Text-Bild-Ansicht Band 316

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL

82. Jahrg., Bd. 316, Heft 28. Stuttgart, 13. Juli 1901.

Textabbildung Bd. 316, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 M., direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) Stuttgart.Preise für Anzeigen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 48 mm Breite 10 Pf., 2spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. – Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen.

Der Holländer.

Von Professor Alfred Haussner in Brunn.

Auch heute noch scheint der Ausspruch in Hoffmann's Papierfabrikation berechtigt: „Trotz seiner Bedeutung, und obwohl schon über 200 Jahre seit seiner Erfindung verflossen sind, wird der Holländer häufig noch wenig verstanden und infolgedessen unrichtig gebaut.“ Und wenn wir etwa danach fragen, woher dies komme, wie diese Erscheinung zu erklären sei, so finden wir auf diese Frage eine treffende Antwort von Seiten eines Mannes1), der durch seine Arbeiten gerade in dieser Richtung Anspruch auf Beachtung verdient. Rész sagt: So einfach der Holländer ist, so verwickelt wäre eine „Theorie“ desselben, und das wird wohl die Ursache sein, dass sich niemand daran gewagt hat.

In der That, trotz vereinzelter Versuche in dieses Gebiet weiter einzudringen, wie es etwa von Jagenberg2) in seiner urwüchsigen Schreibweise, von Kirchner3), Schacht und dem bereits genannten Rész (s. S. 235 d. Bd.) geschehen ist, scheint, so weit es wenigstens dem Schreiber dieses Aufsatzes bekannt ist, eine erschöpfendere Aufklärung hier noch nicht versucht oder noch nicht gelungen zu sein.

Schon gelegentlich meiner praktischen Studien in Papierfabriken lockten mich die Erscheinungen, wie sie beim Gange des Holländers auftreten, zu immer neuer Betrachtung, und es drängte mich fortwährend, eine Erklärung derselben im Zusammenhang mit den wichtigen Teilen des Holländers zu geben. Kleinere Versuche in den Fabriken, wie sie ohne Störung des Betriebes ausführbar waren, bahnten meine bezüglichen Arbeiten an. Andere Versuche an einem kleinen Holländer im mechanisch-technologischen Laboratorium unserer Hochschule folgten, damit Hand in Hand gingen die rein theoretischen Untersuchungen, bis das Material zusammengetragen war, das die vorliegende Arbeit und damit einen Versuch ermöglichte, mit fortwährender Bezugnahme auf die durch den Holländer zu leistende Arbeit, Licht über diese zu verbreiten, und zu auf wissenschaftlicher Grundlage ruhenden Angaben über die Hauptteile des Holländers zu gelangen.

Vorangestellt seien nur wenige Worte über das, was im Holländer eigentlich geleistet werden soll. Ausführlicheres kann in jedem Buche über Papierfabrikation nachgelesen werden. Die Erklärungen mögen durch eine an ältere, aber im wesentlichen an vielfach auch noch heute im Gebrauche befindliche Holländerkonstruktionen gemahnende Skizze (Fig. 1 und 2) geleitet werden.

Aufgabe des Holländers ist: Zeug, Stoff zu mahlen, d.h. geeignetes Fasermaterial durch eine Art Schabprozess so weit zu verfeinern, dass ein zur Papierbereitung geeigneter Faserbrei erzielt wird. Das Schaben erfolgt hier zwischen den „Messern“ G des „Grundwerkes“, welches meist festgelegt ist, einerseits, den „Messern“ Q der nach der Pfeilrichtung gedrehten „Walze“ P andererseits. Bei richtigerMesserstellung und Form wird wirklich zwischen Q und G geschabt, aber es werden auch Fasern durch die Walze mitgenommen, welche noch nicht genug zerkleinert sind. Solche müssen nochmals und immer wieder, so lange, bis sie genug zerkleinert sind, der Wirkung der Messer ausgesetzt, also von links (Fig. 1) nach rechts zur Walze zurückgeschafft werden4).

Textabbildung Bd. 316, S. 437
Textabbildung Bd. 316, S. 437

Das lässt sich nun am einfachsten wohl so ausführen, dass man mittels eines geeignet erzeugten Gefälles den reichlich mit Wasser versehenen Stoff von links gegen rechts zurückfliessen lässt. Natürlich muss der Stoffstrom der Walze ausweichen, so dass sich die aus den Fig. 1 und 2 erkennbare Form für den „Trog“, in dem der Stoff zu kreisen hat, fast von selbst ergibt, um den Stoff seitlich der Walze von A über B nach CFG zu leiten. Dies ist jedoch nicht unbedingt nötig. Man kann, wie es bei den sogen. „Untergrundholländern“ geschieht, den Stoff auch unter der Walze zurückführen, wie die Fig. 3 erkennen lässt. Der Stoff wird oberhalb des Grundwerkes G erfasst, zwischen der Walze P und dem Grundwerk G durchgezogen, bei K ausgeworfen und gelangt bei BCD vorüber wieder zum Grundwerk G zurück.

1)

E. Rész: Vgl. z.B. Papierzeitung, 1895 S. 3310.

2)

F. Jagenberg: Das Holländergeschirr in Briefen an einen Papiermacher, 1890 (vgl. auch Papierzeitung, 1896 S. 730).

3)

Vgl. Güntter-Staib's Wochenblatt. 1895 Nr. 46.

4)

Bei den sogen. Stoffmühlen, wie sie z.B. in den Aufsätzen des Verfassers „Ueber Neuerungen in der Papierfabrikation“ in Dinglers polytechn. Journal wiederholt beschrieben und skizziert worden sind, ist dies häufig nicht notwendig, weil durch eigentümliche Anordnung der Mühlen die Fasern gezwungen werden, so lange zwischen den Messern zu verweilen, bis sie sämtlich ausreichend zerkleinert worden sind.