Text-Bild-Ansicht Band 316

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nur auf sogenannte harte Elektrolytelektroden, während die weichen, d.h. solche, welche ohne einer äusseren Vorwärmung bloss durch Ströme von entsprechender Ueberspannung den Lichtbogen entstehen lassen, oder die mittelharten, d.h. diejenigen, für welche das Vorwärmen mittels einer Streichholz- oder Spiritusflamme genügt, weniger günstige Resultate ergeben und für die Rasch'sche Beleuchtung überhaupt von keinem Belang zu sein scheinen. Das Vorwärmen der harten feuerbeständigen Elektroden geschieht bei Bogenlampen ohne nennenswerten Aufwand von Neben Vorrichtungen einfach durch einen im Nebenschluss befindlichen Flammenbogen von gutleitenden Hilfselektroden, der beim Schlusse des Stromkreises sich zuerst entwickelt, dann die eigentlichen Elektroden bis zur Leitungsfähigkeit erhitzt und wieder unterbrochen wird, sobald der wirkliche Lichtbogen sich gebildet hat.

Für alle Fälle bedeutet das Rasch'sche Verfahren einen neuerlichen wichtigen Aufschwung der Beleuchtungstechnik im allgemeinen sowie jener des elektrischen Lichtes im besonderen, und dieselbe birgt offenbar noch einen ganzen Schatz weiterer auch auf andere technische oder wissenschaftliche Gebiete übergreifende Entwickelungs- und Vervollkommnungsphasen in sich.

L.K.

Schnell erstarrende Hartgussmassen.

Bekanntlich herrscht in der Spiel- und Galanteriewarenindustrie eine rege Nachfrage nach giessbaren Massen, welche leicht und billig herzustellen sind, verhältnismässig schnell erstarren, und, der späteren Bemalung wegen, keine allzu grosse Porosität besitzen sollen.

So gross das Bedürfnis in dieser Hinsicht ist, so gering ist die Auswahl in den dazu geeigneten Materialien.

So z.B. ist die Verwendung von Cement bei allen solchen Massen von vornherein ausgeschlossen, weil die Cementgüsse zu lange in den Formen bleiben müssen und zu lange Zeit zu ihrer endgültigen Erhärtung bedürfen; infolgedessen sind sie zur schnellen Erzeugung von grossen Mengen einzelner Artikel (wie sie bei Bedarf manchmal schnell auf den Markt gebracht werden müssen) ungeeignet.

Bei der gegenwärtig in Gebrauch befindlichen Hartgussmasse kommt daher auch eine Mischung von zwei Teilen Gips und einem Teile Schlemmkreide zur Anwendung. Diese Mischung wird in eine mässig heisse, 12 ½ %ige Kaninchenleimlösung bis zur Konsistenz eines noch leicht ausfliessenden Breies eingerührt, worauf die Masse sofort vergossen werden kann. Allerdings wird die Temperatur des heissen Leimes durch den Zusatz der kalten Gips- und Kreidemischung auf Lauwärme herabgesetzt. Doch auch diese Wärme verhindert das Erstarren immerhin noch ganz beträchtlich, weil das eigentliche Binden des Gipses erst dann beginnt, wenn der Leim völlig erkaltet und bereits gelatiniert ist. Man kann die Abgüsse in diesem elastischen Zustande wohl aus den Formen nehmen, doch bei vielen Sachen liegt dann die Gefahr nahe, dass sie sich vor dem völligen Erstarren noch irgendwie „verziehen“.

Nun ist es in allerneuester Zeit gelungen, auch diesem Uebelstande (dem Verziehen der Abgüsse) abzuhelfen.

Bei diesen neuen Hartgussmassen wird der Kaninchenleim durch Dextrin ersetzt. Das schnelle Erstarren dieser Massen wird durch Alaun herbeigeführt und lässt sich durch Vermehrung oder Verminderung des Alaunzusatzes willkürlich beschleunigen oder verzögern, je nach Bedarf. Ein fernerer Vorzug dieser Massen ist der Umstand, dass man sämtliche Bestandteile bereits trocken miteinander vermischen und vorrätig halten kann, so dass man bei Bedarf die Mischung nur in Wasser anzurühren braucht.

Das so lästige Leimschmelzen fällt also ganz fort.

Das richtige Gelingen dieser Gussmassen hängt auch nur von dem annähernd richtigen Einhalten der ausprobierten Verhältniszahlen der einzelnen Bestandteile ab, und am besten bürgt für dieses Einhalten des richtigen Verhältnisses das vorherige Mischen der trokenen Bestandteile.

Bei diesem Mischen brauchen die einzelnen Bestandteile auch nicht abgewogen zu werden, es genügt schon das Mischen nach Raumteilen (z.B. schaufelweise) für richtiges Gelingen.

Da das Verhältnis zwischen Dextrin und Alaun von der Menge des angewendeten Gipses abhängt, so ist es am einfachsten und sichersten, Dextrin und Alaun vorher für sich zu mischen und dann von dieser Mischung dem jeweiligen Quantum Gips eine entsprechende Menge zuzusetzen.

Bei dieser Handhabung ist die Herstellung der Hartgussmassen die denkbar einfachste.

Will man z.B. zu je vier Teilen Gips einen Teil Dextrin verwenden, so vermischt man das Dextrin vorher mit einem Zwanzigstel Alaunmehl (= 80 Teilen Gips, 20 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Bei drei Teilen Gips und einem Teil Dextrin mischt man das letztere vorher mit einem Zehntel Alaunmehl (= 30 Teilen Gips, 10 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Bei zwei Teilen Gips lind einem Teil Dextrin wird dasletztere mit einem Fünftel Alaunmehl vermischt (= 10 Teilen Gips, 5 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Diese Massen sind bedeutend härter als reiner Gips und auch nicht so porös wie dieser, gleichwohl erstarren sie ebenso schnell (in 20 bis 30 Minuten) wie Gips.

Wird der Alaunzusatz verdoppelt, so werden auch die Massen noch doppelt so hart, jedoch erstarren sie dann fast zu schnell (in 10 bis 15 Minuten) und man muss daher in diesem Falle die Masse für jeden Guss besonders anmachen.

Wird hingegen der Alaunzusatz auf die Hälfte als angegeben reduziert, dann erstarren die Massen erst in 40 bis 60 Minuten und werden auch weicher.

Man hat es also ganz in der Hand, für den jeweiligen Zweck die geeignetste Zusammensetzung der Massen herbeizuführen, zumal man ihnen auch ziemlich grosse Mengen von Erdfarben zusetzen kann, ohne ihre Eigenschaften wesentlich zu beeinflussen.

Zu bemerken ist noch, dass diese Massen ebenso wie Gips in Leimformen gegossen werden.

O. R.

Vorderladergeschütze in den Kriegsmarinen.

England, ob mit oder ohne Einfluss Armstrong's mag dahingestellt sein, verhielt sich am längsten ablehnend gegen die Annahme des Hinterladersystems für seine schwere Marinegeschütze. Man steigerte die Kaliber bis auf 40,6 cm in den vier 81 t-Rohren des 1876 abgelaufenen „Inflexible“, sah sich allerdings überflügelt von den Italienern, welche dem 1876 abgelaufenen „Duilio“ und dem zwei Jahre später folgenden „Dandolo“ je vier Geschütze von 101,5 t Rohrgewicht und 45 cm Kaliber gaben, die aus der Armstrong-Fabrik in Elswick hervorgegangen waren, während die Geschütze des „Inflexible“ von der Staatsfabrik Woolwich stammten. Von diesen gewaltigen Vorderladern, mit denen das System sozusagen seine Höhe, aber auch zugleich seinen Abschluss erreicht hatte, haben nur die Geschütze des „Inflexible“ bei einer Art ernster Aktion mitgewirkt: Bei der Beschiessung von Alexandria 1882. – Das Schiff feuerte im ganzen 88 Schüsse, und es wird behauptet, mit grosser Wirkung; doch ist nicht recht ersichtlich, gegen welche solchem Kraftaufwand einigermassen entsprechenden Ziele man überhaupt diese Geschütze in Thätigkeit treten liess, denn die Werke von Alexandria waren schwach, ihre Bestückung der Schiffsartillerie des britischen Mittelmeergeschwaders, zu dem dann noch ein Teil des Kanalgeschwaders trat, sehr bedeutend unterlegen. Mit der Armierung von „Edinbourg“ und „Colossus“ von 9420 t Deplacement ging dann England in der Marine mit der Einführung schwerer Hinterlader vor, nachdem die Annahme des Systems bei der mittleren und leichten Artillerie bereits früher erfolgt war. Die beiden genannten Schlachtschiffe erhielten je vier 30 cm-Turmgeschütze und von ihnen an sind alle jüngeren Schiffe in der Hauptartillerie mit Hinterladern bestückt, auch nahm man zwei älteren Turmschiffen, „Thunderer“ 9330 t gross, abgelaufen 1872, umgebaut 1890 und „Devastation“, ebensogross, abgelaufen 1871, umgebaut 1892, letztere jetzt Wachtschiff zu Gibraltar, ihre vier 38 t schweren 32 cm-Vorderladerrohre und gab ihnen dafür die gleiche Zahl 25 cm-Hinterlader von nur 29 t Rohrgewicht, so dass durch die Umarmierung allein an Rohrgewicht der Hauptartillerie eine Gewichtsreduktion von 36 t für jedes Schiff eintreten konnte.

Es ist aber eine irrige Annahme, dass gegenwärtig in der britischen Flotte der Vorderlader eine Rarität sei, wie das in anderen Marinen zutrifft. Wenn auch in einer Diskussion in der Royal United Service Institution zu Anfang dieses Jahres der Vorsitzende Admiral Sir Bowden-Smith sagte: „Unsere alten Schiffe mit Vorderladern können wir nur zum alten Eisen legen,“ so fügte er hinzu: „Doch halte ich das Vorgehen der Admiralität, sie so lange in der Liste der Kriegschiffe zu lassen, bis Ersatz geschaffen ist, für sehr verständig,“ und Kontreadmiral W. H. Henderson meinte: „Wir wissen alle, dass wenn es zur Entscheidung kommt, die Macht den endgültigen Sieg davonträgt, welche die meisten Schiffe aus der Reserve in Dienst stellen kann.“ Also werden die Schiffe noch lange genug in den Listen stehen und voll ausgerüstet im Dienst bleiben, und es verlohnt schon, sich diese immerhin stattliche Flotte besonders in Bezug auf die Vorderladerartillerie, die sie tragen, näher anzusehen. Es sind noch acht Schlachtschiffe zweiter Klasse, fünf dritter Klasse, zwei Panzerkreuzer und vier einst als Schlachtschiffe bezeichnete Panzerfregatten, die man jetzt galanterweise Panzerkreuzer nennt, als grosse Schiffe vorhanden. Ferner die Kanonenboote „Linnet“ und „Swift“ von 756 t Deplacement, die je zwei 18 cm führen, „Raven“ mit zwei 16 cm, dann 25 Kanonenboote des Typ „Staunen“, einst sehr gepriesen als Küstenverteidiger die sogen, „schwimmenden Lafetten“, endlich einige Vermessungsfahrzeuge und sieben Panzerschiffe für Küstenverteidigung. Dazu kann man noch den Monitor „Cerberus“ mit vier 25 cm rechnen, der Australien gehört.

Das ergibt die stattliche Zahl von 55 Schiffen und Fahrzeugen mit Vorderladern in Englands schwimmendem Flottenmaterial, worunter nicht weniger als 27 Panzerschiffe, die zusammen ein Deplacement von etwas über 201000 t haben, das will heissen von mehr Wasserverdrängung, als die gesamte, seeklar