasserständen für das anstossende Kulturland ohne Nachteil. Das Stauwehr und die Einlaufschützen am Kanaleinlauf stehen auf demselben Felsuntergrund, aus welchem der Oberkanal ausgehoben ist.

Die Wassermenge der Aare ist auf der in Benutzung genommenen Strecke einerseits infolge der sehr verschiedenen Gestaltung und Beschaffenheit des in Frage kommenden fast ⅔ der Bodenfläche der Schweiz umfassenden Niederschlagsgebietes, andererseits durch die regulierende Einwirkung der vielen, die Flussläufe unterbrechenden Seen eine sehr regelmässige und es beträgt dieselbe im Minimum 165 cbm in der Sekunde. Dieser Wasserstand tritt jedoch gemäss der über eine lange Reihe von Jahren geführten Pegelbeobachtungen pro Jahr im Durchschnitt nur 8 Tage lang ein und führt der Fluss während der übrigen Zeit inden Wintermonaten mindestens 190 cbm, in den Sommermonaten gewöhnlich etwa 600 cbm in der Sekunde.

Der erlaubte Aufstau variiert je nach der Wassermenge, welche der Fluss führt, und es ergeben sich aus den durch Stauung und Kanalanlage resultierenden Nutzgefällen von 3,5 bis 5,7 m und den entsprechenden Wassermengen die Kraftleistungen von 8500 bis etwa 13000 PS, wobei das Minimum von 8500 PS nur etwa 8 Tage andauert, und die Kraftleistung im übrigen mindestens = 9500 PS beträgt.

2. Hydraulische Anlage. Ueber dieselbe ist bereits mitgeteilt, dass ein Wehr quer zur Flussrichtung eingebaut werde. Dieses Wehr erhält sechs Pfeiler im Flusse und ergeben diese mit den zwei Landpfeilern sieben Oeffnungen von je 15 m Breite, die mit starken eisernen Schleusen bei Niederwasser gänzlich, bei höheren Wasserständen teilweise abgeschlossen werden. Ebenso ist der Kanaleinlauf bei abgelassener Stauung durch eiserne Schützen abschliessbar. Der etwa 1,20 km lange Oberwasserkanal hat eine Sohlenbreite von 42 m, die Kanalbreite auf der Höhe des normalen Wasserspiegels beträgt etwa 60 m. In dieser Höhenlage sind die Böschungen gepflastert.

Das Maschinenhaus ist so nahe an den Fluss gerückt, dass man von einem eigentlichen Unterwasserkanal nicht sprechen kann. Das Turbinenhaus, dessen Unterbau mittels pneumatischem Gründungs verfahren tief in den festgelagerten Kiesgrund versenkt wird, erhält im Maschinensaal eine Länge von 100 und eine Breite von 12 m. Der Unterbau enthält elf Turbinenkammern für die je 1000 bis 1200 PS leistenden Hauptturbinen und zwei kleinere Kammern für die Erregerturbinen von je 450 PS. An das Turbinenbaus schliesst sich ein Schaltgebäude an, mit einer Bodenfläche von 12,3 × 18 m im Lichten, welches die sämtlichen Schalt- und Messapparate, Transformatoren und Hilfsapparate aufnimmt. Ein weiterer Anbau dient für eine kleine Werkstatt und Bureauräume.

Die Turbinen werden als Drei-Etagenradialturbinen mit