Text-Bild-Ansicht Band 316

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Die im Rohr hängende Wassersäule übt eine ihrer Höhe entsprechende saugende Wirkung auch auf Strahlturbinen aus, die sich auf alle Punkte des das Laufrad bedeckenden und umschliessenden Gehäuses erstreckt. Damit sich dabei die Turbine in Luft und nicht im Wasser dreht, muss fortwährend eine geringe Menge äusserer Luft derart Zutritt ins Gehäuse erhalten, dass die Wasseroberfläche niemals den Umfang des Rades erreicht. Diese Speisung wird durch einen Schwimmer und ein selbstthätiges Luftventil bewerkstelligt, das sich öffnet, wenn der Wasserspiegel im Saugrohr infolge gesteigerten Zuflusses oder Drucküberschusses durch mitgerissene Luft steigt, sich dagegen sofort wieder schliesst, sobald die von aussen entnommeneLuft ein erneutes Fallen der Wasseroberfläche bewirkt hat.

Durch die im Gehäuse eintretende Luftverdünnung wird die Druckhöhe, unter welcher das Wasser aus der Aufschlagdüse austritt, vergrössert. Das Sauggefälle wird natürlich nur in dem Masse ausgenutzt, wie es die Luftverdünnung gestattet; würde dieselbe zu gross, so würde der Unterwasserspiegel ansteigen und schliesslich das Gehäuse anfüllen, wodurch der Wirkungsgrad, wenn das Laufrad im Wasser ginge, sich ausserordentlich verschlechterte. Diese Hilfseinrichtung soll nach den gemachten Erfahrungen so genau arbeiten, dass der Unterwasserspiegel nur um wenige Centimeter schwankt.

Kleinere Mitteilungen.

Leichte Riemenscheibe aus Korkmasse.

Von der Firma C. A. Greiner in Nürtingen (Württemberg) wird eine eigenartige Riemenscheibe hergestellt und auf den Markt gebracht, die wegen ihres geringen Gewichts und wegen der grossen Adhäsion des Riemens die Aufmerksamkeit weiter Fachkreise verdient.

Die Korkriemenscheibe besteht aus Speichen und Nabe von Holz und dem Radkranz aus gepresstem und zerkleinertem Kork, dem etwas Papier, der besseren Bindung wegen, zugesetzt ist. Die ganze Masse ist mit einem Hartharz imprägniert, wodurch einerseits grosse Festigkeit, andererseits grosse Adhäsion erreicht wurde. Zu beiden Seiten ist der Radkranz mit dünnen (5,8 mm starken) Holzfournieren versehen, um eventuell Beschädigungen durch Riemenauflegen u.s.w. zu verhindern.

Textabbildung Bd. 316, S. 659

Die Riemenscheiben sollen sich in der Praxis gut bewähren, darunter Hauptantriebscheiben, die über 20 PS übertragen, ohne irgend welche sichtbare Abnutzung zu zeigen, noch dass sie unrund geworden wären, da der imprägnierte Radkranz eine starre Masse bildet, die sich durch Temperaturschwankung nicht verändert.

Kaperkreuzer und der Croiseur corsaire „Jurien de la Gravière“.

Frankreichs Werftetablissements bemühen sich ebenso wie die Englands, Deutschlands, Russlands und der Vereinigten Staaten, die ihnen zum Bau überwiesenen Kriegsschiffe in möglichst kurzer Zeit fertig zu stellen. Es ist aber Frankreich eigentümlich, dass sich diese Fertigstellung bei einzelnen Schiffen ausserordentlich verzögert. Vor etwa einem Jahrzehnt kam es vor, dass Schlachtschiffe bis zur Seeklarheit 6 Jahre und darüber brauchten; so wurde „Magenta“, abgelaufen am 19. April 1890, gebaut nach Plänen von Huin, 1887 begonnen und war 1895 soweit fertig, dass man sich entschloss, sie in Toulon umzubauen. Schlachtschiff „Brennus“, abgelaufen 1891 zu Brest, ebenfalls nach Plänen von Huin gebaut, wurde am 2. Januar 1889 begonnen und war erst 1896 völlig seeklar. In dem letzten Jahrzehnt war man bemüht, die Bau- und namentlich die Ausrüstungszeit abzukürzen, was auch teilweise gelang. Schlachtschiff „Gaulois“, abgelaufen am 6. September 1896 im Arsenal zu Brest, brachte nur neun Monate auf dem Helling zu, konnte aber erst 1900 dem Mittelmeergeschwader überwiesen werden. Man versicherte französischerseits, dass übermässig lange Bau- und Ausrüstungsfristen nicht mehr in der Kriegsmarine vorkämen, und dass man in französischen Etablissements ebenso schnell baue wie in den ersten derartigen Anstalten aller anderen Seemächte.

Der Bau des Kaperkreuzers (Croiseur corsaire) „Jurien de la Gravière“ zeigt das Gegenteil dieser Behauptung. Die Geschichte dieses Schiffes ist von Interesse. Als die Zahl der Schnelldampfer in den Handelsflotten sich mehrte, oder vielmehr als England, Deutschland und Russland solche Schiffe in ihren Flotten besassen und geneigt schienen, ihre Zahl stetig und zwar durch Schiffe von wachsender Schnelligkeit zu vermehren, da ergab sich bei unparteiischer Betrachtung die Thatsache, dassdie Kriegsmarinen nicht in der Lage waren, solche Dampfer, wenn man sie armierte, in Kriegszeiten für die Kriegsflotte charterte und auf Kaperfahrten sandte, mit Erfolg zu jagen und ihnen ihr Handwerk zu legen. Die Panzerkreuzer, welche England Mitte der 80er Jahre in „Imperieuse“ und „Warspite“ gebaut hatte, wie die folgenden sieben der „Australia“-Klasse, die Ende der 80er Jahre fertig wurden, konnten ebenso wenig daran denken, einen Ozeanschnelldampfer der britischen Cunard-, Inman-, White Star Line oder des Norddeutschen Lloyd zu jagen, wie die zu derselben Zeit entstandenen, durch Panzerdeck geschützten Kreuzer der Klasse „Edgar“ und „Blake“, elf an der Zahl, deren letzter, „St. George“, erst 1892 bei der Earle Comp. in Hull ablief. Das war die Zeit, wo der Norddeutsche Lloyd die „Havel“ und „Spree“ besass, die Hamburg-Amerika-Linie, damals Hamburg-Amerika-Paketfahrt-Aktiengesellschaft genannt, aber bereits über die Doppelschraubendampfer „Auguste Victoria“, „Columbia“, „Normannia“ und „Fürst Bismarck“ verfügte, während den britischen Linien Schiffe wie „City of Paris“ und „Majestic“ zur Verfügung standen, die mit bis 20 Meilen Fahrt stündlich, eine Woche hindurch die See halten konnten.

Da tauchte in den Vereinigten Staaten ein Projekt auf, leicht geschützte Kriegsschiffe zu bauen, die mit verhältnismässig leichter Bestückung grosse Schnelligkeit in sich vereinen sollten, und die zu dem ausgesprochenen Zweck konstruiert wurden, die Post- und Schnelldampfer zu jagen und zu vernichten. Man legte zwei Schwesterschiffe, „Columbia“ und „Minneapolis“ auf, gab ihnen drei Maschinen, drei Propeller und verlangte von ihnen Fahrgeschwindigkeiten, die bis dahin von grossen Kriegsschiffen nie verlangt waren. Zugleich gab man ihnen ein so grosses Deplacement, das sie befähigte, bedeutende Kohlenmengen einzuschiffen und ihren Besatzungen auf längeren Fahrten gute Unterkunft zu gewähren. „Columbia“ lief am 26. Juli 1892, „Minneapolis“ am 12. August 1893 vom Stapel. Beide Schiffe wurden von der Firma Cramp and Sons in Philadelphia geliefert und sie entsprachen den Erwartungen, die man in sie gesetzt hatte. Es sind 125,7 m lange, 17,7 m breite, 7375 t deplacierende Schiffe, welche für ihre drei Propeller drei Maschinen von 18509 bezw. 20862 PS leistende Maschinen besitzen und die bei ihren Probefahrten 22,831) und 23,1 Meilen gelaufen sind. Ihr einziger Schutz besteht, was den Schiffskörper anbelangt, in einem bis 10,2 cm dicken Stahldeck, und ihre Artillerie setzt sich aus einem 20,3 cm, zwei 15,2 cm Hinterladern, acht 10 cm, zwölf 5,7 cm, zwei 3,7 cm Schnellladern und zwei Mitrailleusen zusammen; auch führen sie vier Torpedolancierrohre. „Columbia“ war zur Flottenschau gelegentlich der Eröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals 1895 in Kiel und erregte auch dort berechtigtes Aufsehen, nicht allein durch den schneeweissen, durch rote Linien gehobenen Anstrich und ihre terrakottaartig gemalten vier Schornsteine.2)

Obwohl bereits nach Fertigstellung dieser Schiffe, die man amerikanischerseits in bekannter Anerkennung der eigenen Verdienste „Handelszerstörer“ nannte, stark zu bezweifeln war, dass sie, trotz ihrer bei den Probefahrten geleisteten Schnelligkeit, thatsächlich einen Schnelldampfer erfolgreich zu jagen im stande seien, denn ein selbst älterer Dampfer dieser Art, wie beispielsweise die 1887 abgelaufene „Lahn“ des Norddeutschen Lloyd, noch Einschraubenschiff, geht dauernd und mühelos mit über 18 Meilen Fahrt durch die See, so schenkte man doch dem neuen Typ naturgemäss grosse Aufmerksamkeit. Royal United Service Institution, Aprilheft 1894, sagte: „Columbia“ könne mit 21,1 Meilen Durchschnittsgeschwindigkeit die Reise von New-York

1)

Deutsche Marine-Rundschau, 1896 Heft 11.

2)

United Service Journal vom 24. August 1895.