Text-Bild-Ansicht Band 316

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der in der Glashütte einen Posten geschmolzenen Glases auf den feuchten Hüttenflur fallen lässt und gleichzeitig ein beobachtendes Auge und einen forschenden Gedanken auf den Anblick lenkt, wie dies geschmolzene Glas zischend und dampfend sich in Blasen auf dem feuchten Erdboden aufbläht. Die Mitarbeit, die der Zufall bei jeder Entdeckung, bei jeder Erfindung leistet.

Textabbildung Bd. 316, S. 283

Wenn wir unseren Blick unsicher in die noch dunklen Jahrhunderte vor uns dringen lassen, wenn wir an dem technischen Fortschritt des letzten Jahrhunderts die noch unvorstellbaren Eroberungen der nächsten zu ermessen versuchen, so müssen wir uns gleichzeitig vorAugen halten, dass all diese zukünftige Siegesbeute derselben geheimnisvollen Natur abgerungen sein wird, die uns zur Zeit umgibt, dass auch jene zukünftigen Erfindungen auf denselben physikalischen und chemischen Gesetzen ruhen werden, die jetzt uns durch die Fülle der Erscheinungen leiten. Sie könnten schon jetzt gemacht werden, diese zukünftigen Erfindungen, es bedürfte nur des wegweisenden „Zufalls“ und eines genialen Geistes, der seine stumme Sprache versteht. Es hat etwas Spukhaftes, zu denken, dass alle die technischen Möglichkeiten, die kommende Jahrhunderte durch Benutzung der uns bekannten Naturgesetze und davon abgeleiteter neuer, verwirklichen werden, schon jetzt vorhanden sind, uns gleichsam umschweben wie unerlöste Geister zukünftiger Erfindungen, unerkennbar dem Alltagsmenschen, obgleich mit tausend Ausstrahlungen in den uns bekannten Bereich der Erscheinungen hineinwirkend. Und nur ab und zu spricht ein Hellsehender, ein Erfinder das Zauberwort, das der andrängenden Geister einen in die Wirklichkeit hereinreisst. Und dann – ist es zuweilen ein äffender Kobold, der seinem Beschwörer Enttäuschung und Armut bringt, zuweilen aber auch ein mächtiger und nützlicher Geist, dienstbar seinem Herrn, wie der Geist aus Alladins Lampe.

Neue Regelung an Pressstrahlturbinen.

Das Bestreben, die Austrittsweiten der Laufradkanäle regeln zu können, war schon längst vorhanden. Diesbezügliche Versuche wurden zum Teil durch Verschmälerung der Kanäle, zum Teil durch Blindscheiben am Auslauf derselben u.s.w. bewerkstelligt, die betreffenden Vorrichtungen jedoch als nicht betriebssicher und ihren Zweck nicht erfüllend bald wieder verlassen.

Andere Regeleinrichtungen bestehen z.B. in Abschlussvorrichtungen der Kanäle des Leitapparates, sei es, dass mehrere Schaufelkränze an der Turbine angewendet und diese dann einzeln oder zu mehreren oder zellenweise dem vorhandenen Wasserzufluss entsprechend abgeschlossen werden. Wenn nun auch durch gänzliches Schliessen eines oder mehrerer Schaufelkränze des Leitapparates die Wirkungsweise der anderen Kränze mit keinem wesentlichen Nachteil verbunden war, so wurde durch Schliessen der Einzelkanäle eines Kranzes der Wirkungsgrad der Turbine wesentlich verschlechtert, also gerade bei knappem Wasserstand ein geringer Nutzeffekt erzielt.

Bei der Regelung durch besondere Schieber in jeder Leitzelle oder durch Ringschieber treten ähnliche Missstände auf, wie bei Deckelregulierungen und besitzt letztere Art der Regelung noch den weiteren Nachteil, dass dieselbe sich bei unreinem Wasser, das Laub, Gras und Geschiebe mit sich führt, verstopft und häufig den Dienst versagt. Auch durch Regelung mittels Drosselklappe im Saugrohr unter der Turbine wird der Nutzeffekt schädlich beeinflusst und kann eine solche Regelung überhaupt nur dann in Betracht kommen, wenn stets überschüssiges Wasser vorhanden ist und auf wirtschaftliche Ausbeutung desselben weniger Wert gelegt wird. Die Jalousieregelungen im Leitapparat, wie solche in neuerer Zeit vielfach ausgeführt werden, zeigen gleichfalls einige Missstände. Die Eintrittswinkel der Leitradkanäle ändern sich hierbei in hohem Grade, derart, dass der ganze Charakter der Turbine dadurch verändert ist. Während sie bei voller Oeffnung des Leitapparates als Pressstrahlturbine wirkt, kann bei kleiner Oeffnung ein Wechsel in der Wirkungsweise eintreten und zu der einer Freistrahlturbine übergehen. Thatsächlich ergibt eine solche Turbine bei mittlerer Beaufschlagung den grössten Effekt, während sie bei grösster und geringster Oeffnungsweite eine relativ schwächere Nutzwirkung abwirft.

Die vorliegende Erfindung (D.R.P. Nr. 117465 vom 14. Februar 1901) Ferdinand Ruess in Baienfurt b. Ravensburg, Württ., betrifft eine Vorrichtung zum Regeln von Pressstrahlturbinen aller Art durch auch während desGanges der Turbine zu bewirkende Aenderung des Austrittsquerschnittes der Laufradschaufeln, dadurch gekennzeichnet, dass die festen Schaufeln auf ihrer Rückseite mit drehbaren Schaufeln versehen sind, welche sich am Wassereintrittsende an die Rückwand der festen Schaufeln anschliessen und mit ihren beweglichen am Wasser austritt befindlichen Enden beliebig gegen die festen Schaufeln verstellt werden können.

Die neue Reguliervorrichtung soll den vorhin erwähnten Missständen abhelfen und an allen Vollturbinen mit oberer, innerer oder äusserer Beaufschlagung anwendbar sein; dieselbe ist durch Fig. 1 und 2 für eine achsiale Vollturbine, in Fig. 3 für eine Radialturbine mit innerer und in Fig. 4 für eine Radialturbine mit äusserer Beaufschlagung dargestellt. Fig. 5 bis 8 veranschaulichen in grösserem Massstab die Schaufellängs- bezw. Querschnitte durch diese drei Turbinenarten. Die Einrichtung besteht im wesentlichen darin, dass in jedem Laufradkanal noch eine besondere drehbare Schaufel (Rückschaufel) eingesetzt ist, welche mit ihrem äusseren Ende der normalen Laufschaufel beliebig genähert und nach Bedarf verändert werden kann. Jeder Laufradkanal besteht somit, von seinen feststehenden Seiten Wandungen abgesehen, aus einer fixen Schaufel, welcher man die dem Gefälle entsprechende günstigste Form zu geben hat und deren Ein- und Austrittswinkel also unverändert bleiben, sowie einer, gegen diese beweglichen Schaufel, deren innerer Teil sich in richtiger Fortsetzung der Form der festen Schaufeln anschliesst, während der äussere Teil gegen die feste Schaufel beweglich ist und dadurch die lichte Austrittsweite des Laufradkanals beliebig verstellbar gemacht ist. Diese Verstellung sämtlicher beweglicher Schaufeln kann auch während des Ganges der Turbine entweder von Hand, durch Schwimmer oder durch einen automatischen Regulator bewirkt werden. Die Kanäle bleiben bei jeder Stellweite vollständig mit Wasser gefüllt, die Ueberdruckwirkung erleidet keinerlei Aenderung und da der Arbeitswinkel der Laufradschaufeln an der einen Seite stets derselbe bleibt, soll die Turbine bei jedem Wasserstand, also jedem Beaufschlagungsgrade ihrer Natur gemäss richtig arbeiten.

Wie schon bemerkt, passt sich die Form der beweglichen Schaufeln derjenigen der festen sachgemäss an und ist zu diesem Zwecke die gewöhnlich aus Eisen oder Stahlblech hergestellte, in die Kränze eingegossene feste Schaufel (Fig. 5 bis 7) oben hakenförmig umgebogen, wobei der eine längere Schenkel dieses Hakens die dem Gefälle, somit