Text-Bild-Ansicht Band 316

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benutzt dazu entweder die in Fig. 13 und 14 dargestellte Maschine oder man lagert die hohle und auf der Oberseite durchbrochene Platte a an Zapfen t drehbar (Fig. 24). Nachdem das Glas auf die Platte aufgegossen und in die Nut m zwischen a und d eingetreten, kippt man die Platte mittels der Speichen u (Fig. 25) und bläst die Glasschicht e nach unten auf11).

Hiermit ist die an das Patent Nr. 109 363 sich knüpfende Entwickelung, soweit sie bisher an die Oeffentlichkeit gekommen, bis an den Tag von heute dargestellt, eine Entwickelung, die ebenso durch die Ursprünglichkeit und Kühnheit der leitenden Gedanken ausgezeichnet, als planmässig und logisch ist.

(Schluss folgt.)

Trockenbagger mit Zwillingsdampfmaschine von 10 PS der Firma Ruston, Proctor und Co., Limited, in Lincoln.

Von Fr. Freytag, Chemnitz.

Auf der Pariser Weltausstellung 1900 erregte ein von Ruston, Proctor und Co., Lincoln, in Vincennes vorgeführter Dampftrockenbagger, wie solche in der Neuzeit zur Ausführung grosser Erdarbeiten beim Bau von Eisenbahnen, Kanälen etc., ferner zum Aufschliessen von Erz- und Kohlenlagern, bei Abraumarbeiten im Tagebergbau, in der Thonindustrie etc. mit grossem Erfolge benutzt werden, wegen seiner gewaltigen Abmessungen und kräftigen Durchbildung der zum Zwecke der verschiedenen Arbeitsverrichtungen leicht und schnell in Thätigkeit zu setzenden Einzelteile, berechtigtes Aufsehen.

Derartige Bagger sollen nach Angabe der Erbauerin ohne übermässige Anstrengung sogar verhältnismässig harte Materialien, wie Sandstein, harten Kalkfels, Steinmergel, Liasgestein etc. bewältigen, sofern dieselben durch Sprengen, was während der Nacht geschehen kann, vorher etwas gelockert werden.

Textabbildung Bd. 316, S. 266

Fig. 1 zeigt einen derartigen Trockenbagger mit Dampfmaschine von 10 PS (nominell) im Betriebe. Die Arbeit vollzieht sich folgendermassen: Der Baggereimer wird so weit herabgelassen, bis der Träger desselben sich in senkrechter Lage befindet. Dann wird der Bagger bis vor den herzustellenden Einschnitt gebracht, die Dampfmaschine angelassen und der Baggereimer vorwärts bewegt und im Erdreich nach oben gezogen, bis er gefüllt ist. Der Inhalt des Eimers fällt nach erfolgter Schwenkung des Auslegers und nachdem ein auf der Plattform des letzteren stehender Arbeiter durch Ziehen an einer Schnur die Thür des Gefässes geöffnet hat, in einen darunter stehenden Transportwagen. Hierauf bringt der Maschinist den Ausleger zur Vornahme eines neuen Schnittes in seine frühere Lage zurück. Durch raschen Niedergang des Gefässes wird die Thür desselben selbstthätig geschlossen.

Bei Verwendung eines Baggereimers von 1 bis 1,75 cbm Inhalt können – je nach Beschaffenheit des Erdmaterials – stündlich 50 bis 80 Abgrabungen vorgenommen werden. Bei sehr hartem Boden, z.B. in mit Geröll durchsetztem Thonmergel, ist ein Baggereimer von 1 cbm Inhalt am geeignetsten, bei gewöhnlichem harten Material ein solcher von 1,15 cbm Inhalt.

Sobald der Bagger das jeweils erreichbare Erdmaterial abgegraben hat, werden die ihn festhaltenden Schraubenwindengelöst und er selbst um 1 m oder etwas mehr vorgeschoben, um eine neue Reihe von Abgrabungen zu beginnen. Auf diese Weise lässt sich mit Verwendung eines 10pferdigen Baggers ein Einschnitt ausschachten, der eine Tiefe von 6 bis 7,5 m, ja selbst bis zu 9 m und eine obere Breite von 15 bis 18 m hat. Die Bauart des Baggers und seiner Einzelteile lassen Fig. 2 und 3 erkennen.

Rahmen, Turm und Ausleger des Baggers sind aus Walzeisen gefertigt. Der auf vier, mit doppeltem Spurkranz versehenen Rädern ruhende Hauptrahmen – eine rechteckige Plattform – ist aus kräftigen, durch Querträger verbundenen eisernen Längsträgern hergestellt. Auf diesem Untergestell sind die Dampfmaschine mit Kessel sowie das Triebwerk befestigt. An den Ecken der Plattform, sowie unter dem Mittelzapfen des Auslegers angebrachte kräftige Konsolen stützen sich zur Vermeidung etwaiger Verschiebungen des Baggers während des Betriebes auf untergelegte hölzerne Klötze oder Bohlen.

Der ebenso wie die Dampfmaschine stehend angeordnete Kessel hat Quersiederröhren. Die Dampfmaschine hat zwei ummantelte Cylinder von je 178 mm Durchmesser und 305 mm Kolbenhub; sie ist mit den Lagerböcken der Kurbelwelle durch der Firma Ruston, Proctor und Co. patentierte Dampfexpansionssteifen oder Strebestangen verbunden. Die Maschine läuft mit 160 bis 170 minutlichen Umdrehungen und steht unter dem Einflüsse eines Regulators. Auf der Kurbelwelle ist ein Zahnrad festgekeilt, welches seine Bewegungen im Verhältnis 4: 1 einem auf

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D.R.P. Nr. 117936.