Text-Bild-Ansicht Band 316

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL

82. Jahrg., Bd. 316, Heft 23. Stuttgart, 8. Juni 1901.

Textabbildung Bd. 316, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 M., direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) Stuttgart.Preise für Anzeigen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 48 mm Breite 10 Pf., 2spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. – Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen.

J. E. Reinecker's Werkzeugmaschinen.

Von Prof. Th. Pregél, Chemnitz.

Wie bekannt, haben die in Paris ausgestellten Werkzeuge und Werkzeugmaschinen der Firma J. E. Reinecker in Chemnitz-Gablenz die besondere Aufmerksamkeit der Fachmänner auf sich gezogen und sind auch besonders ausgezeichnet worden.

Diese Maschinen stellen in ihrer hochmodernen Entwickelung fast einen neuen Typus von Werkzeugmaschinen vor, welcher die Vorteile der deutschen und amerikanischen Bauweise in sich vereinigt.

Sowohl die Gesamtanordnung der einzelnen Maschinen, als auch die Formschönheit der Gestell- und Tischteile, sowie die sinnreichen Ausbildungen der Getriebwerke zeugen von grossen praktischen Erfahrungen und bedeutendem Erfindungstalent ihrer Erbauer.

Vorzügliches leistet diese Firma im Bau von Sondermaschinen, welche in ihrer eigenartigen Ausbildung die Mitte halten zwischen jenen Maschinen, die allgemeinen Zwecken dienen können und solchen, die nur zu einer eng begrenzten Bearbeitung brauchbar sind.

Zwar erfüllen einzelne Maschinen von J. E. Reinecker auch nur eine bestimmte Aufgabe, es können beispielsweise auf einer Maschine nur Schneckenräder, auf einer andern nur Schnecken gefräst werden, eine andere dient nur zum Fräsen gewundener Bohrer u.s.w., aber diese Teilung ist vorbestimmt und auch gewünscht.

Sowie es entschieden verfehlt ist, eine Sondermaschine für alle möglichen Zwecke zu bauen, ebenso ist es bedenklich, den Wirkungsbereich einer Maschine auf Elemente der Bearbeitung nach Form und Mass zu beschränken. Während eine Gewehrfabrik ohne weiteres Hunderte von Werkzeugmaschinen zum Stillstände bringt, sobald die Fabrikation eingeschränkt werden muss, wird z.B. eine Fahrradfabrik ihre Spezialmaschinen nur schwer zum Gebrauche für andere maschinentechnische Fabrikationszweige heranziehen können, sobald ein Stillstand in der Hauptfabrikation zu einem Betriebswechsel zwingt.

Namentlich sind die Maschinen von J. E. Reinecker frei von jener kleinlichen Bemessung einzelner Zwischenwerke, welche der amerikanischen Maschine eigentümlich ist, und welche mehr an die Ausgestaltung einer Nähmaschine, als an eine, rauheren Händen anvertraute Metallbearbeitungsmaschine erinnert.

Die folgenden, nach Originalzeichnungen dargestellten Werkzeugmaschinen von J. E. Reinecker zeigen die neuesten Bauweisen und dürften durch die eingehende Beschreibung dem Leser leicht verständlich werden.

J. E. Reinecker's Bolzendrehbank.

Diese in Paris ausgestellte, zur Bearbeitung glatter Bolzen bestimmte Drehbank von 140 mm Spitzenhöhe, zeigt in den Fig. 1 bis 6 bemerkenswerte Eigentümlichkeiten. Dieverhältnismässig kräftig bemessene Spindel a mit vorderem Kegelschenkel, wird mittels Druckringen b durch Ringmuttern achsenrichtig in den Lagerbüchsen c gehalten, trägt am hinteren Zapfenstück die Triebwerksräder d und f, welche vermöge eines Keilstabes g ihre Verkuppelung mit der Hauptspindel a erhalten. Das fest aufgekeilte Rädchen e besorgt den Schaltungsbetrieb durch Vermittelung eines auf festen Zapfen laufenden übersetzenden Räderpaares h, in dessen Getriebe die Wechselräder i der Hebelschwinge eingreifen und die Leitspindel h bethätigen.

Textabbildung Bd. 316, S. 357

Der eigentliche Hauptantrieb erfolgt entweder durch ein Deckvorgelege gewöhnlicher Bauart, oder durch ein mittels Elektromotors bethätigten, in Schwinglager laufenden Bodenvorgeleges, wie es bei der Ausstellungsmaschine der Fall war. Durch den vorbemerkten Räderwechsel df werden die Umlaufszahlen der vierläufigen Stufenscheibe n verdoppelt, so dass Umlaufszahlen der Spindel von 100 bis 1000 ermöglicht sind. Mittels Reibungskuppelung m wird die Nebenwelle l bethätigt und so der Hauptbetrieb durch geeignete Hebelwerke selbstthätig abgestellt. Zur Sicherung des Betriebes dient die in der Nabenhöhlung eingeschlossene Feder, welche einen konstanten Schlussdruck des Reibungsgetriebes hervorbringt, während der nebenstehende Stellring o als Hubbegrenzung wirkt.

Anschlagklötzchen besorgen eine Linksschiebung der Flachschiene p, durch welche ein Winkelhebel q mit Handgriff