Text-Bild-Ansicht Band 316

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unserer Marine sicher erreicht werden. Dadurch würde das Fassungsvermögen der Kohlenräume auf die Hälfte vermindert oder bei Beibehaltung derselben der Wirkungsbereich des Schiffes verdoppelt werden. Ferner können die Kesselräume, 1500 cbm, nutzbringend verwendet werden, da die Kessel bei den Gasmaschinen ganz fortfallen. Es werden somit bei der Gasmaschine für gleiche Leistungsfähigkeit mindestens 4400 cbm gespart, also beinahe ein Viertel der Wasserverdrängung des Schiffes. Dieser Vorteil ist ein so wesentlicher, dass die Schiffsmaschinenbauer mit aller Kraft und mit unermüdlicher Ausdauer danach streben müssen, dass die Hindernisse, welche der Verwendung der Grossgasmaschine als Schiffsmaschine heute noch im Wege stehen, fortgeräumt und überwunden werden. Das bequemste, wenn nicht einzige Mittel, das zur brauchbaren Lösung dieses wichtigen Problems führen kann, ist nach meinem Dafürhalten die Konstruktion einer vernünftigen rotierenden Gasmaschine, da dann die Manövrierfähigkeit der Gasmaschine derjenigen der Dampfmaschine mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen wird. Ob man dabei das Kolben- oder Turbinenprinzip zu Grunde legt, ist ziemlich belanglos, wenn nur auf die Anforderungen, welche der vorliegende Verwendungszweck vorschreibt, gebührend unter Wahrung der Einfachheit der Konstruktion und des wirtschaftlichen Wirkungsgrades Rücksicht genommen wird. Eine rotierende Kolbengasmaschine dürfte, da in den rotierenden Dampfmaschinen so zahlreiche Vorbilder vorliegen, wohl ebenfalls mit günstigemErfolg sich herstellen lassen, wenn man sich auf die bei den grossen Schiffsmaschinen üblichen Tourenzahlen einschränkt.

Anhaltspunkte für die Cylinderdimensionen der Gasmaschinen erhält man, wenn man beachtet, dass die 1000pferdigen Oechelhäuser-Gichtgasmaschinen der Ascherslebener Maschinenbau-Aktiengesellschaft, welche im Zweitakt arbeiten, einen Cylinderdurchmesser von 935 mm haben. Nimmt man für die Gasmaschine den Kolbenhub ebenfalls gleich 1750 mm wie bei den Kolben der Dampfcylinder von „Kaiser Wilhelm der Grosse“, so würde für die gleiche Kolbenfläche wie bei den sämtlichen Dampfcylindern dieses Schiffes die Gasmaschine eine Leistung von

(1,322 + 2,282 + 2 . 2,452) 0,9352 mal 1000 PS,

d.h. von rund 22000 PS besitzen. Die Cylinder würden also etwas grössere Durchmesser erhalten müssen, während bei im Eintakt arbeitenden Gasmaschinen, wie z.B. beim mit niedriger Höchsttemperatur arbeitenden Mewes-Motor, die Cylinderdimensionen erheblich kleiner werden.

Was die Feuerungsanlage anlangt, so. wird dieselbe nach den vielfachen Erfahrungen mit Generatoren und Wassergasöfen ebenfalls kleiner, worauf hier nur kurz hingewiesen sein mag.

Die Gasmaschine ist also in jeder Beziehung der Dampfmaschine bezüglich der Verwendbarkeit für Schiffe bedeutend überlegen, sofern es gelingt, die Gasmaschine ebenso manövrierfähig wie die Dampfmaschine zu gestalten. Dass dies möglich ist, beweisen im kleinen die Maschinen der Motorwagen.

Schutz der Gebäude gegen den Blitz.

In der Sitzung des Elektrotechnischen Vereins am 23. April 1901 sind die folgenden Leitsätze über den Schutz der Gebäude gegen den Blitz einstimmig angenommen worden. Ein Auszug des Berichtes über die Schlussberatung und Abstimmung, welcher in der Elektrotechnischen Zeitschrift vom 2. Mai 1901 (S. 389) abgedruckt ist, wird im nachstehenden mitgeteilt.

Antrag des Technischen Ausschusses auf Annahme der „Leitsätze über den Schutz der Gebäude gegen den Blitz“ durch den Elektrotechnischen Verein,

in der Sitzung am 23. April 1901 gestellt von K. Strecker.

Meine Herren! Der Elektrotechnische Verein hat im Jahre 1885 einen Unterausschuss mit Untersuchungen über die Blitzgefahr beauftragt, der aus den Herren Aron, v. Bezold, Brix, v. Helmholtz, Holtz, Karsten, Neesen, Paalzow, Werner Siemens, Toepler und Leonhard Weber bestand (vgl. Elektrotechnische Zeitschrift 1886, S. 50).

Die erste Frucht der Arbeit dieses Unterausschusses war eine Broschüre „Die Blitzgefahr, Nr. 1“, worin die allgemein anerkannten Anschauungen über das Wesen des Blitzes und die wichtigsten Grundsätze und Ratschläge für die Errichtung eines Blitzableiters dargestellt wurden. Im Jahre 1891 folgte ihr „Die Blitzgefahr, Nr. 2“, worin die Frage des Anschlusses der Rohrleitungen an den Blitzableiter statistisch und kritisch behandelt wurde. Neben diesen litterarischen Arbeiten gingen noch experimentelle Untersuchungen her, welche Leonhard Weber im Auftrage des Vereins ausführte und welche Messungen der atmosphärischen Elektrizität und Versuche mit Blitzableitern zum Gegenstand hatten (Elektrotechnische Zeitschrift 1886, S. 445; 1888, S. 189; 1889, S. 387, 521, 571; 1892, S. 239).

Der Unterausschuss hatte auch schon begonnen, sich mit einer Anleitung zur Herstellung von Gebäudeblitzableitern zu befassen. Allein Krankheit und Tod einiger der hervorragendsten Mitglieder verzögerten die Arbeit und schliesslich löste sich der alte Unterausschuss auf, um durch einen neuen ersetzt zu werden, der einen Teil der Mitglieder des ersten Unterausschusses und eine Anzahl neuer Mitglieder enthielt.

Dieser neue Unterausschuss stellte sich zunächst die Aufgabe, bestimmte Vorschriften für die Errichtung der Gebäudeblitzableiter aufzustellen. Er hatte diese Arbeit auch in Angriff genommen unter besonders thätiger Mitwirkung des Herrn Uppenborn; allein bei den Beratungen des Entwurfes zeigte sich bald, dass man sich über die Einzelheiten der Vorschriften nicht einigen konnte. Ueber die Grundlage des Ganzen war zwar keine irgend erhebliche Verschiedenheit der Meinungen vorhanden; allein sobalddie Vorschriften bestimmte praktische Gestalt annehmen sollten, ergaben sich starke Gegensätze. Dies führte dazu, die Frage im Verein zu diskutieren, was in der Sitzung am 25. Mai 1897 unter reger Beteiligung geschah (vgl. Elektrotechnische Zeitschrift 1897, S. 459).

Diese Diskussion hat wohl zur Klärung der Ansichten wesentlich beigetragen; allein die Gegensätze waren nicht geringer geworden. Besonders hatte Herr Findeisen durch die Darlegung seiner Beobachtungen und Ansichten der Sache eine andere Wendung gegeben; er wollte die Blitzableiter, ohne ihre Wirkung zu beeinträchtigen, billiger machen und schlug zu diesem Zwecke die Benutzung der metallenen Teile und Einrichtungen des Gebäudes in einem Umfange vor, wie es bis dahin noch nicht geschehen war.

Der Unterausschuss musste sich bald überzeugen, dass die Ansichten der Fachgenossen noch nicht so weit übereinstimmten, um zu einer ins einzelne gehenden Vorschrift gelangen zu können. Das Bedürfnis nach einer von autoritativer Seite ausgehenden Aeusserung über die Errichtung von Gebäudeblitzableitern war aber vorhanden; es konnte nur dadurch befriedigt werden, dass die Grundlagen für den Blitzableiterbau zusammengestellt wurden, so weit darüber unter den Sachverständigen keine Meinungsverschiedenheit bestand.

Dies war allerdings schon 1886 durch „Die Blitzgefahr, Nr. 1“ geschehen. Allein einerseits hatten sich unsere Anschauungen über die Erfordernisse eines Blitzableiters seitdem weiter entwickelt; andererseits erschien es als ein Bedürfnis, die allgemein anerkannte Meinung in einer kurzen Form auszusprechen, nicht wie damals in einer Abhandlung, sondern in wenigen kurz gefassten Sätzen, ohne Einzelheiten, ohne Begründung.

Auf diese Weise sollte zunächst eine Grundlage geschaffen werden für die weitere Entwickelung des Blitzableiterbaues. Es sollte aber ausserdem den Kreisen, die ausserhalb der Elektrotechnik stehen und sich für den Blitzableiter interessieren, der gegenwärtige Stand unserer Anschauungen in einer abgerundeten und von der Autorität unseres Vereines getragenen Form vorgeführt werden. Wir wenden uns an die Erbauer und Besitzer von Häusern und Gebäuden aller Art, an die Behörden, welche den Bau und die Unterhaltung von Gebäuden zu beaufsichtigen haben, an die Feuerversicherungsgesellschaften und Brandkassen. Ihnen wollen wir mit knappen Worten sagen, nach welchen Grundsätzen ein Blitzableiter zu erbauen und wie seine Wirksamkeit zu beurteilen ist.

Auf diese Weise sind die Leitsätze entstanden, welche vor nahezu Jahresfrist schon einmal dem Verein vorgelegen haben