Text-Bild-Ansicht Band 316

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entstellt und sich der Vorgang wiederholt. Die Drehbewegung der Trommel findet nun zum Zwecke einer gleichmässigen Gaserzeugung durch Uebertragung der Bewegung des Kolbens auf das mit Zähnen besetzte Sperrrad d in folgender Weise statt: Mit dem Kolben n ist eine Stange t verbunden, welche beim Steigen und Sinken des Kolbens einen Hebel u mit der Sperrklinke v dreht, wodurch das mit Sperrzähnen besetzte Rad w, welches mittels des Stiftes e in Eingriff mit der Trommel b steht, gedreht wird (Fig. 15a).Gegen ein Rückwärtsdrehen der Trommel wird letztere durch die Klinke x gesichert. Durch diese gleichmässige Drehung der Trommel tritt eine gleichmässige Zersetzung des Karbids an der Oberfläche ein, der zurückbleibende Kalk fällt nach unten und es werden neue ungelöste Karbidteile blossgelegt. Ein Rohr k1 in dem Entwickler dient zur Ausgleichung des Druckes zwischen diesem und dem Wasserbehälter.

(Fortsetzung folgt.)

Kleinere Mitteilungen.

Verwendung von Elektrizität im Naphthabetriebe.

Auf den Naphthafeldern von Bibi-Eybat bei Baku wird gegenwärtig eine elektrische Zentrale errichtet, die dazu bestimmt ist, das ganze Bohrgebiet mit Licht und Kraft zu versorgen. Der erste Ausbau ist vorläufig auf 2400 PS berechnet worden. Zur Zeit werden vier Drehstromdynamos von je 500 Kilo-Watt und 2000 Volt Spannung aufgestellt. Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Schöpfarbeit, sondern auch die viel schwierigere Bohrarbeit durch Elektromotoren bewerkstelligt werden soll. Für diesen Zweck kommen Motoren von ganz besonderer Bauart zur Anwendung, die wegen der Eigenart der Bohrungen grosse Ueberlastungen aushalten müssen. Wegen der leichten Entzündlichkeit der den Bohrlöchern entsteigenden Gase müssen die stromführenden Teile an den Motoren und Schaltapparaten so dicht abgeschlossen sein, dass ein Eindringen der Gase gänzlich vermieden wird.

Das ganze Bohrgebiet und die Bohrtürme erhalten elektrische Beleuchtung. Die Zentralstation mit dem Leitungsnetz und den Motoren wird von den elektrischen Werken Siemens und Halske in St. Petersburg errichtet.

T.

Die Herstellung von Holzguss.

Holzschnitzereien wurden bis jetzt in der Weise imitiert, dass man die betreffenden Ornamente aus Gips, Hartguss oder Steinpappe nach allen Regeln der Lackierkunst mit Grund- und Maserfarben behandelte, und ihnen dann mit Matt- und Glanzlacken den Anschein des gebeizten und polierten Holzes gab.

So gelungen diese Imitationen an und für sich schon sein mögen, so werden sie doch durch ein neues Verfahren, bei welchem auch die Holzporen ganz genau wieder gegeben werden, bei weitem übertroffen.

Die Wiedergabe der Holzporen war bis jetzt nur deshalb nicht möglich, weil kein erprobtes Mittel bekannt war, durch welches man den Holzmodellen (die zur Herstellung der elastischen Leimformen dienen) die Holzstruktur erhalten kann. Denn die vielen Schellacküberzüge, die notwendig sind, um ein solches Modell so öldicht zu machen, damit das Oel nicht einschlägt und das Modell die Leimform leicht loslässt, decken alle Feinheiten der Holzstruktur vollständig zu.

Bedient man sich dagegen, um das Modell öldicht zu machen, statt der mehrmaligen Schellacküberzüge eines einmaligen Collodiumüberzuges, so ist der Erfolg ganz überraschend.

Das Holzmodell, das am besten aus recht porösem Eichenholze angefertigt und selbstredend vorher gründlich abgestaubt wird, wird mit einer nur zweiprozentigen Collodiumlösung ziemlich reichlich überzogen. Dies geschieht am einfachsten und schnellsten, wenn man die Collodiumlösung aus einer geeigneten Flasche in sehr dünnem Strahle auf das Modell aufgiesst und mit einem sogen. Fischpinsel schnell verstreicht.

Nach erfolgtem Trocknen ist das Holzmodell ebenso matt und porös wie vorher, aber so öldicht, dass man als Schmiermittel Petroleum benutzen kann, das zu gleichem Teile mit Benzin verdünnt wurde. Nach dem Verdunsten des Benzins bleibt auf dem Modell von dem aufgetragenen Schmiermittel immer noch ein dünnes Oelhäutchen zurück, das vollständig genügt, um die Leimform leicht loszulassen.

Das Giessen der Ornamente geschieht dann wie sonst, doch kann man die Gussmassen gleich etwas mit Ocker färben und spart damit das Grundieren der gegossenen Ornamente.

O. R.

Bücherschau.

Garcon, Jules, Traité Général des Applications de la Chimie. Tome premier. Metalloides et Composés métalliques. Paris 4901. Ch. Dunod.

Das vorliegende Werk unterscheidet sich von den bekannteren Lehrbüchern der chemischen Technologie wesentlich durch die eigenartige Behandlung des Stoffs, welche die Uebersicht über dies umfangreiche Gebiet erleichtern soll. Nach einer in allgemein verständlicher Form gehaltenen Einleitung in die Chemie bespricht der Verfasser zunächst das französische Patentgesetz, sowie die verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen, welche auf die Etablissements Anwendung finden, deren Betrieb mit Gefahren oder Belästigung für das Publikum verbunden ist. Hieran reiht sich dann die Besprechung der einzelnen Elemente und ihrer Verbindungen, soweit diese für Handel und Gewerbe oder für das tägliche Leben von Interesse sind. Ob das Werk für den Chemiker von Fach besonders wertvoll ist, mag dahingestellt bleiben; dagegen wird es sich jüngeren Technikern etc., welche sich einen Ueberblick über das Gesamtgebiet der Chemie verschaffen oder über einen bestimmten Gegenstand orientieren wollen, unter Umständen recht nützlich sein können.

C. H.

Kurzer Abriss der Elektrizität. Von Dr. L. Graetz, Professor an der Universität München. Zweite verbesserte Auflage. Mit 148 Abbildungen. Stuttgart 1900. J. Engelhorn.

Dieses Werk, welches eine kurze aber zusammenhängende Uebersicht unserer hauptsächlichsten Kenntnisse und Anschauungen über die Entwickelung der Elektrizitätslehre und das Wesen der Elektrizität, sowie von deren wichtigsten Anwendungen zu geben anstrebt, ist aus dem grösseren Werke des gleichen Verfassers über diesen Gegenstand, welches nunmehr in achter Auflage erschienen ist, entstanden. Es ist aber nicht als Auszug desselben zu betrachten, da es sich sowohl im Umfang, als auch in der Anlage und dem Ziele, wesentlich von demselben unterscheidet. Während in dem ersten Werke eine ziemlich eingehende Belehrung des Lesers erstrebt wird, handelt es sich in dem zweiten Werke darum, nur das Wichtigste und dies in einer Form zu bringen, welche ein leichtes Eindringen in den Kern des Gegenstandes gestattet. Zu diesem Zweck wird gleich zu Beginn, statt die elektrostatischen Erscheinungen, wie dies in der Regel der Fall ist, vorerst zu behandeln, der elektrische Strom und dessen Wirkungen erläutert und auch keine Trennung der wissenschaftlichen Lehren von den Anwendungen vorgenommen. Es werden vielmehr unmittelbar an die gesetzmässig erkannten Thatsachen gleich die Anwendungen angeschlossen, die man von denselben machen kann.

Der Leser wird daher sofort in die praktische Elektrizitätslehre eingeführt, für welche gleich die modernen Anschauungen, welche die elektrischen Erscheinungen immer als Bewegungs- oder Zustandserscheinungen des Aethers auffassen lassen, zur Erklärung verwertet werden. Auf einen, gegenüber der Fülle des Stoffes relativ kleinen Raum beschränkt, ist es nun dem Verfasser durch eine klare, scharfe und eindringliche Sprache gelungen, das ganze Gebiet der Elektrizitätslehre und ihre Anwendung in einer Weise vorzuführen, dass der Leser bei nur einigermassen eingehendem Studium ein deutliches Bild über die sich hier abspielenden Vorgänge sich schaffen muss.

Der Ausschluss jeder mathematischen Begründung ermöglicht es auch dem Laien, sich die heute unentbehrlichen Kenntnisse über die Elektrizität und ihre Anwendung in einer Weise anzueignen, dass er dieselben späterhin auch praktisch zu verwerten vermag. Unterstützt von zahlreichen guten Abbildungen und einer allen Anforderungen Rechnung tragenden Ausstattung, ist dieses Werk als eines der besten Beiträge auf dem Gebiete der populären elektrotechnischen Litteratur zu bezeichnen.

A. P.