Text-Bild-Ansicht Band 316

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vi, mit welcher der Stoffstrom sich im Rohre bewegt hatte.

Es sei durchaus nicht verhehlt, dass hier merklichere Fehlerquellen liegen können. Bei der Bestimmung der Ausflussmenge selbst ist wohl nichts zu fürchten, wie ohne weiteres zugegeben werden dürfte, aber die Zeit, welche auf dem geschilderten Wege erhalten wurde, kann relativ recht ungenau sein. Einerseits ist eine grössere absolute Genauigkeit als auf ⅕, Sekunde wegen der Uhrenkonstruktion nicht möglich, und das kann fühlbar werden, indem die meisten Versuche etwa 6 bis 7 Sekunden dauerten. Andererseits war genaues Zusammenarbeiten nötig, damit die durch die erwähnten Zeichen veranlassten Arbeiten wirklich gleichzeitig erfolgten. Dies zu gewährleisten, wurde durch fleissige Einübung erstrebt. Endlich ist zu berücksichtigen, dass bei plötzlicher Eröffnung die Flüssigkeit erst in Bewegung geraten musste, was ja auch etwas Zeit beanspruchte, wofür allerdings aus der Form der Ausflussparabel festgestellt werden konnte, dass anscheinend in weniger als ⅕ Sekunde die Ausflussgeschwindigkeit normal wurde. Dadurch aber, dass fast für jede der Bedingungen wenigstens drei Versuche ausgeführt und daraus Mittelwerte bestimmt worden sind, nachdem auffallend abweichende als fehlerhaft weggelassen worden waren, ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass auch diese Fehler so weit wie möglich eliminiert sind. Diese Mittelwerte, welche von den Versuchswerten in äusserst seltenen FällenAbweichungen bis zu 7 %, meist nur etwa 3 % oder noch weniger, aufwiesen, sind in den nachfolgenden Tabellen zusammengetragen.

Aus der Geschwindigkeit vi, mit welcher der Stoff sich thatsächlich im Rohre bewegt hatte, und welche, wie eben vorher erläutert, aus den Versuchswerten leicht zu ermitteln ist, konnte dann die zugehörige Geschwindigkeitshöhe

, d.h. jene Höhe gefunden werden, welche bei Abwesenheit aller Nebenwiderstände die Geschwindigkeit vi hervorrufen würde. Somit ist zu schliessen, dass die Differenz h – hi, d.h. mittlere thatsächliche Gefällshöhe weniger jener Höhe, welche nur zur Erzeugung der thatsächlichen Flüssigkeitsgeschwindigkeit vi gebraucht zu denken ist, jenen Anteil des Gefälles ergibt, der zur Ueberwindung der Nebenwiderstände in der Rohrleitung bei der Geschwindigkeit vi angenommen werden muss, so dass also die Nebenwiderstandshöhe, welche alle während des Fliessens wirkend gewesenen Neben widerstände in sich begreift, aus der Gleichung folgt: hw = h – hi.

Diese gefundenen Mittelwerte stehen nun auch in den Tabellen S. 440 bis 443. Voran ist Wasser, allen übrigen insofern gemeinsam, als Wasser den Zustand für 0 % Stoff kennzeichnet. Dann kommen die Werte getrennt für die einzelnen Stoffgattungen, deren Verhalten untersucht worden ist.

(Fortsetzung folgt.)

Der Kanalofen und sein Wert für die Hüttenindustrie.

(Schluss von S. 421 d. Bd.)

Eine Neuerung der Firma Möller und Pfeifer in Berlin bezieht sich auf die Verwendung der Abhitze von Kanalöfen zu Trockenzwecken. Man hat bei den Kanalöfen, wie wir gesehen haben, zweierlei Abhitze zu unterscheiden, einmal die Abhitze, welche in den abziehenden Feuergasen enthalten ist, zweitens die Abhitze, welche die bereits gebrannten Steine enthalten. In manchen Fällen hat man darauf zu achten, dass die Feuergase mit den Trockenwaren nicht in Berührung treten, um chemische Einwirkungen ersterer auf letztere zu verhüten.

Textabbildung Bd. 316, S. 444

Dann wird es sich empfehlen, die Abhitze der Brenngase besonders, und zwar unter Vermittelung von Heizregistern, in den Trockenanlagen zu verwenden, während die Luft, welche sich an den fertig gebrannten Produkten erwärmt hat, wegen ihrer Reinheit frei durch die Trockenräume geführt wird. Fig. 17 zeigt einen Grundriss des Brennkanals a b in Verbindung mit einem Trockenkanal ik. Aus ersterem werden die Feuergase mittels Exhaustors g ab- und durch die Heizregister des Trockenkanals derart durchgesaugt, dass sie von einem Ende des Kanals nach dem anderen in entgegengesetzter Richtung laufen, als die mit Waren beladenen Wagen, und das Trockengut durch die Wände der Heizregister hindurch erwärmen. Die in der Kühlzone des Kanalbrennofens an dem fertig gebrannten Gut sich erhitzende Luft wird dagegen durch einen besonderen Exhaustor f bei e abgesaugt und frei in den Trockenkanal eingeleitet, und zwar ebenfalls am heissen Ende desTrockenkanals, so dass die erhitzte Luft mit den schon vorgetrockneten Waren in Berührung kommt, welche eine schärfere Austrocknung vertragen. In der Mitte des Trockenofens ist ein dritter Exhaustor h angeordnet, welcher die mit Wasserdampf gesättigte Luft aus dem Trockenkanale abführt. Der Exhaustor h zieht mehr Luft aus diesem Kanäle ab, als der Exhaustor f ihm zuführt. Es wird mithin bei geschlossenen Thüren des Trockenkanals am heissen Ende i ein Luftstrom durch die teilweise geöffneten Thüren k durch den kühleren Teil des Trockenkanals hindurchziehen bis zu den Saugöffnungen des Exhaustors h. Diese Trockenluft wird durch die Heizregister / erwärmt und dadurch befähigt, Wasserdämpfe in genügender Menge aufzunehmen.

Ein Kanalofen, der nur Trockenzwecken dient, ist in den Fig. 18 bis 22 dargestellt. Die Schnitte AA BB CC sind Querschnitte nach den betreffenden Buchstaben im Längsschnitt EE. Schnitt DD ist ein Grundschnitt nach Linie DD in derselben Figur EE. Schnitt AA zeigt einen beladenen Wagen. Die Heizkanäle sind seitlich zu beiden Seiten sichtbar. Schnitt BB zeigt den Eintritt der Heizgase in die Heizkanäle, Schnitt CC den Uebertritt der Kühlluft unter den Rost. Aus Schnitt EE ist ersichtlich, wie die Kühlluft und die Heizgase durch eingebaute Zwischenwände (Zungen) gezwungen sind, eine schlangenförmige Bewegung anzunehmen. Durch Pfeile ist die Richtung der Bewegung angedeutet. Schnitt DD lässt den Uebergang von der Heiz- zur Kühlzone erkennen.

Zur Fortbewegung der mit dem Trockengut beladenen Wagen dient eine Hängebahn. Der Schlitz in der Decke, in welchem die Hängeeisen der Wagen geführt werden, wird durch Schleppschwänze geschlossen, welche von den Hängeeisen mitgeschleift werden.

Zur Förderung des Trockenprozesses werden nach einem Vorschlage von E. Cramer in Berlin an jedem Wagen dünne, senkrecht stehende Platten befestigt, deren äussere Gestalt dem Querschnitt des Trockenkanals entspricht. Die Platten sind aus Papier, Blech, Holz oder ähnlichen Stoffen hergestellt. Durch die Platten wird der ganze Ofenkanal in einzelne Zellen zerlegt, deren jede eine besondere Trockenkammer für sich darstellt. Die Zirkulation der Luft zwischen