Text-Bild-Ansicht Band 316

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Das Gewicht des Schwungringes sei G, die der Tourenzahl n1 entsprechende Umfangsgeschwindigkeit V1, die n2 entsprechende V2. Dann gibt das Schwungrad während der Verzögerung die Arbeit

ab, wofür man setzen kann

oder

Diese Arbeit durch die angenommene Zeit dividiert, ergibt eine Leistung L. Die Leistung des Motors bei Beginn des Umsteuerns ist bekannt, am Schluss ist sie, da die Stromstärke die doppelte und die Tourenzahl nur um wenige Prozente gesunken ist, etwa doppelt so gross, so dass man annähernd die mittlere Motorleistung L1 gleich dem anderthalbfachen der anfänglichen, normalen setzen kann. Einer genaueren Berechnung stehen zwar keine Hindernisse im Wege, doch dürfte sie unnötig sein. Setzt man nun das zum Umsteuern erforderliche Arbeitsvermögen A, durch t dividiert, gleich L + L1 so ist

mithin ist L bekannt.

Nunmehr ist G berechenbar aus

Die Anbringung des Schwungrades kann auf der Motorwelle geschehen; aber ebensogut auf einer Zwischenwelle. Möglicherweise wird man ein genügend schnell laufendes Zahnrad als Schwungrad ausbilden können.

Die Voraussetzung, dass die zwischen Motor und Hobelmaschine eingeschaltete Reibungskuppelung, z. B. der als solche wirkende Riemen, immer die genügende Kraft K übertrügen, um das Umsteuern wirklich in der Zeit t zu vollziehen, wird nicht immer erfüllt sein. Ueberträgt sie weniger, so wird das Umsteuern länger dauern und die Erwärmung des Motors geringer ausfallen, so dass dieser Fall, wenn auch als unerwünscht, so doch als unschädlich zu betrachten ist. Ueberträgt jedoch die Reibungskuppelung eine zu grosse Kraft, so wird t vermindert und die Erwärmung T wächst sehr rasch nach der Formel

Man muss also die Reibungskuppelung so konstruieren, dass dieser Fall nicht eintreten kann.

Windmotoren auf der Pariser Weltausstellung.

Von E. Lufft.

Von den verschiedenen von der Natur dem Menschen zur Verfügung gestellten Arbeitsquellen sind es heutzutage fast ausschliesslich nur zwei, welche zu technischer Verwendung gelangen: die chemische Energie der Brennstoffe und die in den Wasserkräften der Erde frei werdenden Energiemengen. Aber sowohl die eine wie die andere dieser Energiequellen besitzt den Nachteil einer quantitativen Beschränkung, welche gegenüber den sich durch den Fortschritt der Kultur und die Zunahme der Bevölkerung steigernden Ansprüchen nicht stand zu halten droht. Wenn es z.B. schon ziemlich feststeht, dass in etwa 50 Jahren in England eine Erschöpfung der dort geförderten Kohle eingetreten sein wird, und wenn in manchem industriereichen Lande schon jetzt eine nahezu völlige Ausnutzung der vorhandenen Wasserkräfte stattfindet, so ist es mehr als bloss eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die den Menschen zwingt, sich nach anderen Kraftquellen umzusehen.

So fangen namentlich die in den Luftströmungen unserer Erde sich äussernden ungeheuren Energiemengen an, mehr und mehr Beachtung zu finden, und wenn auch das Bestreben, Teile dieser Energiemengen auszulösen und in motorische Kraft umzusetzen, bereits vor 500 Jahren eine praktische Lösung im Baue der Bockwindmühlen gefunden hat, so blieb es doch erst der neuesten Zeit vorbehalten, einen Windmotor zu erzeugen, der weitergehenden Ansprüchen Rechnung trägt. – Seit auf der Weltausstellung in Philadelphia der amerikanische Windmotor auf dem Weltmarkt erschien, haben die Bemühungen der Konstrukteure um Vervollkommnung dieser Motorgattung nicht mehr geruht, und es dürfte von Interesse sein, an Hand der auf der letztjährigen Weltausstellung vorgeführten Windmotoren zu konstatieren, welche Früchte bis jetzt ein solches Bestreben gezeitigt hat.

Zunächst muss bemerkt werden, dass Paris zur Vorführung von Windmotoren im Betrieb ein recht ungünstiger Ort ist, welcher mit einem Jahresdurchschnitt von 2,1 m Windgeschwindigkeit ganz erheblich hinter der sonst für eine vorteilhafte Ausnutzung der Windkraft in Betrachtkommenden Geschwindigkeit zurückbleibt. Als eine solche darf für den europäischen Kontinent eine Geschwindigkeit von 4 m im Mittel angenommen werden. Daher rührt es auch, dass die meisten der ausgestellten Windräder entweder leer umliefen oder doch nur ganz geringe Arbeitsleistungen auszuführen hatten, welche ihnen erlaubten, sich selbst beim leisesten Winde umzudrehen. So liess ein amerikanischer Aussteller durch einen grossen, in ein Fass eintauchenden Holzkolben Wasser aus diesem Fass in ein grösseres, das erstere umgebende Fass ausgiessen. Da das gepumpte Wasser von unten her selbstthätig wieder zulaufen konnte, und dadurch das Windrad in der Hebearbeit des Kolbens unterstützte, so war dem grossen Publikum bei einem minimalen Aufwand an mechanischer Arbeit das Schauspiel einer Förderung ganz beträchtlicher Wassermengen selbst bei leichtestem Wind vorgespiegelt.

Textabbildung Bd. 316, S. 246

Der eigentliche Ausstellungsplatz für Windmühlen war selbstverständlich in Vincennes. Die hinter dem sehr hohen Gebäude der Agrikulturabteilung auf dem Marsfelde aufgerichteten französischen Windräder boten nichts Bemerkenswertes und wurden an dem sehr ungünstigen Platze wohl von den wenigsten beachtet, wogegen sich im Annex von