Text-Bild-Ansicht Band 316

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Mitteln erreichbar und es steht in dieser Hinsicht den Luftmaschinen ein weites Feld offen. 30% Mehrarbeit ist beispielsweise schon bei Vorwärmung auf 250° möglich. (Die diesbezüglichen theoretischen Formeln und Begründungen hat Prof. Dr. J. Weyrauch in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure gegeben.)

In Verbindung mit Gasmaschinen kann die Explosionswärme unmittelbar der Druckluft zugeführt oder die durch die Mantelkühlung verlorene Wärme durch die Druckluft aufgenommen und ausgenutzt werden. Wenn hierfür die rechte Ausführungsform gefunden ist, kann nach wissenschaftlicher Erfahrung 1 PS mit einem Brennstoffaufwand von 300 bis 400 g erzeugt werden, d.h. der Hälfte dessen, was die besten Dampfmaschinen brauchen.“

Die von Riedler angedeutete Ausführungsform der Druckluftmaschine mit Vorwärmung dürfte durch die oben beschriebene Kombination der Dampfmaschine und der Druckluftmaschine mittels geschlossener Feuerung gegeben sein.

Nach Riedler's Angaben ist unter Voraussetzung einer Vorwärmung auf 250° das Verhältnis zwischen Kompressorarbeit (Ac) und Arbeit der Luftmaschine (Ae) bei

8 at: Ac : Ae = 1 : 1,34 34% Gewin
6 at: Ac : Ae = 1 : 1,39 39 „ „
4 at: Ac : Ae = 1 : 1,44 44 „ „

Die für den praktischen Maschinenbetrieb, durch die Benutzung erhöhter Vorwärmung, insbesondere durch doppelte Vorwärmung erreichbaren Grenzen sind in der nachstehenden Tabelle angegeben.

Luftverbrauch bei Compoundbetrieb mit doppelter Vorwärmung.


Vorwärm-
temperatur
Luftverbrauch
pro PSi und
Stunde

Wirkunsgrad =
° cbm
Mit Vorwärmung
pvk = konst. k = 1,41
200
300
9,5
7,8
η = 0,85
Mit Vorwärmung und
Einspritzung k = 1,2
1 kg Dampf
2 „ „


200
200


7,3
6,0


η = 0,90

Die letztere Heizungsart durch Dampfeinspritzung ist typisch für das Arbeiten der oben beschriebenen Maschine; letztere unterscheidet sich nur dadurch, dass nicht der Dampf in die Pressluft, sondern die hochgespannten Verbrennungsgase in den Dampfkessel eingeführt, das Wasser heizen und sich mit dem erzeugten Dampf mischen. Gearbeitet wird wie bei den beiden letzten Versuchsanordnungen ebenfalls mit einem Dampfluftgemisch, dessen Temperatur nur etwas höher, etwa 300 bis 400° C. gewählt wird.

Hieraus kann man auf Grund der angeführten Versuche ohne weiteres mit Sicherheit auf einen wirtschaftlichen Wirkungsgrad der Gesamtleistung von über 30% schliessen. Da augenblicklich Verhandlungen mit verschiedenen Grossindustriellen wegen Ausführung von derartigen Maschinen anlagen zur Ausnutzung der Hochofengase schweben, so dürften bald Versuchsergebnisse veröffentlicht werden können.

Kleinere Mitteilungen.

Ein auf deutscher Werft gebautes Kriegsschiff in der englischen Kriegsmarine.

Bis vor kurzer Zeit gab es eine ganze Anzahl von Schilfen, welche unter deutscher Kriegsflagge fuhren und britischen Werftetablissements entstammten. Dahin gehörten die Küstenverteidiger „Arminius“ und „Prinz Adalbert“, das Artillerieschulschiff „Renown“, die Jungensbriggs „Rover“ und „Musquito“, die Kadettenfregatte „Niobe“. Jetzt ist die Zahl der „Engländer“ in den deutschen Schiffslisten arg zusammengeschmolzen, und nur noch fünf Namen sind vorhanden, deren Träger von jenseits des Kanals stammen. Die Panzerkreuzer „König Wilhelm“, „Kaiser“ und „Deutschland“, das Wachtschiff „Kronprinz“ und das Divisionsboot „D 10“. Von diesen sind „Kaiser“ und „Deutschland“ eigentlich für die Türkei bestimmt gewesen, 1894 angekauft, „D 10“ wurde erst 1900 abgenommen, so dass britische Werften seit Beendigung des grossen Krieges auf deutsche Bestellung nur ein einziges Fahrzeug geliefert haben, dessen Abnahme sich noch dazu recht lange hinzog, weil es die kontraktlich geforderte Leistung von 27,5 Meilen Fahrt nicht erfüllen konnte. Das aus England stammende Stationsfahrzeug zu Konstantinopel „Loreley“ ist als Kriegsschiff nicht zu rechnen. Dass England jemals einer deutschen Werft einen Auftrag auf Kriegschiffbau geben könnte, würde jeder Stockbrite für den grössten Niedergang seiner Nation ansehen, und solch ein Auftrag ist auch thatsächlich nie ergangen. Nichtsdestoweniger aber führt ein auf deutscher Werft erbautes Fahrzeug den britischen Unionsjack, und zwar der Torpedobootzerstörer „Taku“, ein 280 t grosses, über 30 Meilen schnelles Schiff, armiert mit vier 4,7-cm-Schnellladern von Krupp und zwei Torpedolancierrohren für Bronzetorpedos der Fabrik Schwarzkopf, Berlin-Tegel.

„Taku“ lief im Jahre 1898 auf der Werft von F. Schichau in Elbing ab. Es ist die „Taku“ eine Eroberung Englands oder vielmehr eine Besetzung, denn sie lag ohne Dampf und ohne Bemannung da und wehrte sich nicht als man sie fortnahm. Das geschah gelegentlich der Eroberung der Takuforts an der Mündung des Pei-ho und da sich die verschiedenen Nationen in die an Schiffen gemachte Beute teilten, fiel England das in Deutschland gebaute Fahrzeug „Hai-Lung“ zu, das nun unter dem Namen „Taku“ als „genommenes“ Schiff die britische Flagge führt. Die ehemalige „Hai-Lung“ hat eine berühmte Vergangenheit hinter sich. Sie lief im September 1898 zwischen Pillau und Brüstenort bei der Probefahrt 35,2 Meilen in derStunde im Mittel1) und schlug mit dieser abnormen Leistungweit alle damals schwimmenden Seefahrzeuge einschliesslich der englischen „Turbinia“ mit Dampfturbinenmaschinen. Es waren vier solcher Fahrzeuge bei Schichau bestellt: „Hui-Nju“, „Hai-Hoa“, „Hai-Lung“, „Hai-Tsching“ (Ching). Alle wiesen vorzügliche Fahrtleistungen auf und gingen anstandslos nach China, so dass die Fahrt der deutschen grösseren Fahrzeuge „S 90“, „S 91“, „S 92“ zum Geschwader in Ostasien eigentlich als besondere Leistung gerade nicht hervorgehoben zu werden braucht. „Hai-Lung“ heisst jetzt unter britischer Flagge „Taku“, – „Hai-Tsching“ fiel den Deutschen zu, führt die deutsche Flagge und heisst – ebenfalls „Taku“. Die Franzosen besitzen ein drittes, jetzt „Tacou“ benannt.

F. E.

Bücherschau.

Artaria's Eisenbahnkarte von Oesterreich-Ungarn mit Stationsverzeichnis 1901. Vierte Neubearbeitung. Wien 1901. Artaria und Co.

Die seit einer langen Reihe von Jahren in Handels- und Speditionskreisen, bei Eisenbahnen, Militär und an kommerziellen Lehranstalten aufs beste eingeführte und von Reisenden vorzugsweise gewählte „Artarid's Eisenbahn- und Postkarte von Oesterreich-Ungarn und den nördlichen Balkanländern“ erscheint für das neue Jahr (1901) in modernem Gewände, mit neuer künstlerischer Umschlagzeichnung. – Der Karte selbst ist eine im geographischen Institute der Verlagsfirma ganz neu angefertigte Zeichnung zu Grunde gelegt, die die frühere Ausgabe an Grosse nicht unbedeutend übertrifft (87 : 117). Dadurch konnten die sich von Jahr zu Jahr mehrenden neuen Linien bezw. die zahlreichen neuen Stationen in deutlicher und lesbarer Weise aufgenommen werden. Hervorzuheben ist noch die grosse südöstliche Ausdehnung bis Konstantinopel, die genauen Distanzangaben in Tarif kilometern, spezielle Bezeichnungen für doppel- und eingeleisige Bahnen im Betrieb und im Bau, für Personenpost- (in Kilometern) und Dampfschiffrouten.

1)

Mitt. aus d. Geb. d. Seewesens, 1. 1899; Deutsche Marine-Rundschau, 10. 1898, gibt 35,07 Meilen an.