Text-Bild-Ansicht Band 316

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Für einen Betrieb, der hohe Anforderungen an die Gleichförmigkeit des Ganges stellt, dürfte sich der grosse Eincylindermotor nicht eignen, da die Schwungmassen für einen Ungleichförmigkeitsgrad von 1/60 bis 1/70, wie er zur Erzeugung eines ruhigen elektrischen Lichts erforderlich ist, zu schwer ausfallen. Wiegt doch das Schwungrad des Gebläsemotors schon 33 t und bewirkt trotz dieses ungewöhnlichen Gewichts nur eine mässige Gleichförmigkeit. Wenn nun für hohe Gleichförmigkeit des Ganges ein Mehrcylinderviertaktmotor oder ein Zweitaktmotor einem grossen Eincylindermotor vorzuziehen ist, wie dies Direktor Münzel von der Gasmotorenfabrik Deutz auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute im Jahre 1899 (vgl. Stahl und Eisen) zahlenmässig nachgewiesen hat, so besitzt doch der grosse Eincylindermotor als Tandemgebläsemaschine unbestreitbare Vorzüge. Durch die Tandemanordnung wird die Maschine einfach und billig. Diesem Umstand ist es ohne Zweifel zu verdanken, dass sechsEincylindermotoren der genannten Bauart von der Société anonyme de Hauts-Fourneaux, Forges et Carbonnages in Differdingen (Luxemburg) bei Cockerill bestellt worden sind. Zwar ist es nicht zu leugnen, dass eine Betriebsstörung an dem einen grossen Cylinder den Ausfall von vollen 600 PS bedeutet, und dass zur Aufrechterhaltung des Hochofenbetriebs ein Ersatzmotor von 600 PS bereit stehen muss, was nicht der Fall ist, wenn die Gebläsearbeit auf mehrere kleine Maschineneinheiten verteilt wird. Wie sich der Motor in dieser Hinsicht bewährt, kann nur längere Betriebserfahrung lehren. Dass die belgischen Konstrukteure auf Betriebssicherheit ihrer Konstruktion mit grosser Sorgfalt bedacht gewesen sind, dürfte aus der oben gegebenen Beschreibung, besonders des Kolbens und der Zündvorrichtung, deutlich hervorgehen. Das Urteil der Fachleute, welche den Motor bei den Versuchen gesehen haben, ist ein sehr günstiges.

(Fortsetzung folgt.)

Die Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung.

Von Fr. Freytag, Chemnitz.

(Fortsetzung von S. 150 d. Bd.)

Die von der Firma Biérix, Leflaire, Nicolet und Cie. in Saint-Etienne (Loire) ausgestellte Tandemverbundmaschine mit Kondensation von normal 315 PSe diente zum direktenAntrieb einer 12poligen Gleichstromdynamo „Labour“ der Société d'Éclairage Electrique, die mit 130 minutlichen Umdrehungen eine Leistung von 185 Kilo-Watt für Strom von 240 Volt Spannung liefert.

Textabbildung Bd. 316, S. 171

– Die Hauptabmessungen der in Fig. 69 und 70 ersichtlichen Dampfmaschine sind folgende:

Durchmesser des Hochdruckcylinders 375 mm
„ „ Niederdruckcylinders 600 „
Gemeinsamer Kolbenhub 750 „
Admissionsspannung im Hochdruckcylinder 10 kg/qcm
Dampfverbrauch bei 1/12 Füllung im Hoch-
druckcylinder für 1 PSe/Std

5 kg