Text-Bild-Ansicht Band 316

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vom leichtflüchtigen Benzin bis zu dem schwerflüchtigen Rohpetroleum9) zu verdampfen, einzig unter seinesgleichen dasteht.

Wir wenden uns jetzt der I. Klasse der Oelmotoren zu, den Motoren mit niederer Kompression, welche durch das Vorhandensein eines Verdampfers gekennzeichnet sind. Die weitere Einteilung dieser Motoren erfolgt nach einem Vorschlag von Professor E. Meyer in folgender Weise:

a) Oelmotoren mit mässig geheiztem Verdampfer; Mischung vor oder während der Verdampfung;

α) Verdampfer vor dem Einströmventil,
β) hinter dem

b) Oelmotoren mit heissgehendem (rotglühendem) Verdampfer; Mischung nach der Verdampfung;

α) Verdampfung vor dem Einströmventil,
β) hinter dem

Diese Einteilung ist ganz in der Natur der Sache begründet, denn es besteht offenbar ein Zusammenhang zwischen der Temperatur des Verdampfers und der Art und Weise, wie die Mischung vollzogen wird. Werden z.B. Luft und Oel schon vor der Verdampfung gemischt, nachdem das Oel durch Zerstäuben mischbar gemacht ist, so hat man ein zündfähiges Gemisch, das man in keinen heissgehenden Verdampfer leiten darf, da es sich dort entzünden würde. Dieser Fall liegt bei den Motoren der Klasse Ia vor; die Verdampfer dieser Klasse dürfen nur so stark geheizt werden, dass ihre Temperatur unter der Entzündungstemperatur des Gemisches bleibt. Die Vorzüge und Nachteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand; man kann die Mischung von Luft und Oel in sehr vollkommener Weise vornehmen, aber man kann diejenigen Oelbestandteile nicht verdampfen, deren Siedepunkt höher ist als die Verdampfertemperatur. Dies kommt hauptsächlich bei den schwereren Petroleumsorten in Betracht; schon das amerikanische Lampenpetroleum enthält nach Mitteilung von Professor Schröter-München (Z. d. V. d. I. 1897, S. 849) mehr als 25% von Bestandteilen, deren Siedepunkt über 300° C. liegt. Wenn diese hochsiedenden Bestandteile, welche in den mässig geheizten Verdampfern nicht verdampft werden können, nicht fein zerstäubt worden sind, bevor sie in den Cylinder kommen, so scheiden sie sich dort in Tropfenform ab, verbrennen unvollkommen und verschmutzen den Motor. In den Motoren der I. Klasse mit mässig geheiztem Verdampfer lässt sich demnach einesehr innige Mischung, aber keine vollkommene Verdampfung erzielen; zur vollständigen Ueberführung des Oeles – in erster Linie des Petroleums – genügt die mässige Erhitzung in den Verdampfern dieser Klasse nicht, es muss ausser der Verdampfung noch die Zerstäubung zu Hilfe genommen werden. Das Gesagte gilt, wie im letzten Satz angedeutet, zunächst nur vom Petroleum, welches hochsiedende Bestandteile enthält, nicht aber vom Spiritus, dessen Siedepunkt, je nach dem Wassergehalt, zwischen 78° (reiner Alkohol) und 100° C. (Wasser) liegt. Spiritus kann schon in mässig geheizten Verdampfern vollständig verdampft werden. Die Höhe der Verdichtung in den Motoren dieser Klasse hängt von der Temperatur im Verdampfer ab, je höher dieselbe ist, desto niederer muss man die Verdichtung halten.

Im Unterschied zu den mässig geheizten Verdampfern können in den heissgehenden Verdampfern auch hochsiedende Oele verdampft werden. In den mit rotglühenden Verdampfern ausgerüsteten Motoren lassen sich auch schwere Petroleumsorten verarbeiten. Hierin liegt ohne Zweifel ein Vorzug, wie fernerhin auch darin, dass der hocherhitzte Oeldampf, welcher in diesen Verdampfern entsteht, in geringerem Mass der Kondensation ausgesetzt ist, als bei den vorhin besprochenen Verdampfern der Fall ist. In die rotglühenden Verdampfer darf während der Verdichtung keine Luft hineinkommen, wenigstens nicht soviel, als zur Bildung eines Zündgemisches erforderlich ist, weil dies Frühzündungen zur Folge hätte. Die Mischung kann aus diesem Grund erst nach der Verdampfung vorgenommen werden; sie ist aber darum nicht unter allen Umständen schlechter, als in den Motoren mit mässig geheiztem Verdampfer. Freilich, wenn der rotglühende Verdampfer einen Teil des Verdichtungsraums bildet (Klasse Ibβ), wie das bei der Mehrzahl derselben zutrifft, und die Mischung hinter dem Einströmventil, im Cylinder selbst, vollzogen werden muss, dann ist die Mischung nicht so günstig, als bei mässig geheiztem Verdampfer. Es steht aber nichts im Wege, den rotglühenden Verdampfer vor das Einströmventil zu verlegen und auch die Mischung schon vor dem Einströmventil einzuleiten; dann wird auch bei rotglühendem Vergaser eine günstige Mischung erzielt. Nur gelangt dann das Zündgemisch mit ziemlich hoher Temperatur in den Cylinder, so dass nur eine schwache Verdichtung zur Anwendung gebracht werden kann.

Die weiteren Eigenschaften der beiden Klassen werden bei der Besprechung der einzelnen Konstruktionen erörtert werden, in welche nunmehr eingetreten wird.

(Fortsetzung folgt.)

J. E. Reinecker's Werkzeugmaschinen.

Von Prof. Th. Pregél, Chemnitz.

(Fortsetzung von S. 377 d. Bd.)

J. E. Reinecker's wagerechte Ausbohr- und senkrechte Fräsemaschine.

Bei dieser grossen Fräse- und Ausbohrmaschine sind bemerkenswerte Anordnungen der Haupt- und Nebenstellwerke zu verzeichnen, überhaupt bietet die ganze Bauweise dieser Maschine für den Maschinenbauer viel des Interessanten.

Die lichte Ständerweite beträgt 1720 mm, die freie Höhe 950 mm, der Schaltungshub des 1300 mm breiten und 6500 mm langen Tisches ist auf 6000 mm begrenzt, wobei der senkrechte Abstand der Ausbohrwelle von der Tischfläche mit 700 mm den Höchstwert erreicht, während die Tischfläche auf 835 mm über Fussboden gestellt ist.

Es besitzt ferner die senkrechte Fräsespindel 120 zu 165 mm Stärke im konischen Lagerkopf, während die 100 mm starke glatte Bohrwelle in einer 142 zu 180 mm starken Bohrspindel sich verschiebt.

Von einem gemeinschaftlichen Deckenvorgelege mit 150 mm Scheibenbreite von 450 mm Durchmesser wird bei 300 minutlichen Umdrehungen ein rechts- und linksgerichteterHauptbetrieb für beide Werke abgeleitet. Dagegen dient ein zweites, ebenfalls mit 300 Umdrehungen laufendes Deckenvorgelege von 75 mm Scheibenbreite, bei 450 mm Durchmesser, nur zum Schaltbetriebe des Haupttisches während des Langfräsens. Beide Antriebwerke sind an der linken Bettseite angeordnet.

Für das Querfräsen wird die Schaltung vom Hauptbetrieb der Fräsespindel mittels Stufenscheiben abgenommen, dagegen ist ein Satz Stufenräder zur Längsschaltung der wagerechten Ausbohrwelle in Anwendung gebracht.

Mit Gewichtsausgleichung ist bloss der obere Querbalken für das Fräsewerk ausgestattet, dagegen entbehrt der schwere Ausbohrschlitten einer solchen Ausgleichung, so dass dessen aus Tragspindel und Schneckentriebwerk zusammengebaute Handstellwerk beim Heben stark belastet sein dürfte. Um daher einerseits diesen Hebebetrieb zu unterstützen, andererseits auch den Ausbohrsehlitten von der linken Bettseite zu dirigieren, ist mittels Winkelräder ein zweiter Kurbelgriff vorgesehen.

9)

Dasselbe enthält sämtliche leicht- und schwerflüchtigen Bestandteile.