Text-Bild-Ansicht Band 316

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für ζ*r die Grösse von x merklich beeinflussen, wie die beiden ausgerechneten Beispiele unmittelbar erkennen lassen.

Uebrigens lassen die beiden besonderen Werte für den günstigsten Krümmungshalbmesser deutlich erkennen, dass für die gewöhnlichen Fälle, so wie es die tastende Erfahrung herausgefunden und so wie es in einer ungeheueren Zahl von Holländerkonstruktionen wirklich gemacht wird, Krümmungshalbmesser näherungsweise gleich der halben Kanalweite, thatsächlich für die einfachen Fälle und die hohen Konzentrationen noch gut entspricht. Es ist eben das Glied mit A in ζ*r, welches die Krümmungsradien infolge ausserordentlichen Anwachsens des Reibungswiderstandes so sehr herabdrückt, wenn die Stoffgeschwindigkeit relativ niedrig ist.

Damit ist aber auch ein Fingerzeig gegeben, um womöglich Abhilfe zu bringen, denn Abhilfe wäre mit Rücksicht auf die zu leistende Arbeit sehr zu wünschen. Infolge des kleinen Krümmungsradius ergibt sich nämlich an der inneren Seite des Kanals ein hohes relatives Gefälle und infolge desselben eilen die inneren Stoffpartien den aussen liegenden nicht bloss wegen des an der inneren Seite kürzeren Weges, sondern auch infolge bedeutend grösserer Geschwindigkeit ungemein vor, gelangen solcherart öfter unter die Walze, werden mehr zerschabt und die Folge ist ungleichmässiger Stoff, wenn nicht besondere Gegenmittel angewendet werden.

Abhilfe scheint nun nach den vorliegenden Versuchen, wie schon kurz angedeutet, durch höhere Stoffgeschwindigkeit in der Krümmung erzielbar. Sei es, dass durch irgend eine mechanische Vorrichtung grössere Stoffgeschwindigkeit erzwungen wird, was bis zu einem gewissen Grade, wie bei der Betrachtung des Längenprofils dargethan werden soll, vorteilhaft sein kann, sei es, dass durch Verengung des Kanals in der Krümmung höhere Stoffgeschwindigkeit örtlich veranlasst werde. Darauf ist diezaghafte, in Fig. 2 bei L3) punktiert angedeutete Abrundung zurückzuführen, wie auch die aus der Praxis gemachten Vorschläge, den Kanal aussen nicht nach einem Kreise, dessen Mittelpunkt am Ende der Trogscheidewand liegt, zu begrenzen, sondern etwa so, wie die Fig. 134) erkennen lässt. Allerdings kann da nicht verhehlt werden, dass ein solcher Vorgang auch sein Bedenkliches hat, indem notgedrungen, um die grössere Geschwindigkeit in der Verengung herauszubringen, wenn sie auch allmählich gegen den Kanal, in welchem' sich die Fig. 13. Walze nicht befindet, vorgenommen wird, eine gewisse Anstauung vorher eintreten muss, wodurch das Seitenverhältnis im Querschnitt ins Ungünstige geändert, grösserer Reibungswiderstand hervorgerufen wird.

Textabbildung Bd. 316, S. 494

Gleichmässige Erhöhung der Stoffgeschwindigkeit bis an ein gewisses Mass, auf welches noch im folgenden zurückzukommen ist, dürfte somit das einzige Mittel sein, welches wirkliche Abhilfe bis zu einem gewissen Grade verspricht. Denken wir uns, es wäre möglich, die Stoffgeschwindigkeit auf 0,3 m zu bringen. Dann wird für die übrigen oben angegebenen Bedingungen der günstigste Krümmungsradius x = 0,77 a (3% Stoff), 0,92 a (2% Stoff). Diese Resultate sehen nun wesentlich günstiger aus. Es folgt dann an der Mittelwand auch schon ein ganz merklicher Bogen mit 0,27 bezw. 0,42 Kanalbreite Radius, somit auch kein so ausserordentlich grosses relatives Gefälle und damit im Zusammenhang nicht so rasches Voreilen der Fasern, welche in der Nähe der Mittelwand fliessen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Heizung der Eisenbahnwagen1).

(Pariser Weltausstellung 1900.)

(Schluss von S. 427 d. Bd.)

Heizungsanlage der Ostbahn. Die Heizungsanlagen mittels Wärmeröhren der Ostbahn beruhen auf denselben Grundlagen, wie diejenigen der Nordbahn, unterscheiden sich jedoch von denselben durch einige Einzelheiten.

Der bei der weit grössten Anzahl der Wagen der Ostbahn gebräuchliche Kessel besteht ebenfalls aus doppelten Wänden, welche einen Wasserbehälter A bilden (Fig. 8); am unteren Teil befindet sich ein drehbarer Rost B mit einem Handgriff C. Im oberen Teil befindet sich der mit einem Kniestück versehene doppelwandige Schornstein D, an dessen unterem Teil ein Regulierungsschieber V angebracht ist.

Die Speisung der Heizkörper geschieht mittels zweier Abflussröhren E für das warme Wasser; die Heizkörper A (Fig. 9 und 10) befinden sich auf der einen Seite über den Ausflussröhren T, auf der anderen über den Rückflussröhren T1. Jeder Heizkörper besitzt an einem Ende ein Luftauslassrohr t, welches sich über den Spannungs- oder Druckregler V hinwegzieht und dann unter dem Wagen in die freie Luft führt. Eines der Rohre t endet in einen aussen am Wagen angebrachten Trichter E1, welcher zur Speisung der Anlage mit Wasser dient. Die Wagen erster Klasse sind mit je einem zwischen einem Heizkörper und dem entsprechenden Abflussrohr angebrachten Regulierungshahn r versehen, mittels welchem der Umlauf des Wassers bei einem Heizkörper, ohne einen anderen in Mitleidenschaftzu ziehen, geregelt wird, was bei den Heizungsanlagen der Nordbahn nur bei zwei Heizkörpern zugleich stattfinden kann. Hierzu ist jedoch ein zweiter Spannungs- bezw. Druckregler V1 erforderlich, der ausserhalb an dem anderen Wagenende gegenüber dem Einfülltrichter angebracht ist. Es wird durch denselben bezweckt, Verluste, welche durch Sieden oder Verdampfen des Wassers bei nicht geschlossenen Hähnen entstehen können, zu vermeiden. Ein Ergänzungsrohr verbindet die Zufluss- und Abzugsröhren, so dass der Wasserumlauf, auch wenn einer oder mehrere Regulierungshähne geschlossen sind, nicht unterbrochen wird.

Textabbildung Bd. 316, S. 494

Bei den Wagen mit geteiltem Verbindungsgang ist eine Teilung des Kessels infolge der grossen Länge der Wagen angeordnet worden, was der Bildung Fig. 8. zweier Heizungsanlagen mit einer Feuerung entspricht. Der Kessel befindet sich hier in dem Gang nahe der Eingangsthür hinter einer durchbrochenen Thür. Der untere Teil des Schornsteins ist knieförmig gebogen (Fig. 11) und befindet sich in einer Umhüllung ä von Rotkupfer, welche einen

3)

Vergl. Max Schubert, Die Praxis der Papierfabrikation. Berlin 1898.

4)

Vergl. Papierzeitung, 1896 S. 194, dann Hofmann's Papierfabrikation z.B. und Dingler, S. 235 d. Bd., wo Ereky mit dem Anschein, thatsächlich aber ohne Begründung, diese alte Erfahrungsregel wiedergibt.

1)

Nach dem Génie civil.