Text-Bild-Ansicht Band 316

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bei uns, nämlich 28 HK gegenüber den bei uns üblichen 16 HK des Leuchtgases im Schnittbrenner bei 150 l stündlichem Verbrauch. Sein spezifisches Gewicht ist 0,58 bis 0,6 und der Heizwert rund 6000 W.-E./cbm.

In England benutzt man zum Karburieren hauptsächlich sogen. Solaröl russischer Herkunft. – Bei uns karburiert man nur da, wo die vorhandenen Leuchtgasanstalten den Anforderungen nicht genügen und man schnell und einfach Hilfe schaffen will. Ausschliesslich karburiertes Wassergas zu verwenden, würde bei uns zu teuer sein. Dagegen ist mehrfach ein aus Leuchtgas und schwachbenzolkarburiertem Wassergas hergestelltes Mischgas in Gebrauch, z.B. in Königsberg.

Hinsichtlich der Zusammensetzung finden wir, dass das Wassergas einen sehr hohen CO-Gehalt hat, Generator- und Kraftgas nur etwa die Hälfte; bei Leuchtgas und Koksofengas tritt er dagegen bedeutend zurück. Da nun CO sehr giftig, dabei aber vollkommen geruchlos ist, so ist Wassergas von hoher Giftigkeit und sehr gefährlich und verlangt besondere Vorsichtsmassregeln, hauptsächlich wenn es zu Leuchtzwecken verwendet und durch Rohrleitungen in Wohnungen verteilt wird. Man muss daher für diesen Fall dem Wassergas stark riechende Substanzen zusetzen (Carbylamin, Acrole'in, Thiaceton u.s.w.), was bei dem noch- dazu weniger giftigen Leuchtgase wegen des starken Geruches desselben nicht nötig ist. In Fabriken und bei sorgfältiger Anlage kann man allerdings hiervon absehen. Bei Generatorgas und Kraftgas ist eine direkte Gefahr und daher eine besondere Vorsichtsmassregel nicht nötig, da die Verwendung dieser Gase nur auf Fabriken beschränkt ist. Ausserdem macht sich jede Undichtigkeit sofort durch Geruch bemerkbar.

Hinsichtlich der Explosionsgefahr ist Leuchtgas am gefährlichsten, indem es schon bei einem Gemisch von 9 (sogar schon 6) Teilen in 100 Teilen Luft explodiert; bei Wassergas explodiert ein Gemisch von 14 (oder 12) Teilen in 100 Teilen Luft; bei Generator- und Kraftgas ist die Gefahr noch geringer.

Betreffs der bei der Verbrennung entwickelten Hitze steht Wassergas mit etwa 2400 bis 2800° C. obenan, dann folgenLeuchtgas und Koksofengas mit 2300 bis 2400°, während Generatorgas und Kraftgas nur 1500 bis 2000° haben. Vorgewärmte Luft und Verbrennung unter Druck steigert natürlich die Hitzeentwickelung. – Infolge der grossen Hitze bei seiner Verbrennung eignet sich denn auch das Wassergas vorzüglich zur Glühlichtbeleuchtung, bei der es ja hauptsächlich auf die Flammentem-peratur ankommt; allerdings sind dabei noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.

Hinsichtlich des Heizwertes nehmen das Leuchtgas und das Koksofengas mit 4800 bis 5200 W.-E./cbm die erste Stelle ein; dann folgt Wassergas mit 2350 bis 2600 W.-E./cbm, Kraftgas mit 1200 bis 1400 W.-E./cbm und endlich Generatorgas mit 850 bis 1000 W.-E./cbm. Um also eine gleiche Heiz- und Kraftwirkung wie beim Leuchtgas zu bekommen, wird von den wärmeärmeren Gasen im angegebenen Verhältnis mehr gebraucht, als vom Leuchtgas.

Das spezifische Gewicht des Leuchtgases ist durchschnittlich 0,4, das des Wassergases 0,51, das des Kraftgases 0,85 und das des Generatorgases 1,0. Die wärmeärmeren Gase haben demnach zur Förderung gleicher Gasmengen bei gleichem Druck grössere Leitungsquerschnitte nötig. Will man aber die gleiche Wärmemenge mit ihnen erreichen, so müssen die Leitungen noch weiter sein, weil die wärmeärmeren Gase ja auch eine grössere Gasmenge verlangen.

Was endlich die Gestehungskosten bei den einzelnen Gasarten betrifft, so lassen sich darüber allgemein gültige Angaben kaum machen, weil die Kosten von den verschiedensten Umständen beeinflusst werden; es lassen sich daher auch keine allgemeinen Angaben darüber machen, was für die einzelnen Gasarten z.B. 1000 W.-E. oder 1 PS/Std kostet. So viel aber ist jedenfalls zweifellos, dass für Kraftzwecke, abgesehen von dem als Nebenprodukt fast kostenlos zur Verfügung stehenden Hochofengase, das Kraftgas vorläufig die vorteilhafteste Ausnutzung des Brennstoffes bietet, und dass für die Zukunft das Koksofengas, wenigstens für Betriebe grossen Umfangs, das wichtigste Gas für Krafterzeugung zu werden berufen scheint.

Kleinere Mitteilungen.

Russische Kriegsschiffbauten bei Beginn des Jahres 1901.

Nach Englands Auffassung existiert nur eine Marine erster Klasse – die britische. Neben ihr gibt es noch eine Grossmacht auf dem Wasser – Frankreich. – Um den dritten Platz kämpfen heiss Russland, Deutschland und die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Italien hat den Wettlauf, wohl mit seiner Finanzen wegen, aufgeben müssen, Japans Marine ist noch zu neu, was den grossen Aufschwung anbelangt, um auf diesen Platz zu reflektieren, und somit sind es nur zwei Staaten Europas, die in engeren Betrachtungskreis behufs Baukonkurrenz gezogen werden können: das Deutsche Reich und Russland. Es sei von vornherein darauf besonders hingewiesen, dass die Meinung, Russland zersplittere seine Seemacht wegen seiner grossen Flotte im Schwarzen Meere, heute – was Bauthätigkeit anbelangt – nicht mehr zutrifft. Die Sehwarze-Meer-Flotte hält man in Russland in ihrem gegenwärtigen Zustande, mit einem Kern von sieben fertigen Linienschiffen von 8500 bis 12428 t Wasserverdrängung, gestützt auf das sehr starke Sebastopol, für genügend, nicht etwa gegen die verrottete Flotte der Türkei, die überhaupt kaum bewegungsfähig zu machen ist, sondern gegen die Streitkräfte, welche England von seiner Flotte im Mittelmeer in das Schwarze Meer entsenden könnte, ohne seine Machtmittel dort in gefahrdrohender Weise zu schwächen. Es tauchte vor etwa drei Jahren die Meldung auf, Russland baue für die Schwarze-Meer-Flotte nur das Notwendigste, und man werde alle Mittel zur Vergrösserung der Baltischen Flotte aufwenden. In der That befindet sich im Schwarzen Meer gegenwärtig nur ein Schlachtschiff im Bau, „Knjaz Potemkin Tawritschewski“, der am 9. Oktober 1900 zu Nieolajew vom Stapel lief, woselbst am 27. September 1897 der Kiel gestreckt wurde. Es ist ein 12480 t (à 1000 kg) Wasser verdrängendes Schiff, Schwester der am 12. November 1893 ebendort abgelaufenen „Tri Swiatitelja“, in der mittleren Artillerie aber weit schwerer und moderner bestückt, wobei es interessant sein dürfte zu erfahren, dass in den Angaben nach dieser Richtung, wie bei russischen Flottennachrichten überhaupt, die Quellen weit auseinander gehen; so hier die beiden besten Deutschlands: Jahrbuch des Deutschen Flottenvereins 1901 und Marine-Almanach, Pola 1901. Ersteres sagt: „Tri Swiatitelja“ vier 30,5 cm, acht 15,2 cm, vier 12 cm Hinterlader nebst zehn 4,7 cm, zwanzig 3,7 cm Schnellladern. – Almanach führt an: vier 30,5 cm Hinterlader, acht 15 cm, vier 12,7 cm, zehn 4,7 cm, zwanzig 3,7 cm Schnelllader. – Noch auffallenderaber ist die Verschiedenheit bei „Knjaz Potemkin“. Jahrbuch gibt ihm vier 30,5 cm Hinterlader, sechzehn 15,2 cm, zehn 4,7 cm, vierzig 3,7 cm Schnelllader, fünf Torpedolancierrohre, Almanach dagegen vier 30,5 cm Hinterlader, sechzehn 20 cm, vier 12 cm, vierzehn 7,6 cm, sechs 4,7 cm Schnelllader, sechs Maschinengeschütze, fünf Torpedorohre.

Ausser diesem einen Panzer sind Ende 1900 nur noch zwei geschützte Kreuzer von 6250 t zu Nocolajew und Lazareff in Bau gelegt worden, da man die freiwillige Flotte, für die übrigens auch nur ein Schiff, die 12000 t grosse „Ssmolensk“, gebaut wird, nicht direkt zur Kriegsflotte zählen darf, obgleich sie unter Kriegsflagge fährt und den Marinebehörden untersteht. Die Schiffe sind gänzlich ungeschützt, fünf von ihnen aber laufen 18,5 Meilen in der Stunde (à 1852 m) und darüber. Im Jahre 1901 will man ausserdem zu Nicolajew ein Schlachtschiff von 13000 t in Angriff nehmen, das 118,9 m lang wird, 18 Meilen laufen soll und Maschinen von 17000 PS erhält.

Diese geringe Bauthätigkeit im Schwarzen Meer zeigen auch die Werften im Kaspisee, für dessen Flotte im Vorjahr der 430 t grosse Kreuzer „Astrabad“ ablief, und für welche ein 318 t grosser Transporter auf dem Helling liegt. In Ostasien hat bisher Wladywostock noch das Uebergewicht; vier Torpedoboote, „Nr. 208 bis 211“, nähern sich der Vollendung, während in Ochta „Nr. 212 und 213“ erstehen. Die Werftanlagen von Port Arthur sind vorläufig für Torpedobau vorgesehen, erhalten hölzerne Hellinge und zunächst werden auf ihnen zehn Torpedoboote zusammengesetzt, die in Sektionen von Europa dorthin transportiert werden, dann will man zum Bau von 20 weiteren Booten schreiten. So gering nach vorstehenden Angaben demnach die Bauten für die Marine Russlands ausserhalb der Baltischen Flotte thatsächlich sind, so scharf in die Augen springend zeigt sich das Bestreben Russlands, eine machtvolle Flotte schaffen zu wollen, die man allerdings mit dem Namen „Ostseeflotte“ nur deshalb bezeichnet, weil man keinen besseren hat, denn thatsächlich befinden sich, mit ganz geringen Ausnahmen, alle grossen, modernen, fertigen Schiffe der so benannten Flotte nicht in der Ostsee, sondern in Ostasien oder im Mittelmeer. Zu Anfang des Jahres 1901 befanden sich in der Ausrüstung an Schlachtschiffen: „Osslabja“, „Peresswjät“, abgelaufen 1898, „Pobäda“, abgelaufen 1900, Schwestern von 12670 t Deplacement. „Pobäda“ hat, auf Kosten der Stärke der Turmpanzer stärkeres Panzerdeck, sonst sind die Schiffe gleich. „Retwisan“, abgelaufen am 23. Oktober 1900 bei Cramp and Sons, Philadelphia,