Text-Bild-Ansicht Band 316

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL

82. Jahrg., Bd. 316, Heft 30. Stuttgart, 27. Juli 1901.

Textabbildung Bd. 316, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 M., direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) Stuttgart.Preise für Anzeigen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 48 mm Breite 10 Pf., 2spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. – Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen.

Der neue Edison-Akkumulator.

Wie bei allen von Edison geschaffenen Neuerungen wusste auch diesmal die Tagespresse Wunderdinge über diesen neuen Akkumulator, welcher in Bezug auf seine Qualitäten alles bisher Bestehende übertreffen soll, zu berichten, während die technischen Zeitschriften sich diesbezüglich nur auf kurze Notizen beschränkten, in welchen zumeist Zweifel über den Wert dieser Erfindung zum Ausdrucke gelangten, oder die Angaben der Tagespresse in ihren Details widerlegt wurden.

Auch jetzt, wo die Details dieser Neuerung einigermassen bekannt sind, muss ein allgemein skeptisches Verhalten der berufenen Fachorgane, gegenüber den angeblichen Vorteilen, konstatiert werden.

Eigentlich hat man es jedoch mit zwei voneinander grundsätzlich verschiedenen Neuerungen zu thun, indem die für die zwei in Betracht kommenden Akkumulatorentypen verwendeten Materialien ganz verschiedene sind und nur in der äusseren Form eine gewisse Aehnlichkeit aufweisen.

Das ältere Patent bezieht sich auf einen Kupfer-Kadmiumakkumulator, bei welchem, von den Untersuchungen Lalande und Chaperon's ausgehend, das Zink in den Akkumulatoren von Desmazures-Commelin de Baillache durch Kadmium ersetzt wurde. Bei diesem Akkumulator ist die negative Elektrode oder der positive Pol des Elementes aus rotem Kupferoxydul und die positive Elektrode oder der negative Pol aus Kadmium gebildet, wobei als Elektrolyt eine Lösung kaustischer Soda oder Natronlauge verwendet wird.

In diesem Sinne ist dieser neue Akkumulator mit dem von Schmidt und Junger in ihrem schwedischen Patente beschriebenen als identisch anzusehen.

Die Verbesserungen, welche Edison durchgeführt zu haben behauptet, beziehen sich auf die nachfolgenden Punkte, und zwar 1. Verwendung von sehr fein verteiltem Kupfer, durch welches sich, wie es scheint, wasserfreie Oxyde oder Anhydrite desselben bilden, sonach das Auftreten von in der kaustischen Lauge löslichen Oxydhydraten vermieden wird. 2. Verhinderung von lokalen Aktionen im Innern des Elementes, wie solche sonst durch Kupferniederschlag auf die positive Elektrode entstehen müssten, wenn sich ein Teil des Kupferoxydes im Elektrolyte löst. 3. Infolgedessen Vermeidung von porösen Umhüllungen der negativen Elektrode zum Zwecke der Hintanhaltung solcher Kupferanlagerungen, und 4. Verminderung der Flüssigkeit im Akkumulator selbst, wodurch sich das Gewicht der Batterien auf weniger als die Hälfte des Gewichtes von gleich leistungsfähigen Bleiakkumulatoren herabdrücken lassen soll.

Besonderes Augenmerk wurde seitens Edison's der Präparation der für den Akkumulator zur Verwendung gelangenden Materialien gewidmet und gibt das Patent eine detaillierte Beschreibung der hierbei vorzunehmenden Manipulationen. Nach den Beobachtungen von Edison soll Kupferoxyd in äusserst fein verteiltem Zustande ganz besondere Eigenschaften erhalten. Um dasselbe nun in diesem Zustande zu gewinnen, wird reines Kupferkarbonat durch Wasserstoff bei möglichst niederer Temperatur reduziert. Die niedere Temperatur soll eine Grundbedingung sein,indem sonst die Dichtigkeit des Kupfers eine viel grössere und soll in dessen Wirksamkeit eine geringere wird.

Das Kadmium wird in reinem faserigen und äusserst fein verteilten Zustande durch Elektrolyse einer Sulfatlösung derselben unter Anwendung einer grossen Stromdichte erhalten. Als Kathode wird hierbei ein feiner Platinfaden, als Anode eine Platte aus Kadmiummetall verwendet. Der sich an diese Platte anlegende Niederschlag wird von Zeit zu Zeit abgenommen und in Wasser gewaschen, um die an demselben haftende Sulfatlösung auszulaugen.

Textabbildung Bd. 316, S. 469
Textabbildung Bd. 316, S. 469
Textabbildung Bd. 316, S. 469

Die Träger der aktiven Masse oder die Elektrodenplatten bilden dünne perforierte Nickelplatten, auf welche, wie dies aus Fig. 1 bis 3 erhellt, in regelmässigen Abständen eine Reihe achtkantiger Tröge, gleichfalls aus perforiertem Nickelblech bestehend, in der Weise aufgesetzt sind, dass sie nur über eine Seite derselben hervorstehen. Die dünnen Tragplatten sind an ihren Enden nach oben und unten zu mit Verlängerungen versehen, in welche Löcher geschlagen sind, durch welche die einzelnen Platten mittels eigener isolierter Bolzen in dem gegenseitigen richtigen Abstande erhalten werden. Die obere Verlängerung dieser Platten dient als Stromabnehmer und wird in die daselbst vorgesehene Oeffnung ein Bolzen durchgetrieben, der alle Platten gleicher Polarität leitend verbindet. Dieser Bolzen geht durch die Wandungen des Troges, welcher die Platten aufnimmt, und endet ausserhalb desselben in eine Einschalteklemme.

Das auf die früher schon beschriebene Weise präparierte Kupferoxyd wird nun unter leichtem Druck in Form