Text-Bild-Ansicht Band 316

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10).

Die gegenüberstehenden Messer der Walze und des Grundwerkes klemmen die Fäden ein, wie die Schere das dünne Papier einzwickt. Wenn ein grösseres Bündel gleichzeitig mit einem kleineren Bündel zwischen die Arbeitsflächen der Messer gerät, wird das kleinere aufliegen, das grössere aber zerschnitten werden (Fig. 20). Diesen Fehler des Mahlprozesses kann man vermeiden. Entweder müssten wir den Stoff sortieren, wie bei den anderen Zerkleinerungsmaschinen, oder wir müssten der Walze eine so kleine Winkelgeschwindigkeit geben, dass die lebendige Kraft der Walze die Fasern zu zerschneiden nicht fähig wäre. Bis heute existieren aber solche Holländer nicht, welche diesen Zweck erreicht haben. Will man feines Papier erzeugen, so darf der Holländer gar nichts mahlen, nur durch Auflockerung die Fasern zerlegen, und dann durch Reibung (Mahlprozess) die elementaren Fasern bürsten, ausstrecken. Der Holländer kann diese letztgenannte Arbeit nur sehr grob leisten, deshalb existieren die sogen. Zentrifugalholländer, welche diese letzte Arbeit, das Bürsten des Stoffes, leisten11).

3. Unter einer Walze (welche sich um eine ausserhalb der Walze befindliche Achse rotiert) treten zwei entgegengesetzte Reibungen auf, welche die Fasern zerteilen. Die einzige Maschine nach diesem Prinzip ist der Kollergang, wo zwei Steinwalzen (Läufer) sich um eine sogen. Königswelle drehen, und unabhängig voneinander zerfasern. Der äussere Umfang des Läufers (Fig. 21a) muss während seiner Drehung einen grösseren Weg zurücklegen, als der innere Umfang, infolgedessen muss der innere zurück und der äussere vorwärts gleiten.

Es sei r der Radius, W der entsprechende Weg, wo die Indexe a und i äusserer und innerer bedeuten, dann bestehen die Gleichungen:

Wa = 2raΠ

Wi = 2riΠ.

Wenn der Stein sich einmal um die Achse dreht, so ist der Weg des Gleitens

Wa – Wi = 2bΠ,

wo b = ra – ri die Breite des Steines bedeutet.

Dieser Wert zeigt uns, dass bei dem Kollergang zwei entgegengesetzte Reibungen a b Π (wo α eine Konstante ist) die Fasern zerteilen, welche gegen die Mitte zu immer einen kleineren Wert haben (Fig. 21b).

Wenn wir dem Läufer eine konische Form geben, so dass sein Scheitelpunkt in dem Wellenmittel liegt (Fig. 22a), so wird der Stein nicht mehr gleiten; wenn aber sein Scheitelpunkt ausserhalb des Wellenmittels liegt, wird das auftretende Gleiten kleiner als bΠ, und bei einem umgekehrten konischen12) Läufer (Fig. 22b) das Gleiten grösser als bΠ sein. Nach Fig. 22a und b erkennt man, dass

d.h. wenn

und wenn

Diese Winkelverhältnisse zeigen uns, dass der Mühlstein ein Spezialfall von dem Kollergang ist, wo kein rollendes Gleiten existiert. Die Grosse des (Wegunterschiedes) Gleitens, eventuell der Reibungen, welche die Fasern zerlegen, hängt von dem Winkel a ab, was im Diagramm dargestellt die in Fig. 23 dargestellte Form zeigt. Die mathematische Erklärung dieses Diagramms würde uns von unserem Zweck sehr weit abführen, weil wir nur konstatieren wollten, dass bei dem Kollergang die Zerfaserung ebenso wie bei den anderen Zerfaserungsmaschinen durch zwei entgegengesetzte Reibungskräfte hervorgebracht wird.

C. Zerfaserung durch innere Kräfte.

Die zwischen zwei feste Flächen gebrachten Fasern werden zerteilt, wenn diese Flächen stark zusammenschlagen. Der Druck der zusammenstossenden Flächen verteilt sich nach dem Rutschungskegel, wodurch die Fasern durch P Kräfte herausgezogen werden (Fig. 24)13). Nach diesem Prinzip arbeiten als Zerfaserungsmaschinen die Stampfwerke. Diese Maschinen arbeiten sehr fein, die Fasern werden nicht zerrissen, haben aber dennoch einen Nachteil, nämlich dass sie sehr langsam arbeiten, aus welchem Grunde sie wenig Verwendung finden14).

Die verschiedenen Zerfaserungsmethoden durch aktive, passive und innere Kräfte sind in den Maschinen nicht so voneinander verschieden, als wie die Einteilung dies erscheinen lässt, sondern diese Kräfte arbeiten immer miteinander, weil eine Kraft immer die Folge einer anderen Kraft ist, z.B. wo die passiven Kräfte auftreten, entstehen gleichzeitig auch die inneren Kräfte und umgekehrt. Diese Thatsache stürzt aber die Behauptung, dass die Zerfaserung immer durch Zugkräfte hervorgerufen wird, nicht um, weshalb die aktiven, passiven und inneren Kräfte bei der Zerfaserung immer Zugkräfte sind. Die Zerfaserungstheorie ist heute noch nicht durchgearbeitet, infolgedessen sind die Holländer nach der Stoffbewegung und nicht nach der Zerfaserung verbessert. Zu den Aufgaben unserer Zeit gehört es, die Holländer nach der Zerfaserung umzubauen, und damit eine neue Periode in der Papierfabrikation anzutreten.

Die internationale Ausstellung in Glasgow.

Wie vor dreizehn Jahren, so wird auch laufenden Jahres in dem grossen schottischen Emporium Glasgow eine internationale Ausstellung stattfinden, von der man sich, wie der Engineering vom 1. März d. J. mitteilt, einen um so grösseren Erfolg verspricht, als diesmal die Opfer und Bemühungen der Unternehmung nicht nur der vorwiegend nützlichen, trockenen Seite der Ausstellung, sondern auch der heiteren, dem Vergnügen und der Zerstreuung gewidmeten Anlagen und Einrichtungen im reichlichsten Masse zugewendet sein werden. Man glaubt sich der Ueberzeugung hingeben zu dürfen, dass die Bewohner Glasgows schon in Anbetrachtihrer so praktischen Sinnesart die bequeme, reichliche Gelegenheit sich nicht entgehen lassen werden, aussergewöhnliche künstlerische oder sportliche Genüsse mit den nutzbringenden Studien verbinden zu können. Es soll also die diesjährige Glasgower internationale Ausstellung nicht nur einen Wettkampfplatz und eine Unterrichtsstätte für Handel, Gewerbe und Industrie bilden, sondern nebenbei auch ein Erholungsort sein, im besten Sinne dieses Wortes. Zu dem Ende sind beispielsweise für Musik allein 400000 Mk. ausgeworfen und bereits fortlaufende Reihen von Konzerten der Sousa'schen Kapelle, des Musikcorps

10)

verteilt sich auf 50-60 Messer des Grundwerkes und jedes einzelne Messer erfährt daher einen weit geringeren Druck als gewöhnlich. Die Fasern sollen dadurch mehr geschont und die Lumpen mehr zerrissen als zerschnitten werden“.

11)

Von diesen Maschinen wird gegenwärtig nichts mehr erwähnt, weil diese als Zerfaserungsmaschinen in Betracht nicht kommen können.

12)

Ein Kollergang mit kegelförmigen Läufern ist dem Ingenieur M. Kastler unter Nr. 37 834 für Deutschland patentiert und wird ausschliesslieh von Escher, Wyss und Co. in Zürich und Ravensburg gebaut.

13)

Prof. Rejtö hat den Rutschungskegel so dargestellt (Baumaterialienkunde).

14)

In neuerer Zeit werden die Stampfwerke nach Henseling's System gebaut. Die Zerreissungskraftverhältnisse bei den Zerfaserungsmaschinen von inneren Kräften kann man nach Rejtö's Theorie von der „inneren Reibung“ rechnen.